Franz Norbert Mennemeier (1924-2021)

Es erreicht uns die traurige Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied Franz Norbert Mennemeier am 13. Juni verstorben ist.

Franz Norbert Mennemeier (Lizenz: CC BY-SA 3.0, www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>)

Er lehrte an  den Universitäten Braunschweig, Berlin und Mainz Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und verfasste Standardwerke zur frühromantischen Ästhetik, zum modernen deutschen Drama, zur Lyrik Bertolt Brechts und über die Literatur der Jahrhundertwende, die er in einem gesamteuropäischen Kontext beleuchtete.

Einem breiteren Publikum wurde er als Kritiker bei der FAZ bekannt. Des weiteren schrieb er teilweise autobiographische Romane, darunter zuletzt „Das Schwerste ist der Schmetterling“ (2013).

 

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Für das PEN-Zentrum Deutschland e.V.:

Jürgen Strasser

220 Übergriffe auf Autorinnen und Autoren: PEN veröffentlicht weltweite Caselist 2020

Pressemitteilung, Darmstadt, 26. Mai 2021. Das deutsche PEN-Zentrum hat die Caselist des PEN International, seiner internationalen Dachorganisation, für das letzte Jahr veröffentlicht. Die Statistik verzeichnet 220 aktualisierte Übergriffe auf Schriftsteller, Journalistinnen und Verleger und wirft ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten, mit denen Autorinnen und Autoren aufgrund der Pandemie konfrontiert werden, wenn sie sich unvoreingenommen äußern wollen.

„Viele Regierungen haben die Pandemie genutzt, um strengere Kontrollen und Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten durchzusetzen, Kritiker wurden unterdrückt, Journalistinnen an ihrer Arbeit gehindert. Unter dem Deckmantel von COVID-19-Vorschriften nahmen die Restriktionen leider weltweit zu“, erklärt Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN.

Neben neuen Fällen finden sich in der diesjährigen Statistik auch Schicksale akut bedrohter Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die sich jahrzehntelanger Justizwillkür ausgesetzt sehen. In der Türkei laufen noch immer Gerichtsverfahren gegen mehrere Autorinnen und Autoren sowie über 40 Journalistinnen und Journalisten, die zwischen 2009 und 2010 verhaftet wurden, und nach Jahren in Haft auf Bewährung freigelassen wurden. Ein Ende dieser Prozesse ist nicht abzusehen. In Eritrea sind fünf Schriftstellerinnen und Schriftsteller, deren Verbleib unbekannt ist, seit 2001 inhaftiert.

Während im letzten Jahr keine Autoren in Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet wurden, gehen die Morde an Journalistinnen und Journalisten weiter. Nach Angaben des Committees to Protect Journalists (CPJ) wurden 22 Medienschaffende aufgrund ihrer Berichterstattung umgebracht und somit doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Mexiko und Afghanistan gehören weltweit zu den gefährlichsten Ländern für Journalistinnen und Journalisten.

44 Schriftstellerinnen wurden inhaftiert, vor Gericht gestellt, angegriffen oder bedroht, da sie gegen Menschenrechtsverletzungen protestierten, Korruption aufdeckten, ihre Regierungen kritisierten oder die Rechte von Minderheiten verteidigten. So ist die Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Golrokh Ebrahimi Iraee unter miserablen Bedingungen in einem iranischen Gefängnis inhaftiert, weil sie in einer unveröffentlichten Kurzgeschichte die Steinigung einer Frau schildert. In Brasilien recherchierte die Schriftstellerin Patrícia Campos Mello über eine mögliche illegale Finanzierung der Wahlkampagne des Präsidenten Jair Bolsonaro, woraufhin ihr unterstellt wurde, sexuelle Dienstleistungen für Informationen anzubieten. Das feministische Künstlerinnenkollektiv LasTesis aus Chile arbeitete mit der russischen Punkband Pussy Riot für eine Videoproduktion zusammen, in der Polizeigewalt, die Zunahme von häuslicher Gewalt aufgrund der Pandemie sowie soziale Ungleichheiten angeprangert werden. Die chilenischen Behörden erstatteten infolgedessen Anzeige wegen angeblicher Hetze und warfen den Künstlerinnen vor, zur Gewalt gegen die Polizei auszurufen.

Die vollständige Caselist, welche jährlich die Informationen zu aktuellen Fällen bündelt und aktualisiert, mitsamt Länderberichten, Informationen zur Writers-in-Prison-Arbeit des PEN sowie der weltweiten Situation der Meinungsfreiheit ist abrufbar auf der Internetseite des deutschen PEN unter www.pen-deutschland.de/wp-content/uploads/2021/05/PEN-Case-List-2020.pdf.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

 

 

Deutscher PEN erinnert an Semra Ertan und unterstützt Forderung Hamburger Gedenkinitiative

Pressemitteilung, Darmstadt, 25. Mai 2021. Anlässlich ihres Todestages am 26. Mai erinnert der deutsche PEN an die Dichterin Semra Ertan, die im Mai 1982 aus Protest gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in Deutschland Suizid durch Selbstverbrennung verübte und am 26. Mai, zugleich ihrem Geburtstag, ihren schweren Verletzungen in Hamburg erlag.

Ertan, 1957 in Mersin (Türkei) geboren, kam im Alter von 14 Jahren nach Deutschland. Sie arbeitete als technische Bauzeichnerin, dolmetschte ehrenamtlich für andere Migranten – damals noch ‚Gastarbeiter‘ genannt –, und schrieb Gedichte, die sie als Leserbriefe an die türkische Tageszeitung Milliyet schickte und von denen eines ihrer bekanntesten, „Mein Name ist Ausländer“, Eingang in türkische Schulbücher fand.

Ein kleiner Rückblick auf jene Jahre zeigt, dass es sich bei Semra Ertans Einschätzung des politischen Klimas keineswegs um eine subjektive Empfindung handelte. Waren es im November 1978 noch 39 % der Westdeutschen, die die Forderung unterstützen, die ‚Ausländer‘ sollten in ihre Heimatländer zurückkehren, so waren im Frühjahr 1982 bereits 68 % dieser Meinung. Auch rechtsradikale Gewalttaten gegenüber ausländischen Mitbürgern waren keine Einzelerscheinung mehr. Bürgerinitiativen und politische Gruppierungen mit Namen wie Hamburger Liste für Ausländerstopp oder Kieler Liste für Ausländerbegrenzung fanden beachtlichen Zulauf. In Zeiten steigender Arbeitslosigkeit infolge der zweiten Ölkrise und der Rezession wurden Arbeitsmigranten zunehmend als Konkurrenten um Arbeitsplatz und Wohnraum gesehen.

Unter dem Titel Mein Name ist Ausländer gaben Ertans Schwester Zühal Bilir-Meier und ihre Nichte Cana Bilir-Meier 2020 die erste eigenständige Buchpublikation von Ertans Arbeiten auf Türkisch und Deutsch heraus. Für dieses Werk wurde der Dichterin von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz postum eine außerordentliche Alfred Döblin-Medaille zuerkannt. In der Jurybegründung heißt es, in ihren Gedichten erweise sich „das Selbstbewusstsein einer jungen Dichterin, die sich schreibend denkt und schreibend das Wahrgenommene unter ethischen Gesichtspunkten prüft und dabei häufig verwirft. Ihr Tod ist ein Fanal, dass das Dichten in einer gleichgültigen Welt nicht geholfen hat.“ Ursula Krechel, die Ehrenpräsidentin des PEN und Vizepräsidentin der Mainzer Akademie fügt hinzu: „So bestürzend Semra Ertans Entscheidung war: Sie hatte ein genaues Empfinden für die Kluft, die sie von der Mehrheitsgesellschaft trennte und in der vielleicht nur die Poesie ein Augenöffner in einem zukünftigen Raum der Wahrnehmung wäre.“

„Die Dichterin Semra Ertan war dennoch eine von uns. Ihre Stimme fehlt im PEN, das wird bei Lektüre ihrer Gedichte schmerzlich bewusst“, so PEN-Präsidentin Regula Venske. „Gern hätten wir ihrer auf unserer Jahrestagung in Hamburg gedacht, mussten die Tagung aber aufgrund der Pandemie leider absagen. Wir unterstützen die Forderung der Semra Ertan-Initiative nach Benennung einer Straße oder eines Platzes in ihrem Namen und Anbringen einer Gedenktafel. Über die tragische persönliche Geschichte hinaus eignet Semra Ertans Leben und Tod eine politische Komponente und eine Mahnung an uns alle. Auf die Gedenkveranstaltung der Initiative am 29. Mai – vor Ort und digital – weisen wir daher gerne hin.“

 

Hinweise zur Gedenkveranstaltung siehe:

Semra Ertan’ı Anma İnisiyatifi – Initiative in Gedenken an Semra Ertan (wordpress.com)

Quellen:

Semra Ertan – Wikipedia
Warum sich die 25-jährige Semra auf St. Pauli angezündet hat (vice.com)
Edition Assemblage (edition-assemblage.de)

 

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

SAID (1947-2021)

Es erreicht uns die traurige Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied und ehemaliger Präsident SAID am 15. Mai verstorben ist.

Nach seinem Studium der Politikwissenschaft in München war klar, dass eine Rückkehr in seine Heimat Iran auf längere Zeit nicht möglich wäre. Im Zuge des Machtwechsels nach dem Sturz des Schahs kehrte er  in der Hoffnung, einen demokratischen Neuanfang mitgestalten zu können, 1979 kurz in seine Heimat zurück, musste jedoch schon kurz darauf einsehen, dass seitens der Mullahs keine Demokratisierung in seinem Sinn stattfand.

SAID kam wieder nach Deutschland und setzte sich fortan von hier aus für seine Ideale von Freiheit und Menschlichkeit ein.

1995 bis 1996 war er Vizepräsident und Writers-in-Prison Beauftragter, 2000 bis 2002 Präsident des PEN-Zentrums Deutschland.

Sein vielseitiges Schaffen wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. 1997 mit der Hermann Kesten-Medaille, dem Adelbert-von-Chamisso-Preis (2002), dem Literaturpreis des Freien Deutschen Autorenverbands (2010), dem Verdienstkreuz am Bande (2014) und dem Friedrich-Rückert-Preis (2016) .

Wir werden ihn schmerzlich vermissen als Literat, als Brückenbauer zwischen den Kulturen, als Freund.

Für das PEN-Zentrum Deutschland e.V.:

Regula Venske

26.06.2021, 19 Uhr – Schreiben und Leben im Exil

Ein Gespräch zwischen Nazli Karabıyıkoğlu und Şehbal Şenyurt Arınlı in Nürnberg über den Einfluss ihres Lebens im Exil auf ihre Sprache, Literatur und Sichtweise auf das Heimatland

PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter Ralf Nestmeyer moderiert das Gespräch rund um den Gewerbemuseumsplatz.

Şehbal Şenyurt Arınlı (li.) und Nazli Karabıyıkoğlu (re.)                                                                 Fotos: © Stefanie Silber und privat

 

Das Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums ist gelebte Solidarität mit verfolgten Kollegen und Kolleginnen. Die Stadt Nürnberg beteiligt sich seit vielen Jahren am Programm und bietet SchriftstellerInnen ein temporäres Exil. Frei von existentieller Not können sie hier literarisch schreiben. Verändert sich die Sprache der StipendiatInnen und die Sichtweise auf das Heimatland im Exil? Wie nähert sich das Gastland durch Übersetzungen der im Exil entstandenen Texte seinen Gästen? Wie sprachlos sind sie tatsächlich? Diese und andere Fragen besprechen wir in kurzen Gesprächen mit: Nazli Karabıyıkoğlu, aus der Türkei stammende Aktivistin und Autorin, Şehbal Şenyurt Arınlı, ebenfalls aus der Türkei stammende Menschenrechtsaktivistin, Dokumentarfilmerin und Autorin.

In türkischer und deutscher Sprache (mit Übersetzung von Bediye Eskin)

Eine Veranstaltung im Rahmen der „texttage.nuernberg

Das Projekt wurde gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V.

Medienpartner: curt Magazin

 

Covid-19-Hygieneregeln bei Veranstaltungen

Liebe Literaturbegeisterte,

die Veranstaltungen der texttage sind größtenteils als Freiluftevents oder in Kleingruppen geplant. Je nach Infektionsgeschehen und der dann geltenden aktuellen Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung werden die Auflagen umgesetzt. Daher kann es kurzfristig zu Änderungen in der Durchführung des Festivals kommen. Wir bitten Sie, sich auf der Website texttage.nuernberg.de darüber tagesaktuell zu informieren.