02.08.2021, 18:00 Uhr – Workshop in Nürnberg: Queeres Schreiben mit Nazli Karabıyıkoğlu

Nazli Karabıyıkoğlu vermittelt in Form eines freien Vortrags und Diskussionen sowie Schreibübungen wissbegierigen Teilnehmenden ein kompaktes Verständnis von Queer Writing und ermutigt diese, sich mit ihren Texten auszudrücken. Alle Interessierten des Workshops des CSD Nürnberg können sich für eine Teilnahme am 2. August 2021 um 18 Uhr im Nürnberger Haus Eckstein hier anmelden.

Es ist ein wunderbares Beispiel für die hohe Akzeptanz des Writers-in-Exile-Programms und seiner Stipendiatinnen und Stipendiaten, mit ihren sehr unterschiedlichen sozialen Hintergründen. Durch sinkende Inzidenz-Zahlen werden die Writers in Exile auch wieder vermehrt zu Veranstaltungen eingeladen. „All dies zeigt, dass wir gemeinsam auf einem guten Weg sind“, sagt Writers-in-Exile-Beauftragter Leander Sukov.

Die Autorin und Aktivistin Nazli Karabıyıkoğlu wurde 1986 in Ankara (Türkei) geboren. Sie hat sich von der politischen und geschlechtsspezifischen Unterdrückung in der Türkei abgekapselt und half bei der Gründung der #MeToo-Bewegung innerhalb der türkischen Verlagsindustrie. Nazli Karabıyıkoğlu ist seit Februar 2021 Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums.

Jutta Heinrich (1937-2021)

Es erreicht uns die traurige Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied Jutta Heinrich am 23. Juli 2021 verstorben ist.

Die in Berlin geborene Jutta Heinrich war als Unternehmerin tätig, studierte Sozialpädagogik und lebte seit 1978 als freie Schriftstellerin mit Lehraufträgen an den Universitäten Bremen, Hamburg und Berlin.

Jutta Heinrich und Senator Dr. Carsten Brosda anlässlich der Verleihung der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille 2017 Bild: © Behörde für Kultur und Medien

Sie war eine wichtige Wegbereiterin des Feminismus und verstand es oft mit pointiertem Witz, traditionelle Rollenbilder in Frage zu stellen, etwa in ihren Werken  Das Geschlecht der Gedanken, Männerdämmerung oder Alles ist Körper.

Ihr literarisches Schaffen umfasste Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Hörspiele. Für ihr Wirken wurden ihr mehrere Auszeichnungen verliehen, darunter die Senator Biermann-Ratjen Medaille ihrer Wahlheimat Hamburg.

Wir werden ihren Esprit und ihren kritischen Blick auf die Zeit schmerzlich vermissen.

Für das PEN-Zentrum Deutschland e.V.:

Jürgen Strasser

PEN-Zentrum Deutschland schlägt polnischem PEN gemeinsamen ständigen Rat vor: Grenzen überwinden für die europäische Idee

Pressemitteilung, Darmstadt, 27. Juli 2021. Das PEN-Zentrum Deutschland und die Kolleginnen und Kollegen des polnischen PEN betonen anlässlich des dreißigjährigen Bestehens des Nachbarschaftsvertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Polen in einem offenen Briefwechsel, wie wichtig die deutsch-polnische Freundschaft für die gemeinsame europäische Idee ist und welche enormen Verpflichtungen aus dieser erwachsen.

In seinem Antwortschreiben schlägt das PEN-Zentrum Deutschland seinen polnischen Kolleginnen und Kollegen daher die Gründung eines gemeinsamen ständigen Rates der beiden PEN-Zentren vor, der sich regelmäßig trifft und deutlich hörbar Stellung bezieht zu den Themen, die im Zentrum der gemeinsamen Arbeit stehen und die in der PEN-Charta fixiert sind. Ein solcher gemeinsamer Rat wäre ein wichtiger Teil der Freundschaft, die sich auch als deutsch-polnische Verantwortungsgemeinschaft versteht.

„Wir sind mit Ihnen der Meinung, dass es gerade die Autorinnen und Autoren unserer beider Länder sind, denen die Verantwortung zukommt, sich mit aller Macht gegen die zu stellen, die die Demokratie auszuhöhlen versuchen, indem sie etwa die Axt an das Grundprinzip der Gewaltenteilung legen. Es ist auch unsere Aufgabe, denen entschieden entgegen zu treten, die Wahrheit und Lüge verdrehen, um ihre Ziele zu erreichen: Gerade wir als Schriftstellerinnen und Schriftsteller wissen nur zu gut, welche Macht Fiktionen entwickeln können, wenn sie nicht mehr im Dienste einer höheren Erkenntnis und Wahrheit stehen“, so PEN-Präsidentin Regula Venske und der frühere PEN-Vizepräsident Sascha Feuchert in ihrem Antwortschreiben. „Die grundsätzliche Idee des PEN, die uns alle vereint, ist, dass Literatur eine gemeinsame Währung aller Menschen ist, eine, die Grenzen zu überwinden im Stande ist. In Zeiten, in denen der Frieden und die Demokratie gefährdet sind und erneut Nationalismen erstarken, ist es unsere Pflicht, uns zusammenzutun und gemeinsam zu agieren, damit unsere Stimmen noch deutlicher gehört werden.“

Der offene Brief des polnischen PEN findet sich unter www.penclub.com.pl/2021/06/21/list-otwarty-polskiego-pen-clubu-do-niemieckiego-pen-clubu/, dessen deutsche Übersetzung im Wortlaut nachlesen unter www.pen-deutschland.de/wp-content/uploads/2021/07/Der-Polnische-PEN-Club-an-das-PEN-Zentrum-Deutschland.pdf sowie das Antwortschreiben des PEN-Zentrums Deutschland unter www.pen-deutschland.de/wp-content/uploads/2021/07/Offener-Brief-des-PEN-Zentrums-Deutschland-an-den-polnischen-PEN.pdf.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/62708 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

VS und PEN verurteilen die Auflösung des belarusischen PEN und Kriminalisierung von Schriftsteller*innen und Menschenrechtsorganisationen in Belarus

Pressemitteilung, Darmstadt / Berlin, 23. Juli 2021. Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS in ver.di) und das PEN-Zentrum Deutschland verurteilen die Angriffe des diktatorischen Lukaschenko-Regimes auf den Verband der belarusischen Schriftsteller sowie auf die Schriftstellerorganisation PEN Belarus in Minsk. Jetzt schreitet das belarusische Justizministerium sogar zur „Liquidierung“ des PEN.

„Die Behörden von Belarus gehen systematisch gegen die Zivilgesellschaft, Medien, Schriftsteller und Journalisten vor“, betont Lena Falkenhagen, Bundesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller. „Deutschland und die EU müssen auf diese Schritte gegen demokratische, rechtsstaatliche Prinzipien Taten folgen lassen“, fordert Falkenhagen weiter. „Die Freiheit des Worts, der Meinung und der Kritik sind keine Verfügungsmasse der Politik, sondern ihre Grundlage.“

„Das deutsche PEN-Zentrum ist entsetzt, dass das Justizministerium eine Klage zur Liquidierung von PEN Belarus eingereicht hat“, so PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter Ralf Nestmeyer. „Wir erklären dem PEN Belarus und seinen Mitgliedern unsere uneingeschränkte Solidarität.“

Am Dienstag, 13. Juli, hatte Diktator Alexander Lukaschenko behauptet, 1500 Organisationen und Journalisten würden „aus anderen Ländern finanziert“ und würden in Belarus „Unruhe stiften und Terror statt Demokratie fördern“. Am 14. Juli führte die Direktion „Bekämpfung der organisierten Kriminalität und der Korruption“ des belarusischen Innenministeriums eine landesweite radikale Säuberungsaktion gegen unabhängige Verbände von Schriftsteller*innen, Journalist*innen, Medienschaffende und Menschenrechtsorganisationen durch. Wie unabhängige lokale Quellen dem European Writers‘ Council berichteten, gehören zu den bisher 21 Nichtregierungsorganisationen, die dem konzertierten Angriff der Lukaschenko-Regierung in Belarus ausgesetzt sind, auch der Verband belarusischer Schriftsteller (UBW) und der unabhängige PEN Belarus.

Die Verbandsbüros sowie die Wohnungen der Vorsitzenden wurden am 14. Juli von Strafverfolgungs­beamten gestürmt und Computer und Dokumente beschlagnahmt. Der Vorsitzende des unabhängigen Verbandes belarusischer Schriftsteller, der Schriftsteller Barys Piatrovich, darf das Land nicht verlassen, hat Kommunikationsverbot und lebt unter Auflagen unter Hausarrest. Auch die offizielle Adresse des PEN Belarus wurde durchsucht; inzwischen hat der Staat das Konto des PEN in Minsk gesperrt.

Bereits 2020 musste sich die Literaturnobelpreisträgerin Svetlana Alexievich, Präsidentin des PEN Belarus und Mitglied des Verbandes belarusischer Schriftsteller, mit dem Vorwurf des „versuchten Staatsstreichs“ auseinandersetzen; sie verließ Belarus kurz nach den Gerichtsverhandlungen.

Ebenso ist der Verband belarusischer Journalisten betroffen. Der Gründer und Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Viasna, Ales Bjaljazki, Schriftsteller und Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2020, wurde festgenommen.

Der VS und das deutsche PEN-Zentrum stellen sich zusammen mit der Europäischen Dachorganisation für Schriftsteller*innen, dem European Writers‘ Council, fest an die Seite des UBW und des PEN Belarus und seiner Mitglieder und Repräsentant*innen. Beide Organisationen verurteilen die Maßnahmen der belarusischen Regierung scharf und fordern Deutschland und die EU dazu auf, Schritte zum Schutz von belarusischen Schriftsteller*innen und Journalist*innen einzuleiten und mit Sanktionen gegen die diktatorische Lukaschenko-Regierung vorzugehen.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
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 Für Rückfragen und Informationen bezüglich des VS wenden Sie sich bitte an:
Valentin Döring     •     +49 30 6956-2327     •     valentin.doering [at] verdi [dot] de

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

PEN-Zentrum protestiert gegen das Aufgeben des Ehrengrabes für den Lyriker und Lektor Oskar Loerke

Pressemitteilung, Darmstadt, 22. Juli 2021. Nach einer Senatsentscheidung zur Vorlage des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, soll das Ehrengrab des Lyrikers und Lektors Oskar Loerke aufgegeben werden. Dem in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Protest unseres Kollegen Lutz Seiler gegen diese Entscheidung schließt sich das deutsche PEN-Zentrum an.

Dass ein fortlebendes Andenken von Oskar Loerke in der Öffentlichkeit nicht mehr erkennbar sei, wie es in der Begründung heißt, entzieht sich jeglicher Messbarkeit. Wieviel an vordergründigem Zeitgeist in diese Annahme einfließt, wäre zu überlegen, denn es lohnt sich sehr wohl, das Andenken an Loerke wach zu halten.

PEN-Generalsekretär Heinrich Peuckmann
Foto: © Stefanie Silber

Mit der Machtergreifung der Nazis verlor er sofort seinen Posten als Sekretär der „Sektion für Dichtkunst“ in der Preußischen Akademie. Um dem S. Fischer Verlag, bei dem er als Lektor arbeitete, zu helfen, unterzeichnete Oskar Loerke eine Loyalitätsadresse an Hitler, eine Handlung, die ihn krank gemacht hat, wie seine Tagebuchaufzeichnungen belegen. Von Schmach, Ekel und Verzweiflung über das Teuflische spricht er darin. Mit Abscheu hat er die Gleichschaltung kommentiert. In seiner Lyrik beschreibt er die Naziherrschaft mit drastischen Worten, die an Klarheit nichts zu wünschen übriglassen. Was innere Emigration wirklich bedeutet, kann man an seinem Beispiel ablesen.

Dies ist eine Haltung, die in unserer Zeit und sicher auch darüber hinaus ganz sicher ein Andenken verdient. Zudem ist Oskar Loerke ein bewundernswerter Lyriker von großer Sprachkraft, dessen bildhafte Sprache den Leser auch heute noch berührt.

Wir bitten den Rat der Bürgermeister von Berlin daher, das Ehrengrab von Oskar Loerke nicht aufzugeben, sondern es zu erhalten.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Heinrich Peuckmann
Generalsekretär

Pressekontakt:
Felix Hille
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E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.