Unterschriftenaktion! Frauen, Leben, Freiheit: Das deutsche PEN-Zentrum fordert Freiheit für die Dichterin und Aktivistin Atefeh Chaharmahalian!

 

Atefeh Chaharmahalian
Foto: cpiran

Darmstadt 5. Dezember 2022: Das deutsche PEN-Zentrum fordert Freiheit für die Dichterin und Aktivistin Atefeh Chaharmahalian!

Am 3. Oktober 2022 wurde, wie Human Rights Watch unter Berufung auf den iranischen Schriftstellerverband berichtete, Atefeh Chaharmahalian, die Lyrikerin und ehemalige Vorsitzende des iranischen Schriftstellerverbands von Sicherheitskräften in Teheran verhaftet. Seitdem wird sie im berüchtigten Evin-Gefängnis festgehalten, anfangs ohne Kontakt zu ihrer Familie und ohne medizinische Versorgung.

Atefeh Chaharmahalian war schon zuvor Drohungen und Belästigungen ausgesetzt und in ärztlicher Behandlung. Die Sorge um ihre Gesundheit und die Haftumstände ist groß. Nun ist sie erkrankt. Anstatt zum Krankenhaus, sollte sie vor Gericht gebracht werden, ein Urteil steht bevor, bislang ohne Chance für ihren Anwalt, sich bei Gericht registrieren zu lassen.

Atefeh Chaharmahalian wurde 1981 in der Provinz Chuzestan, im Südwesten des Iran, geboren. Sie ist Dichterin und Aktivistin. Ihre erste Gedichtsammlung erschien im Jahr 2000 unter dem Titel „Mashughe Kaghazi“. Sie war im Vorstand des iranischen Schriftstellerverbands und half seit Jahren Kindern und Erwachsenen in Not, ob in den Provinzen Sistan, Balutschistan, Kurdistan oder in ihrem geliebten Teheraner Viertel Darvazeh Ghar, „Höhlentor“. Sie ist eine der wichtigsten Dichterinnen der postrevolutionären Ära und eine der mutigsten Autor*innen Irans, die ihr Leben der Meinungsfreiheit widmen.

„Die Tatsache, dass Atefeh Chaharmahalian und anderen politischen Häftlingen juristischer Beistand erschwert oder ganz verwehrt wird,  ist eine eklatante Missachtung der Bürger- und Menschenrechte, gegen die wir aufs schärfste protestieren“, erklärte Cornelia Zetzsche, die Vizepräsidentin und Writers in Prison Beauftragte des deutschen PEN-Zentrums.

Bei einem Brand im Evin-Gefängnis Mitte Oktober starben vier Häftlinge, 61 wurden verletzt. Im Evin-Gefängnis im Norden Teherans sitzen zahlreiche politische Gefangene – auch Demonstranten, die dort wegen ihrer Teilnahme an den systemkritischen Protesten der vergangenen Wochen inhaftiert sind. Evin ist deswegen und wegen der Kritik von Menschenrechtsgruppen berüchtigt, das Gefängnis gilt als Ort für Misshandlung und Folter von insbesondere politischen Gefangenen. Die USA haben das Gefängnis und seine Leitung 2018 wegen „ernster Menschenrechtsverletzungen“ mit Sanktionen belegt.

Die Unterdrückung von demonstrierenden Bürgern verstößt gegen Artikel 19 der Allgemeinen Menschenrechtserklärung: Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung.“ Artikel 9 und 10 der Charta der Menschenrechte besagen: „Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden“. Und: „Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.“

„Die menschenverachtende Situation, in der sich die meisten Inhaftierten in den letzten Wochen befinden, ist nicht hinzunehmen. Atefeh Chaharmahalian ist eine von vielen. Ihre Situation gibt Anlaß zu größter Sorge,“, sagte Cornelia Zetzsche.

Das deutsche PEN-Zentrum erklärt sich solidarisch mit den Bürgen und Bürgerinnen, die derzeit im Iran für Menschenrechte wie die Meinungsfreiheit kämpfen, und fordert die umgehende Freilassung der Dichterin und Aktivistin Atefeh Chaharmahalian.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Cornelia Zetzsche
Vizepräsidentin und Writers in Prison Beauftragte

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