Uganda: Gefolterter Autor Kakwenza Rukirabashaija zum PEN-Ehrenmitglied ernannt

Kakwenza Rukirabasaija
Foto: Privat

Pressemitteilung, Darmstadt, 17. Januar 2022. Der deutsche PEN hat den inhaftierten ugandischen Autor und Regimekritiker Kakwenza Rukirabashaija zum Ehrenmitglied ernannt und fordert dessen sofortige Freilassung.

„Schon seit Längerem beobachten wir besorgt die zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit und das brutale Vorgehen gegen die Oppositionsbewegung in Uganda. Langzeitpräsident Museveni zementiert seine Clan-Herrschaft und unterdrückt die zunehmenden Proteste mit aller Härte. Mit der Verhaftung und Folterung unseres Ehrenmitglieds Kakwenza Rukirabashaija hat die Repression auf die Opposition einen weiteren Höhepunkt erreicht. Wir fordern seine sofortige und bedingungslose Freilassung und versichern Rukirabashaija unsere uneingeschränkte Solidarität“, betont Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN, und bittet die Bundesregierung, sich unverzüglich für den inhaftierten Schriftsteller einzusetzen.

Kakwenza Rukirabashaija wurde am 28.12.2021 gewaltsam von Geheimdienstagenten aus seinem Haus in Kampala gezerrt und befindet sich seitdem in Haft, angeblich wegen beleidigender Kritik am ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni und dessen Sohn Muhoozi Kainerugaba, dem Generalmajor der ugandischen Armee. Nach Angaben seines Anwalts Kiiza Eron wurde der 33-jährige Autor im Gefängnis schwer gefoltert und benötigt dringend medizinische Versorgung. Am Freitag, den 21.Januar 2022, wird der Prozess gegen Rukirabashaija fortgesetzt.

Rukirabashaija wurde mit einem Roman über Korruption in einem fiktiven Land bekannt. Im vergangenen Jahr zeichnete ihn der internationale PEN mit dem PEN-Pinter-Preis aus. Bereits in der Vergangenheit war er mehrfach festgenommen und bedroht worden.

Eine Ehrenmitgliedschaft im deutschen PEN wird Personen als Akt der Solidarität verliehen, die außerhalb Deutschlands aufgrund ihres schriftstellerischen oder künstlerischen Wirkens und ihres Eintretens für die Freiheit des Wortes verfolgt werden. Zu den PEN-Ehrenmitgliedern gehörten Václav Havel und Liu Xiaobo, aktuell Maria Ressa sowie Julian Assange, Raif Badawi, Selahattin Demirtaş und Pham Doan Trang, die sich gegenwärtig in Haft befinden.


Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

Land Hessen erhöht Förderung für Arbeit und Preise des PEN-Zentrums um 16.000 Euro

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn:

Land Hessen erhöht Förderung für Arbeit und Preise des PEN-Zentrums um 16.000 Euro

Hermann-Kesten-Preise und Projekt „Writers in Prison“ profitieren

Pressemitteilung, Darmstadt/Wiesbaden, 11. Januar 2022. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst erhöht seine Förderung für die Arbeit und die Preise der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland um insgesamt 16.000 Euro. Der Herrmann-Kesten-Preis wird künftig mit 20.000 statt mit 10.000 Euro dotiert; die Preissumme des Hermann-Kesten-Förderpreises steigt von aktuell 3.000 auf 5.000 Euro. Außerdem wird die Förderung des Projekts „Writers in Prison“ von 11.000 auf 15.000 Euro angehoben.

„In einer Zeit, in der wir die Demokratie mehr denn je gegen Angriffe verteidigen müssen, leistet das PEN-Zentrum eine Arbeit, die wir nicht hoch genug schätzen können: Es setzt sich ein für Autorinnen und Autoren, die mit wachen Augen durch die Welt gehen, Unrecht anprangern, Verfolgten eine Stimme geben und gegen Ungerechtigkeit und Gewalt anschreiben“, erklärt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Der Hermann-Kesten-Preis, der Hermann-Kesten-Förderpreis und das Projekt ,Writers in Prison‘ rücken Jahr für Jahr herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller in den Mittelpunkt, die für Meinungsfreiheit in ihren Ländern kämpfen. Mit dem neuen Preisgeld unterstreichen wir nicht nur die Bedeutung der schreibenden Kunst und des Journalismus für unsere Gesellschaft. Wir fördern auch ihre Sichtbarkeit, da vor allem mit der höheren Projektförderung zu ,Writers in Prison‘ Lesungen und öffentlichkeitswirksame Aktionen auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt umgesetzt werden.“

Heinrich Peuckmann, Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland, ergänzt: „Die Freiheit des Wortes stellt einen wesentlichen Grundpfeiler unserer Demokratie dar, den es gerade in bewegten Zeiten zu festigen und zu stärken gilt. Sie ist neben ihrer kulturellen Tragweite auch die Basis dafür, dass die Menschen unseres Landes als mündige Bürgerinnen und Bürger sich in die Gesellschaft einbringen, sich aktiv an der Demokratie beteiligen und von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen können. Für all dies setzen Sie mit der Erhöhung der Fördergelder für den PEN ein starkes Zeichen nicht nur der Wertschätzung, sondern auch des Vertrauens in unsere Arbeit. Es ist dies ein weiterer Beweis für die gelungene Zusammenarbeit, wie wir sie seit vielen Jahren praktizieren und die wir überaus zu schätzen wissen.“

Der Hermann Kesten-Preis würdigt Persönlichkeiten, die sich im Sinne der Charta des internationalen PEN in besonderer Weise für verfolgte und inhaftierte Schriftsteller und Journalisten einsetzen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Günter Wallraff, Günter Grass, Anna Politkowskaja, Liu Xiaobo, Can Dündar und Erdem Gül.

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
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Frank Anton Benseler (1929-2021)

Wir trauern um Frank Anton Benseler, der als Mitglied die Arbeit und die Ziele des PEN über Jahrzehnte hindurch unterstützt hat.

Der promovierte Jurist wandte sich zunächst der Theorie des Marxismus, insbesondere in der Auslegung von Georg Lukács, zu. Als Lektor bei Luchterhand prägte er mit der Reihe Soziologische Texte die Wahrnehmung und den Stellenwert der Soziologie im Deutschland der Nachkriegszeit, etwa mit der Veröffentlichung von Strukturwandel der Öffentlichkeit des gleichaltrigen Jürgen Habermas. In den weiteren Jahren kamen auch Veröffentlichungen ausländischer Soziologen in deutscher Übersetzung hinzu, darunter Werke von Lucien Goldmann, Emile Durkheim und Eric Hobsbawm.

Ab 1972 bekleidete er den Lehrstuhl für Soziologie an der katholischen Universität Paderborn. Unvergessen bleiben dabei seine Vorlesungen über die Französische Revolution. Er wird uns als jener hochgebildete, freundlich-diskrete Gentleman in Erinnerung bleiben, als den wir ihn stets gekannt und geschätzt haben.

UGANDA: Satiriker erneut in Bedrängnis

Kakwenza Rukirabashaija
Foto: Privat

Nach der Veröffentlichung seines satirischen Romans The Greedy Barbarian, in dem es um Korruption und Machtmissbrauch auf höchster staatlicher Ebene geht, wurde Kakwenza Rukirabashaija im April 2020 von der ugandischen Militärpolizei beinahe zu Tode gefoltert. Im folgenden Strafverfahren wurde er beschuldigt, über Facebook zur Missachtung von COVID-19 Hygienemaßnahmen aufgerufen zu haben.

All diese Erfahrungen hatte er in einem weiteren satirischen Roman, The Banana Republic, verarbeitet – worauf er im September 2020 erneut festgenommen und misshandelt wurde.

Seit einigen Monaten steht der deutsche PEN mit ihm in Kontakt. Als wir ihm über einen Messangerdienst zum Jahreswechsel alles Gute wünschen wollten, stießen wir auf die Nachricht: „zuletzt online am 28.12.21 um 09:56“. Laut einem Bericht der BBC wurde er an jenem Tag erneut in Haft genommen, angeblich wegen Kritik an Muhozi Kainerugaba, dem Chef der Streitkräfte und Sohn des ugandischen Langzeitpräsidenten Museveni.

Wir fordern seine bedingungslose und sofortige Freilassung.

Gemeinsame Erklärung zur Zwangsauflösung von Memorial

28. Dezember 2021

Das Oberste Gericht der Russischen Föderation hat am 28.12.21 die Zwangsauflösung von Memorial International wegen angeblicher Verstöße gegen das „Agentengesetz“ angeordnet. Dies ist ein schwerer Schlag für die russische Gesellschaft, die Gesellschaften seiner Nachbarstaaten und für ganz Europa. Memorial steht wie keine andere Organisation für ein offenes, menschenfreundliches, demokratisches Russland, das die Versöhnung innerhalb der eigenen Gesellschaft und mit seinen Nachbarn sucht. Seine von Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow vor drei Jahrzehnten begründete Arbeit der Auseinandersetzung mit der Repressionsgeschichte der Sowjetunion, der Rehabilitierung von Opfern und der Verteidigung der Menschenrechte heute hat Memorial weltweit viel Anerkennung und Respekt eingebracht. Auch für die deutsche Geschichtsforschung und Erinnerungspolitik hat Memorial als Initiator und Partner bei der Aufarbeitung des Schicksals Hunderttausender sog. „Ostarbeiter/innen“ die entscheidende Rolle gespielt. Die große internationale Bedeutung Memorials manifestiert sich in einer Vielzahl an Solidaritätsbekundungen aus aller Welt.

Mit dem Verbot von Memorial – dem moralischen Rückgrat der russischen Zivilgesellschaft – gibt der russische Staat ein erschütterndes Selbstzeugnis ab: Er bekämpft die Auseinandersetzung mit der eigenen Unrechtsgeschichte und möchte individuelle und kollektive Erinnerung monopolisieren. Er kriminalisiert die internationale zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit zum Schaden des eigenen Landes. Und er verletzt die Grundwerte der Europäischen Menschenrechtskonvention, die Russland selbst unterzeichnet hat.

Viele von uns sind mit Memorial seit mehr als 30 Jahren eng verbunden. So wie wir Memorial zu unterstützen versuchen, hat Memorial uns in diesen 30 Jahren unendlich viel Unterstützung zukommen lassen – wissenschaftlich, politisch, moralisch und menschlich. Memorial ist zu einer internationalen Gemeinschaft geworden, deren Arbeit für Demokratie, Menschenrechte und ehrliche Aufarbeitung von Geschichte auf jeden Fall fortgeführt wird.

Wir verurteilen das politisch motivierte Vorgehen der russischen Justiz gegen Memorial. Das Gerichtsverfahren hat die ganze Absurdität des Gesetzes über „ausländische Agenten“ schonungslos offengelegt. Die Intention des Gesetzes ist politische Repression, seine Ausführungsbestimmungen sind so diffus, dass es vom Geschmack der jeweiligen Anklagevertretung bzw. dem von ihr jeweils gerade verfolgten Zweck abhängt, ob Einhaltung oder Verstoß festgestellt wird. Wir fordern die Aufhebung des Agentengesetzes und aller weiteren russischen Gesetze, die jede Form internationaler zivilgesellschaftlicher Zusammenarbeit mit unabhängigen russischen Partner/innen unmöglich machen sollen.

Die Bundesregierung und die Europäische Union fordern wir auf, alles in ihren Möglichkeiten Stehende zum Erhalt der Arbeit und des Archivs von Memorial und zum Schutz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tun.

Heinrich-Böll-Stiftung
Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde
Deutsches PEN-Zentrum
Deutsch-Russischer Austausch e.V.
Europäischer Austausch gGmbH
Zentrum Liberale Moderne
Memorial Deutschland e.V.
Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Amnesty International Deutschland
Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung
Lew-Kopelew-Forum

Inge Jens (1927-2021)

Foto: Etan Tal

Wir trauern um unser Mitglied Inge Jens. Unter dem Titel „Akribie und Engagement“ zeichnet Andreas Rumler in seinem Nachruf ihr bewegtes Leben nach.

Still, zurückhaltend und hilfsbereit, wie sie war, vermied Inge Jens es, im Mittelpunkt zu stehen. Doch hinter den Kulissen wurde sie aktiv, setzte sich ein und unterstützte, wo sie einen Anlass, eine Aufgabe sah: ihre Studenten und die ihres Mannes, ebenso Kollegen und Freunde. Als Wissenschaftlerin und auch politisch in der Friedensbewegung engagierte sie sich, scheute als couragierte Frau Mühen nicht, nahm Unverständnis oder Anfeindungen in Kauf. Nur wenige Wochen vor ihrem 95. Geburtstag ist Inge Jens am 23. Dezember 2021 in Tübingen gestorben.

Als Literaturwissenschaftlerin setzte Inge Jens mit ihrer Akribie Maßstäbe, als sie in der Nachfolge von Peter de Mendelssohn die Tagebücher Thomas Manns herausgab. Zuvor schon hatte sie unter anderem die Edition der Briefe von Thomas Mann an Ernst Bertram betreut, publizierte Texte aus dem Nachlass von Max Kommerell sowie Briefe und Aufzeichnungen der Geschwister Hans und Sophie Scholl. Gemeinsam mit Walter Jens, den sie während des Studiums in Tübingen kennengelernt und 1951 geheiratet hatte, schrieb sie Bestseller wie „Frau Thomas Mann – Das Leben der Katharina Pringsheim“ (2003) und „Katias Mutter“ (2005) über das „außerordentliche Leben der Hedwig Pringsheim“. Den damals fast vollständig erblindeten Literaturwissenschaftler Hans Mayer unterstützte sie in seiner Wohnung in der Neckarhalde intensiv bei der Veröffentlichung seiner letzten Arbeiten.

Ihre Autobiografie „Unvollständige Erinnerungen“ kam 2009 heraus. Als sie erleben musste, dass die Demenz von Walter Jens unaufhaltsam fortschritt, verfasste sie 2016 ihren Bericht „Langsames Entschwinden“, um diese Krankheit öffentlich bekannt zu machen. Die Themen ihrer wissenschaftlichen und literarischen Arbeiten waren geprägt von ihrem sozialen und politischen Engagement, galten vorwiegend dem Exil und Widerstand gegen den Faschismus oder der damals sogenannten Nachrüstung. Sie engagierte sich besonders für die Erinnerung auch an weniger bekannte Autoren des Exils, reiste eigens nach Köln, als ein Weg nach dem dort geborenen Hans Mayer benannt werden sollte, sehr spät, reichlich abseits gelegen, aber immerhin.

Gemeinsam hatte das Ehepaar Jens gegen Atomkraft und die atomare Bewaffnung Widerstand geleistet und vor Gericht ihren pazifistischen Einsatz verteidigt. Zusammen mit Kollegen wie Heinrich Böll beteiligten sich Inge und Walter Jens 1984 an Sitzblockaden vor dem Atomwaffendepot Mutlangen im Ostalbkreis. Als sie während des Golfkriegs 1990 desertierte US-Soldaten in ihrem Tübinger Haus versteckten und dafür wegen Beihilfe zur Fahnenflucht vor Gericht gestellt wurden, provozierte dieser Akt des Widerstands die Gemüter und initiierte Schlagzeilen weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus.

Zum Schluss hatte Inge Jens zurückgezogen in einem Stift nahe der Tübingen Innenstadt gelebt und gearbeitet. Ihre letzten Veröffentlichungen galten Thomas Manns Arbeitsplatz: „Am Schreibtisch. Thomas Mann und seine Welt“ sowie dem Freund Hans Mayer. Noch im Dezember 2021 erschien der Band: „Der unbequeme Aufklärer – Gespräche über Hans Mayer“ mit einem Beitrag von Inge Jens, dessen Titel allein schon ihre noble Art charakterisiert: „Es gibt wenige Menschen, denen ich so viel verdanke“.

Weihnachten als Geschichte von Verfolgung und Exil

Drei Schriftstellerinnen und Schriftsteller des Writers-in-Exile-Programms wurden zu einer Aufzeichnung ins Bundeskanzleramt eingeladen und lasen Texte aus der PEN-Anthologie „In der nie endenden bernsteinfarbenen Nacht“. Kulturstaatsministerin Claudia Roth setzte damit ein starkes Zeichen an den Beginn ihrer Tätigkeit. Ebenso Bundeskanzler Olaf Scholz, der sein Haus der Kunst öffnete. Die Aufzeichnung war von einer sehr konzentrierten und freundlichen Atmosphäre geprägt und aus den künstlerischen Beiträgen spricht eine große, innere Wahrhaftigkeit, fern von aller Selbstdarstellung. Der PEN dankt und wünscht allen ein besinnliches Weihnachtsfest.

Pilar Baumeister (1948-2021)

Das deutsche PEN-Zentrum trauert um sein Mitglied Pilar Baumeister. Die 1948 in Barcelona geborene Schriftstellerin lebte seit 1975 in Deutschland. Sie war bis kurz vor ihrem Tode intensiv tätig als Dichterin und als Menschenrechtsaktivistin.

Foto: Thomas Banneyer

Baumeister war seit ihrer Geburt blind. Sie studierte in Deutschland russische, deutsche und englische Philologie. Ihre Promotion verfasste sie über „Die literarische Gestalt des Blinden im 19. und 20. Jahrhundert“. Aktiv war sie vornehmlich im Bereich des Antifaschismus und der Migrationspolitik. Seit 1999 war sie Sprecherin der Schriftsteller:innen mit Migrationshintergrund im nordrhein-westfälischen Landesverband des Verbandes deutscher Schriftsteller:innen. Seit 2006 leitete sie das Projekt „Lesungen von AutorInnen mit multikulturellen Wurzeln in deutscher Sprache“. Auf dem Schriftsteller:innen-Kongress des VS in Aschaffenburg wurde sie 2019 in den Bundesvorstand gewählt.

Pilar Baumeister hinterlässt ein gemischtsprachiges Gesamtwerk in Deutsch und Spanisch. Posthum wird im Kulturmaschinen Verlag ein Gedichtband erscheinen.

Das deutsche PEN-Zentrum ist betroffen über den Tod seines Mitglieds. Es trauert mit der Familie und den Freund:innen der Schriftstellerin.

SAUDI-ARABIEN: Ali Abu Luhum wegen „Abfalls vom Islam“ in Haft

Seit mehreren Jahren vermehrt Saudi-Arabien seine Bemühungen, sich im Westen als modernes, zukunftsorientiertes und weltoffenes Land darzustellen. Fälle wie jener von Ali Abu Luhum machen es einem schwer, daran zu glauben.

Seit 23. August befindet sich Ali Abu Luhum, ein 38jähriger Jemenit, aufgrund von angeblichem „Abfall vom Islam, Unglauben und Atheismus“ in Polizeigewahrsam. Er hatte zuvor auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Meldungen gepostet, die die saudischen Behörden als religionskritisch werteten. Seit dem 23. September befindet sich Ali Abu Luhum im Gefängnis der südarabischen Stadt Nadschran in Haft. Er wurde mittlerweile zu insgesamt 15 Jahren Haft verurteilt. Gegen das Urteil läuft derzeit noch ein Berufungsverfahren.

Wir fordern seine unverzügliche Freilassung, da die Nicht-Ausübung einer Religion Privatsache sein muss und ihre strafrechtliche Verfolgung auch nicht ansatzweise den Standards eines modernen Rechtsstaats gerecht werden kann.

Lesen Sie dazu mehr im Hintergrundbericht von Human Rights Watch.

Klaus Wagenbach (1930-2021)

Wir trauern um unser langjähriges Mitglied Klaus Wagenbach, der als unabhängiger Verleger das literarische Leben in der Bundesrepublik nachhaltig mitgeprägt hat. In seinem Nachruf würdigt Michael Krüger ihn in der WELT als „ein Vorbild für alle, die nicht hinnehmen wollen, dass nur eine Handvoll von Konzernen den literarischen Geschmack bestimmen“.