Zum Tod unserer Writers-in-Exile Stipendiatin Arpita Roychoudhury

Zum Tod der bengalischen Autorin und Bloggerin Arpita Roychoudhury (1995-2018), die seit Dezember 2017 als Stipendiatin in unserem Writers-in-Exile-Programm in Berlin lebte, haben uns viele Zuschriften des Mitgefühls, der Trauer und Solidarität erreicht. Dafür möchten wir uns sehr herzlich bedanken. Auch den um ihre Tochter und Schwester trauernden Familienangehörigen wird es vielleicht ein kleiner Trost sein zu erfahren, wie viele Menschen am Leben dieser tapferen und mutigen jungen Frau Anteil nehmen.

Zugleich bitten wir eindringlich darum, sich etwaiger Spekulationen zu diesem traurigen Todesfall zu enthalten. Die im Internet kursierende Behauptung, es handle sich um einen „religiös motivierten Mord“, entbehrt jeder Grundlage und ist eine Falschmeldung. Wir sind entsetzt, dass der Tod unserer Stipendiatin in manchen Foren politisch und ideologisch instrumentalisiert wird, und wundern uns gleichzeitig, wie viele Menschen, denen es nicht um Hetze geht, trotzdem vorschnell irgendwelche Behauptungen im Netz „teilen“.

Aufgrund der kriminalpolizeilichen und rechtsmedizinischen Untersuchungen kann Fremdverschulden klar ausgeschlossen werden.

Wir bitten darum, die Privatsphäre der Verstorbenen und ihrer Familie zu respektieren. In unseren Herzen lebt sie weiter.

Regula Venske
Präsidentin

Franziska Sperr
Vizepräsidentin und Writers-in-Exile Beauftragte

 

Arpita Roychoudhury (Pseudonym), Bloggerin und Aktivistin, wurde 1995 in Bangladesch geboren. Aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit wurde sie als Mitglied einer hinduistischen Minderheit früh mit Diskriminierung konfrontiert. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber

Arpita Roychoudhury
Foto: Stefanie Silber

„Wie viele andere Menschen auch träumte ich von einem normalen Leben. Aber ich hatte nur die Wahl, entweder diesen Kampf weiterzukämpfen oder bis zu meinem Tod immer wieder unterdrückt und erniedrigt zu werden. Mein Leben, das ich mir so nicht gewünscht hatte, hat mich gezwungen, mutig zu sein.“
(Arpita Roychoudhury, 1995-2018)

İlkyaz: Neues Literatur-Portal für junge Autoren in der Türkei

Das PEN-Zentrum Deutschland begrüßt die Veröffentlichung von İlkyaz, der neuen Onlineplattform für junge Schriftsteller in der Türkei.

İlkyaz wurde mit Unterstützung des PEN International sowie des norwegischen und türkischen PEN gegründet, um die Vorstellungskraft von Schriftstellern unter 35 Jahren zu fördern, deren Werke zu übersetzen und diese einer internationalen Leserschaft vorzustellen. Initiator ist Ege Dündar, der gemeinsam mit Irmak Ertaş und den Kollegen im Beirat des internationalen PEN, Halil Gediz und Özge Sargın, diese einzigartige Anlaufstelle für junge türkische Literatur geschaffen hat.

Wir unterstützen das Projekt mit Nachdruck und veröffentlichen in den nächsten Tagen an dieser Stelle die ersten Beiträge in deutscher Sprache (Übersetzung: Şebnem Bahadır), so dass auch Menschen hierzulande die Werke der Autoren lesen können.

Beiträge sind auf Türkisch und in englischer Übersetzung nachzulesen unter:

Anıl Can Uğuz – İncire Ağıt / Lament To Fig

Halil Gediz – Ağrı / Pain

Eren Özgür – Basit / Simple

27.02.2019, 19 Uhr – Selahattin Demirtaş: Ein Autor, Politiker und Gefangener, der für Freiheit und Menschenrechte kämpft – Lesung und Podiumsdiskussion in Nürnberg

Selahattin Demirtaş (Quelle: PEN International)

Selahattin Demirtaş
(Quelle: PEN International)

Die Türkei ist weltweit das derzeit größte Gefängnis für Journalisten und Schriftsteller. Derzeit sitzen rund 150 Autoren hinter Gitter. Das deutsche PEN-Zentrum möchte an das Schicksal von Selahattin Demirtaş erinnern, der im Dezember 2018 zu seinem Ehrenmitglied ernannt wurde. Demirtaş ist nicht nur Autor des Erzählbandes „Morgengrauen“, sondern auch Politiker und ehemaliger Co-Vorsitzender der Halkların Demokratik Partisi (HDP).

Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe Deniz Yücel
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Seit November 2016 befindet er sich in Haft, im September 2018 wurde er aufgrund einer 2013 gehaltenen Rede wegen Terrorpropaganda zu 4 Jahren und 8 Monaten Haft verurteilt; weitere Verfahren gegen ihn sind anhängig.

Im Zuge seines Engagements für inhaftierte Schriftsteller (Writers-in-Prison-Arbeit) lädt das deutsche PEN-Zentrum zu einer Lesung und Podiumsdiskussion ein. Über das Schicksal von Selahattin Demirtaş und die politische Situation in der Türkei diskutieren Deniz Yücel (Autor, Journalist für die WELT), Özlem Topçu (Politikredakteurin, DIE ZEIT) sowie Prof. Dr. Mithat Sancar (Professor für Verfassungsrecht, HDP-Abgeordneter, Habermas-Übersetzer).

PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter Ralf Nestmeyer
Foto: © Stefanie Silber

Die Einführung und Moderation übernimmt Ralf Nestmeyer (PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter).

Der Eintritt ist frei.

Eine Veranstaltung des Bildungszentrums Nürnberg in Kooperation mit dem PEN-Zentrum Deutschland e. V.

Der deutsche PEN trauert um Arpita Roychoudhury

„Wie viele andere Menschen auch träumte ich von einem normalen Leben. Aber ich hatte nur die Wahl, entweder diesen Kampf weiterzukämpfen oder bis zu meinem Tod immer wieder unterdrückt und erniedrigt zu werden. Mein Leben, das ich mir so nicht gewünscht hatte, hat mich gezwungen, mutig zu sein.“
(Arpita Roychoudhury, 1995-2018)

Arpita Roychoudhury (Pseudonym), Bloggerin und Aktivistin, wurde 1995 in Bangladesch geboren. Aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit wurde sie als Mitglied einer hinduistischen Minderheit früh mit Diskriminierung konfrontiert. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber

Arpita Roychoudhury
Foto: Stefanie Silber

Wir trauern um unsere Stipendiatin Arpita Roychoudhury, die seit Dezember 2017 in unserem Writers-in-Exile Programm in Berlin lebte und nun viel zu jung verstorben ist. Ihr Tod erschüttert uns zutiefst und macht uns sprachlos. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie in Bangladesch und ihren Freunden.

Regula Venske
Präsidentin

Franziska Sperr
Vizepräsidentin und Writers-in-Exile Beauftragte

PEN-Zentrum Deutschland e. V.

Das deutsche PEN-Zentrum verurteilt die Polizeigewalt gegen Journalisten in Nicaragua

Pressemitteilung, Darmstadt, 17. Dezember 2018

Das deutsche PEN-Zentrum verurteilt die Polizeigewalt gegen Journalisten in Nicaragua

Das PEN-Zentrum Deutschland verurteilt den durch nicaraguanische Polizeikräfte brutal durchgeführten Einsatz gegen das Online-Informationsmedium „Confidencial“ sowie gegen die Produktionsräume der TV-Fernsehsendungen „Esta semana“ und „Esta noche“. Die Polizei verwüstete zeitgleich weitere Büros und Zentralen anderer Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Die Polizeimaßnahmen stellen einen nicht hinnehmbaren Angriff auf die Freiheit des Wortes dar.

Damit folgt der deutsche PEN einem Aufruf von PEN Nicaragua, mit dem sich der deutsche PEN eng verbunden fühlt. Die international renommierte Autorin und Präsidentin von PEN Nicaragua, Gioconda Belli, hat Mitte November 2018 den mit 10.000 Euro dotierten Hermann Kesten-Preis in Anerkennung ihres unermüdlichen Einsatzes für die Freiheit des Wortes sowie für die Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit in Nicaragua im Sinne der Charta von PEN International durch den deutschen PEN verliehen bekommen.

„Confidencial“ und die durch den TV-Journalisten Carlos Fernando Chamorro geleiteten Fernsehsendungen sind Medien, die über die sich zuspitzende politische Lage in Nicaragua unabhängig und unerschrocken berichtet haben. Seit April 2018 unterdrückt die durch Daniel Ortega und seine Ehefrau im Amt der Vizepräsidentin, Rosario Murillo, autokratisch geführte Regierung gewaltsam die Proteste, die sich gegen die Aushebelung der Mechanismen der Demokratie und die schamlose Bereicherung der politischen Führungsriege richten. Kritik wird mit rücksichtsloser Gewalt begegnet, der inzwischen weit über 500 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Der deutsche PEN fordert die Bundesregierung auf, sich bei der nicaraguanischen Regierung für die Einhaltung der Meinungsfreiheit im Einklang mit Artikel 19 der UN-Menschenrechtscharta und ein Ende der Gewalt gegen Journalisten einzusetzen.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Carlos Collado Seidel
Generalsekretär

Pressekontakt:

Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151 / 23120
Mobil: 0157 / 31382637
E-Mail: presse [at] pen-deutschland [dot] de

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.