Gerechtigkeit für Assange

Gruppenfoto in München v.l. n. r.:
Gabriele Pommerin-Götze, Cornelia Zetzsche, Ernst-Wilhelm Händler, Gert Heidenreich, Michael Ott (hinten), Tanja Kinkel,  Norbert Niemann, Wolfsmehl, Fridolin Schley, Ze do Rock (hinten), Josef Brustmann, Lutz Götze
Foto: © Günter Bregulla

Mahnwachen des deutschen PEN-Zentrums in Berlin, Düsseldorf und München fordern die Freilassung von Julian Assange und protestieren gegen seine Auslieferung an die USA.

Die Welt brennt, vom Jemen über Syrien bis Afghanistan, Myanmar, Iran. Der Krieg in der Ukraine, die russischen Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen verlangen Anteilnahme und Beistand. Zugleich geschieht auch in friedlichen, demokratischen Staaten Unrecht, zu dem nicht geschwiegen werden darf.

Am 9. Dezember 2022, am Vorabend des Tags der Menschenrechte, dem 10. Dezember, demonstrierten Schriftsteller, Publizistinnen, Mitglieder des deutschen PEN-Zentrums, in drei Städten für die Freilassung und gegen die Auslieferung von Julian Assange an die USA.

Seit über zehn Jahren wird Julian Assange in einem kollektiven Akt der Verfolgung von vier Staaten kriminalisiert, seit drei Jahren wird er im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh unter besonders harten Haftbedingungen festgehalten, weil er geheime Akten zugänglich und Kriegsverbrechen der US-Armee öffentlich machte.

Von einem „Exempel“ sprach Bestsellerautor Uwe Timm in München vor dem Friedensengel, in unmittelbarer Nähe des britischen Konsulats und zitierte UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer, der angesichts der Haft von Assange „Weiße Folter“ feststellte. „Wer in die dunklen Machtgeschäfte der Exekutive eindringt und sie publik macht, wird endgültig um seine Freiheit gebracht“, sagte Uwe Timm. „Anstatt die von Assange aufgedeckten Verbrechen zu verfolgen, wird er verfolgt. Investigativer Journalismus wird zu Spionage erklärt. Es ist ein Präzedenzfall, wonach Veröffentlichung geheimer Dokumente immer strafbar ist, unabhängig von öffentlichem Interesse. Das Schicksal von Assange soll offenbar allen Whistleblowern abschreckend vor Augen stehen“, mahnten Autorin Daniela Dahn in Berlin und der Schrift-steller Ingo Schulze in Düsseldorf. Und Gert Heidenreich, Dichter, Erzähler und ehemaliger PEN-Präsident, sah in der Verfolgung eine „Fatwa“ demokratischer Staaten gegen Assange.

Autoren und Autorinnen wie Jenny Erpenbeck, Daniela Dahn, Najem Wali, Hans Christian Oeser, Ali Abdollahi, Tobias Kiwitt und PEN-Vizepräsidentin Astrid Vehstedt meldeten sich in Berlin zu Wort. Ingo Schulze, Horst Eckert, Jan Michaelis, Wulf Noll und andere trafen sich zur Mahnwache in Düsseldorf. Uwe Timm, Tanja Kinkel, Gert Heidenreich, Wolfsmehl, Ernst-Wilhelm Händler, Fridolin Schley und PEN-Vizepräsidentin Cornelia Zetzsche forderten in München die Freilassung von Julian Assange.

Seit über zehn Jahren ist der WikiLeaks-Gründer auf der Flucht und in Haft, wird er von Ecuador, Schweden, den USA und Großbritannien diffamiert, mit dem Tode bedroht, verfolgt, angeklagt, in Isolationshaft gehalten, seiner Menschenwürde und seines Rechts auf Unversehrtheit, seiner Grundrechte beraubt, weil er auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks über massive MR-Verletzungen der US Armee in Irak, Afghanistan und Guantánamo aufklärte, damit Bürger – dank Pressefreiheit – wissen, was die Regierungen tun.

Julian Assange half etwa Chelsea Mannings, damals noch Soldat Bradley Mannings, 2010 ein Video wie „Collateral Murder“ zu veröffentlichen: Es zeigt, wie US-Kampfhubschrauber-Piloten Zivilisten abschießen, unter Freudenbekundungen. Sollten Bürger das nicht wissen? Die Kernfrage des „Exempels“ lautet: Wo endet Pressefreiheit und beginnt nationale Sicherheit und vice versa.

Nach den Mahnwachen erzählte Theaterregisseurin Angela Richter in einem Gespräch online von ihren rund dreißig Begegnungen mit Julian Assange in Ecuadors Botschaft in London, in die sich Assange 2012-2019 geflüchtet hatte, bis zu seiner Verhaftung durch die britische Polizei. Zusammen mit Gert Heidenreich las sie einen Dialog, den sie mit Assange geführt hatte und der die Denkweise des Journalisten deutlich macht.

Cornelia Zetzsche
Vizepräsidentin und Writers-in-Prison-Beauftragte des deutschen PEN

Pressestimmen und Gespräche

Impressionen von den Mahnwachen in Berlin, Düsseldorf und München

Mahnwache in München Foto: © Eva Demmelhuber

Uwe Timm sprach bei der Mahnwache in München vor dem Friedensengel
Wolfsmehl und Fridolin Schley hören zu, Tanja Kinkel leuchtet ins Dunkel
Foto: © Cornelia Zetzsche

Uwe Timm
Foto: © Daniela Weiland

PEN-Vizepräsidentin und Writers in Prison Beauftragte Cornelia Zetzsche mit ihrem Schreiben an den britischen Generalkonsul Kendall, in dem sie auf die äußerst prekäre Situation des WikiLeaks-Gründers Julian Assange aufmerksam macht; begleitet von Tanja Kinkel und Ze do Rock
Foto: © Daniela Weiland

Mahnwache in Berlin
Foto: © Tobias Kiwitt

Mahnwache in Düsseldorf
Foto: © Wulf Noll

Schriftsteller und Mitorganisator der Düsseldorfer Mahnwache Jan Michaelis
Foto: © Karl – Heinz Schultze (KHSFotographie)

In Düsseldorf nahmen u.a. die  Autoren Ingo Schulze (li.) und Wulf Noll (re.), einer der Mitorganistoren, an der Mahnwache teil

Ingo Schulze las in Düsseldorf spontan die Rede von Daniela Dahn vor, die diese in Berlin halten wollte.
Foto: © Karl – Heinz Schultze (KHSFotographie)