08.09.2022, 19 Uhr – KABUL – BERLIN – KAIRO: Ein Benefiz-Abend des PEN-Zentrums Deutschland, der Akademie der Künste und des PEN Afghanistan für Writers in Prison / Writers at Risk

Pressemitteilung, Darmstadt/Berlin, 9.8.2022

KABUL – BERLIN – KAIRO

Ein Benefiz-Abend des PEN-Zentrums Deutschland, der Akademie der Künste und des PEN Afghanistan für Writers in Prison / Writers at Risk

Donnerstag, 8. September 2022, Pariser Platz

In den vergangenen Monaten konnten zehn afghanische Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit ihren Familien, etwa einhundert Menschen, nach Deutschland evakuiert werden – dank der Zusammenarbeit des PEN-Zentrums Deutschland mit dem PEN International und der umfangreichen Kooperation mit der NGO „Luftbrücke Kabul“, dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium des Innern und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Um die Autorinnen und Autoren willkommen zu heißen und zugleich an jene zu erinnern, die verfolgt werden, verhaftet, verurteilt oder ermordet wurden, veranstalten die Akademie der Künste und das PEN-Zentrum Deutschland, gemeinsam mit dem PEN Afghanistan, am 8. September 2022 einen Benefiz-Abend – mit Lesungen, Gesprächen und Musik, auch mit Texten verfolgter Schriftsteller und Journalistinnen.

Der Abend unterstützt außerdem die Arbeit des Writers in Prison / Writers at Risk-Komitees des deutschen PEN. Nicht zuletzt in Zeiten von Covid-19 und strikten Pandemie-Regeln leben Schriftstellerinnen und Schriftsteller in aller Welt zunehmend in Gefahr. Autokratien haben Aufwind bekommen. Das freie Wort ist in Bedrängnis.

Mit Dastgir Farhood, Samay Hamed, Shiva Sharq Abdul Manan, Wahab Mujir, Tamana Tawangar, dem PEN-Präsidenten Josef Haslinger, Yoko Tawada und der PEN-Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftragten Astrid Vehstedt sowie den Akademie- und PEN-Mitgliedern Jenny Erpenbeck und mit Christoph Hein, der zugleich Ehren-Präsident des deutschen PEN-Zentrums ist.

Musik: Fayaz Hamid und Ardhi Engl (angefragt)

Begrüßung: Kathrin Röggla (Vizepräsidentin der Akademie der Künste)

Moderation: Baktash Siawash (Journalist) und Cornelia Zetzsche (Vizepräsidentin und Writers in Prison Beauftragte des PEN-Zentrums Deutschland)

Veranstaltungsdaten

KABUL – BERLIN – KAIRO
Ein Benefiz-Abend der Akademie der Künste, des PEN-Zentrums Deutschland und des PEN Afghanistan für Writers in Prison / Writers at Risk
Donnerstag, 8. September 2022, 19 Uhr
Akademie der Künste, Pariser Platz, 10117 Berlin
Eintritt: 15 €, 10 € (ermäßigt)

Spenden für Writers in Prison/Writers at Risk sind willkommen.

Pressekontakt

PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Pressestelle
Tel.: 06151/627 08 23
E-Mail: presse [at] pen-deutschland [dot] de

In Simbabwe weiter vor Gericht: Tsitsi Dangarembga

Tsitsi Dangarembga am 22.8.22 vor dem Gerichtsgebäude in Harare
Foto: © Cornelia Zetzsche

„Ich kann nicht sagen, dass ich überrascht bin. Wenn ich mir anschaue, wie die Verhältnisse in Simbabwe sind, wäre ich angenehm überrascht gewesen, wenn ein anderes Urteil gesprochen worden wäre.“

Tsitsi Dangarembga, Autorin und Friedenspreisträgerin, über den 28. Verhandlungstag im Strafverfahren gegen sie und Julie Barnes, über die Vorwürfe, denen sie ausgesetzt ist, und weshalb sie sich auch künftig in Simbabwe engagieren wird.
(OT: Cornelia Zetzsche, PEN-Vizepräsidentin, Writers-in-Prison-Beauftragte und als Prozessbeobachterin vor Ort in Harare)

 

Ausgewählte Interviews, Beiträge und Artikel zu dem Prozess

Der Prozess gegen die Autorin und Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga geht weiter. Ihr Antrag auf Freispruch wurde heute in Harare abgelehnt. Am 10. August werden Zeugen der Verteidigung gehört. „So lebt man in Simbabwe“, sagte Dangarembga, nicht überrascht, aber doch enttäuscht.

Einen friedlichen Protest für ein besseres Simbabwe zu kriminalisieren, widerspricht rechtsstaatlichen Prinzipien und einer unabhängigen Justiz. Das PEN-Zentrum Deutschland fordert daher die sofortige Einstellung dieses Verfahrens und einen Freispruch der Autorin.

Zur Pressemitteilung (4.8.22)

01.09.2022, 15 Uhr – Writers-in-Exile-Foto-Lyrik Ausstellung des PEN am 1.9. in Darmstadt

„weil ich beschlossen habe, mich nie bezwingen zu lassen.“

Pressemitteilung, Darmstadt, 3.8.2022. Das PEN-Zentrum Deutschland lädt ein zur Vernissage seiner Foto-Lyrik Ausstellung am 1.9. in der PEN-Geschäftsstelle in Darmstadt. Die Ausstellung mit dem Titel „weil ich beschlossen habe, mich nie bezwingen zu lassen.“[1] zeigt Fotografien von Exilautorinnen und –autoren, die mithilfe des Writers-in-Exile-Programms des PEN Zuflucht in Deutschland gefunden haben. Ergänzt wird die Premiere um ein vielfältiges Programm mit Musik und Lesungen von und mit den Exilschriftstellerinnen und –schriftstellern.

Bei der Eröffnungsveranstaltung in Darmstadt soll es nicht bleiben. Astrid Vehstedt, Vizepräsident des PEN und zuständig für den Bereich Writers-in-Exile, betont: „Neben einer Wanderausstellung durch die Bundesrepublik planen wir die Werke auch digital erfahrbar werden zu lassen, zumal die ausgestellten Fotos nur eine Auswahl aus einem sehr umfangreichen Werk sind. Zu diesem Zweck sind wir derzeit dabei, die Möglichkeiten im digitalen Metaverse auszuloten. Dies eröffnet für Projekte wie diese ganz neue Dimensionen.“

„Die Autor:innen in ihren durchaus verschiedenen Lebensrealitäten zu begleiten, macht die reflektive Kraft des Perspektivenwechsels deutlich“, so der Berliner Fotograf Maximilian Gödecke.

Wann: Donnerstag, den 1.9.2022, ab 15 Uhr (Beginn der Lesungen: 17 Uhr)
Wo: Geschäftsstelle des deutschen PEN (Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt)
Anmeldung erbeten unter: info [at] pen-deutschland [dot] de
Eintritt frei

Das Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Autorinnen und Autoren, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird. Seit 1999 sind mehr als sechzig Literatinnen und Literaten Stipendiaten dieses Exil-Programmes gewesen. Bis zu drei Jahre stellt das deutsche PEN-Zentrum verfolgten Autorinnen und Autoren eine möblierte Wohnung zur Verfügung, dazu ein monatliches Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Verlegerinnen und Verlegern in ihrer Umgebung.

In seinen Arbeiten beschäftigt sich der Berliner Portrait- und Reportagefotograf Maximilian Gödecke (geb. 1995) mit den Facetten menschlichen Lebens sowie den Geschichten, die es hervorbringt. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung im Studio67 in 2019 machte er sich selbstständig. Seitdem widmet er sich von Idee zu Projekt seinem tiefen Interesse, Menschen zu begleiten und sie in ihrem Sein zu verstehen.

Ablauf der Ausstellungseröffnung

15 Uhr Begrüßung durch Jochen Partsch, Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt, und Astrid Vehstedt, Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftragte des deutschen PEN

16 Uhr Empfang

17 Uhr Aktuelle und ehemalige Writers-in-Exile-Stipendiatinnen lesen aus ihren Texten

Mit: Umar Abdul Nasser (Irak) sowie Nazli Karabiyikoglu und Barbaros Altuğ (Türkei)

18.45 Uhr Aktuelle und ehemalige Writers-in-Exile-Stipendiatinnen lesen aus ihren Texten

Mit: Anise Jafarimehr und Sajjad Jahan Fard (Iran) sowie Stella Nyanzi (Uganda)

Die syrische Writers-in-Exile-Stipendiatin Kholoud Charaf sorgt mit ihrer Band für Klänge aus ihrer Heimat.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Wissenschaftsstadt Darmstadt, der Stadt Fürth, dem Kulturreferat München und der Stadt Nürnberg

 

[1] Umar Abdul Nasser: „Flüchtling sein“. In: in der nie endenden bernsteinfarbenen nacht. Hamburg: Kursbuch Kulturstiftung (2021), S. 36 (Aus dem Arabischen von Kerstin Wilsch).

Prozess gegen Tsitsi Dangarembga geht weiter

Tsitsi Dangarembga am 4.8.22 vor dem Gerichtsgebäude in Harare

Pressemitteilung, Harare/Simbabwe, 4.8.2022. Enttäuschend: Der Prozess gegen die Autorin und Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga geht weiter. Ihr Antrag auf Freispruch wurde heute in Harare abgelehnt. Am 10. August werden Zeugen der Verteidigung gehört. „So lebt man in Simbabwe“, sagte Dangarembga, nicht überrascht, aber doch enttäuscht.

Einen friedlichen Protest für ein besseres Simbabwe zu kriminalisieren, widerspricht rechtsstaatlichen Prinzipien und einer unabhängigen Justiz. Das PEN-Zentrum Deutschland fordert daher die sofortige Einstellung dieses Verfahrens und einen Freispruch der Autorin.

„Ein schwarzer Sonnentag in Harare. Wieder kein Freispruch, und wieder ein Verhandlungstag, dann am 10. August, an dem die Verteidigung erneut Beweise und Zeugen bringen muss. Das ist ein zermürbender Prozess mit gefälschten Beweisen und Falschaussagen vor einem Anti-Korruptionsgericht, das dem Präsidenten unterstellt ist. Ein Prozess gegen Tsitsi Dangarembga ist das und zugleich ein Mahnmal für alle Kritiker: Rechtstaatlichkeit und Meinungsfreiheit haben kein Forum in Simbabwe, der einstigen Befreiungsfront Zanu-PF“, so Cornelia Zetzsche, Vizepräsidentin und Writers-in-Prison-Beauftragte des deutschen PEN, die den Prozess vor Ort beobachtet.

Zusammen mit der Journalistin Julie Barnes hatte Tsitsi Dangarembga am 31. Juli 2020 für Reformen im Land und für die Freilassung von Journalisten demonstriert – nichts, was in irgendeiner Weise gegen geltende Gesetze in Simbabwe verstoßen würde. Dennoch wurden beide Frauen verhaftet und vor Gericht gestellt. Die Anklage lautet auf Teilnahme an einer Versammlung mit der Absicht, zu öffentlicher Gewalt, Landfriedensbruch und Bigotterie aufzurufen. Zudem sollen sie gegen die geltenden Coronamaßnahmen verstoßen haben. Am 27.6.22, dem letzten Verhandlungstermin, konnte Tsitsi Dangarembga nicht vor Gericht nicht erscheinen, ein medizinisches Attest lag vor. Ein Haftbefehl wurde dennoch gegen die Friedenspreisträgerin erhoben und erst bei ihrer Wiedereinreise ausgesetzt. Am heutigen Verhandlungstag konnte die Autorin teilnehmen.

Der deutsche PEN ermöglicht die Prozessbeobachtung. Unterstützt wird er dabei durch S. Fischer und den Orlanda Verlag, wo Tsitsi Dangarembgas Bücher in deutscher Übersetzung erscheinen, durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die International Publishers Association.

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Deutscher PEN vor Ort: Prozess gegen Tsitsi Dangarembga am 4.8. in Simbabwe

Pressemitteilung, Darmstadt, 28.7.2022. Der deutsche PEN wird mit seiner Vizepräsidentin und Writers-in-Prison-Beauftragten Cornelia Zetzsche den Prozess gegen die Autorin und Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga am 4.8. in Harare beobachten.

„Es ist ein zermürbender Prozess mit gefälschten Beweisen und Falschaussagen vor einem Anti-Korruptionsgericht, das dem Präsidenten unterstellt ist. 27-mal musste Tsitsi Dangarembga vor Gericht erscheinen, am 4. August könnte eine Entscheidung fallen Wir setzen auf Freispruch. Einen friedlichen Protest für ein besseres Simbabwe zu kriminalisieren, widerspricht rechtsstaatlichen Prinzipien und einer unabhängigen Justiz“, sagte Cornelia Zetzsche im Vorfeld des Termins.

Zusammen mit der Journalistin Julie Barnes hatte Tsitsi Dangarembga am 31. Juli 2020 für Reformen im Land und für die Freilassung von Journalisten demonstriert – nichts, was in irgendeiner Weise gegen geltende Gesetze in Simbabwe verstoßen würde. Dennoch wurden beide Frauen verhaftet und vor Gericht gestellt. Die Anklage lautet auf Teilnahme an einer Versammlung mit der Absicht, zu öffentlicher Gewalt, Landfriedensbruch und Bigotterie aufzurufen. Zudem sollen sie gegen die geltenden Coronamaßnahmen verstoßen haben. Am 27.6.22, dem letzten Verhandlungstag, konnte Tsitsi Dangarembga nicht vor Gericht nicht erscheinen, ein medizinisches Attest lag vor. Ein Haftbefehl wurde dennoch gegen die Friedenspreisträgerin erhoben und erst bei ihrer Wiedereinreise ausgesetzt.

Der deutsche PEN ermöglicht die Prozessbeobachtung. Unterstützt wird er dabei durch S. Fischer und den Orlanda Verlag, wo Tsitsi Dangarembgas Bücher in deutscher Übersetzung erscheinen, durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die International Publishers Association.

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Bei Rückkehr droht Haft: Belarusischer Autor Zmicier Vishniou neuer Writers-in-Exile-Stipendiat

Zmicier_Vishniou

Zmicier Vishniou
Foto: Andrey Dzmitranok

Pressemitteilung, Darmstadt, 25.7.2022. Der deutsche PEN begrüßt den belarusischen Verleger und Schriftsteller Zmicier Vishniou als neuen Stipendiaten im Writers-in-Exile-Programm. Dem Autor, der zu den wichtigsten literarischen Stimmen in Belarus zählt, droht in seiner Heimat eine Gefängnisstrafe, sollte er dorthin zurückkehren.

Zmicier Vishniou ist seit 2007 Leiter des belarusischen Verlages Halijafy, eines der führenden unabhängigen Medienunternehmen des Landes, das in seiner internationalen Ausrichtung enge Beziehungen zum Goethe-Institut, zum Polnischen Institut für das Buch und zu Pro Helvetia pflegte. Dies erschwerte seit 2020 Vishnious Tätigkeit in Belarus, die am 18. April 2022 vollständig unterbunden wurde. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich auf Einladung des Schlosses Wiepersdorf in Deutschland.

„Eine Rückkehr nach Belarus wurde durch das Verbot unmöglich und würde zu seiner Verhaftung führen“, betont Astrid Vehstedt, Vizepräsidentin und Writers in Exile-Beauftragte des deutschen PEN. „Daher freut es uns, dass wir mit dem temporären Stipendium der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Zmicier Vishniou einen sicheren Aufenthalt in der Bundesrepublik ermöglichen können.“

Vishnious Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt und er wird zu internationalen Literaturfestivals eingeladen. In der neuen Folge des PEN Podcasts schildert Vishniou im Gespräch mit Cornelia Zetzsche, Vizepräsidentin und Writers in Prison-Beauftragte des PEN, wie Lukaschenkos „Junta“ Belarus beherrscht.

Das Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Autorinnen und Autoren, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird. Seit 1999 sind mehr als sechzig Literatinnen und Literaten Stipendiaten dieses Exil-Programmes gewesen. Bis zu drei Jahre stellt das deutsche PEN-Zentrum verfolgten Autorinnen und Autoren eine möblierte Wohnung zur Verfügung, dazu ein monatliches Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Verlegerinnen und Verlegern in ihrer Umgebung.

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Bei Rückkehr droht Gefängnis: Der Dichter, Performer, Künstler, Verleger Zmicier Vishniou

Zmicier Vishniou belebte die belarussische Sprache. Ein Star in der belarussischen Literaturlandschaft. Seine Arbeit verboten, Freunde und Kollegen in Haft. Zu gefährlich für ihn, nach Minsk zurückzukehren. Eine Begegnung mit dem Künstler und Schriftsteller in Deutschland, wo er, dank der Ukraine-/ Belarus-Hilfe der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie des PEN, Zuflucht fand und mutig erzählt, wie Lukaschenkos „Junta“ Belarus beherrscht. Cornelia Zetzsche, Vizepräsidentin des PEN und Writers in Prison-Beauftragte trifft Zmicier Vishniou, den „Writer in Exile“ und Stipendiaten des deutschen PEN.

Der PEN Podcast
Starke Stimmen. Aktuelle Themen.
Autoren und Schriftstellerinnen aus aller Welt.
Und das freie Wort.

„Chaos. Konflikt. Straflosigkeit“: PEN veröffentlicht Case List zur Lage von Autoren weltweit

Pressemitteilung, Darmstadt, 14. Juli 2022

„Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist die Grundlage der Menschenrechte, die Quelle der Menschlichkeit und die Mutter der Wahrheit.“ (Liu Xiaobo)

Am 13. Juli 2022, dem fünften Todestag von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, dem einstigen Vorsitzenden des Unabhängigen Chinesischen Schriftstellerverbands, veröffentlichte PEN International die jährliche Liste akuter und sinnbildhafter Fälle von Menschenrechtsverletzungen unter der Überschrift „Chaos. Konflikt. Straflosigkeit“.

Die „Case List“ bilanziert Fälle weltweit und Aktionen zur Verteidigung des freien Worts gegen Repression, Verfolgung und Gewalt. „Heute gedenken wir Liu Xiaobo und fordern Gerechtigkeit für alle auf der ganzen Welt, die zum Schweigen gebracht werden, nur weil sie für dieses Recht eintreten“, schreibt Ma Thida, die Vorsitzende des Komitees „Writers in Prison“ von PEN International.

„Vielleicht waren wir Menschen immer in ähnlicher oder gar schlimmerer Lage, aber das ist kein Grund, die Hoffnung zu verlieren. Wir müssen weiter und mehr kämpfen für diejenigen, die unsere Hilfe brauchen, und für die Werte, von denen wir träumen, damit sie eines Tages zum Prinzip aller Menschen werden.“
(Burhan Sönmez, Präsident von PEN International im PEN-Podcast)

Corona hatte verheerende Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen, auch vieler Schriftsteller und Künstler. Sicherheitsvorschriften wegen der Pandemie waren für Regierungen willkommene Instrumente der Repression. Online-Plattformen wurden geschlossen. In Bangladesch und Venezuela gerieten Journalisten und Journalistinnen wegen angeblicher Verbreitung von „Fake News“ in Haft. In Tunesien wurde Covid-19 zum Vorwand für den Sturz der Regierung und die Suspendierung des Parlaments durch den Präsidenten. In Kasachstan starb der 68-jährige Dichter Aron Atabek in einem überfüllten Gefängnis, ohne medizinische Versorgung an Covid, wenige Monate vor Ende seiner achtzehnjährigen Haft.

2021 war ein Jahr, in dem gewaltbereite Autokratien wiederauflebten: Im Februar putschte das Militär in Myanmar. Wenigstens fünf Schriftsteller wurden von Streitkräften der Junta getötet, darunter die Dichter Myint Myint Zin und K Za Win, beide erschossen als friedliche Demonstranten. Der Dichter Khet Thi wurde entführt und vermutlich zu Tode gefoltert.

Die Machtübernahme der Taliban im August trieb Afghanistan in eine ungewisse, von Gewalt geprägte Zukunft. Die Fluchtbilder sind gegenwärtig. Diejenigen, die zurückblieben, wurden zum Schweigen gezwungen und mussten untertauchen. Zwei PEN-Mitglieder, Abdullah Atefi und Dawa Khan Menapal, wurden innerhalb eines Tages erschossen, als die Taliban die Kontrolle über Kabul übernahmen. Aber rund ein Dutzend PEN-Mitglieder und ihre Familien, etwa hundert Menschen, konnten ausgeflogen und gerettet werden. Eine erfolgreiche Aktion von PEN International und dem PEN-Zentrum Deutschland.

Tragische Todesfälle gab es in Bangladesch, wo der Schriftsteller Mushtaq Ahmed während seiner Untersuchungshaft starb; Im Libanon fand man den Schriftsteller und Verleger Lokman Slim tot, brutal ermordet in seinem Auto außerhalb von Beirut; In Mexiko, wurde der Journalist und Schriftsteller Fredy López Arévalo vor seinem Haus in Chiapas erschossen; In den Niederlanden, erlag der niederländische Kriminalreporter Peter R. de Vries nach einer Schießerei in Amsterdam seinen Verletzungen.

In China, der Türkei, Ägypten, dem Iran und Kuba, also in Ländern, die schon seit langem auf der Fallliste von PEN International stehen, sind inhaftierte Schriftsteller nach wie vor tiefgreifenden Konflikten und fortwährender Repression ausgesetzt. In Belarus protestierten pro-demokratische Aktivisten weiter gegen die zweifelhafte Präsidentschaftswahl im August 2020. Das PEN-Zentrum Belarus wurde im August vom Obersten Gerichtshof aufgelöst und setzt seine wichtige Arbeit andernorts fort. Mit Bundesmitteln und einer Hilfe für Belarus und die Ukraine, konnte das deutsche PEN-Zentrum den Dichter Zmicier Vishniou und seine Familie in Sicherheit bringen.

„Ich betrachte dich im Fernsehen. Du wirst älter, mein Diktator. Deinen Kopf schmücken Falten und Geschwülste. Auch ich werde älter, neige zu Schwellungen, nehme eine gelbliche Farbe an. Beide ähneln wir überreifen Gurken. Bald werden wir altersschwache Schildkröten sein. Das graue Haar wird wie Blattwerk von uns abfallen. Gemeinsam werden wir sterben. NIEMAND WIRD UNS RETTEN.“
(Zmicier Vishniou/Übersetzung: Martina Jakobson)

Die Welt brennt, von Brasilien bis Ägypten und Eritrea. In der äthiopischen Region Tigray wurden Journalisten, die versuchten, über den Konflikt zu berichten, schikaniert und verhaftet, während das Internet in dem vom Krieg zerrütteten Gebiet abgeschaltet war. Im israelisch-palästinensischen Konflikt kam es zu Übergriffen auf Journalisten, Medien- und Kulturbüros in Gaza. In Nicaragua führte die Zensur, angesichts der weithin kritisierten Wahlen, im November zur Verhaftung zahlreicher Journalisten, zur Schließung von Medien und zur Ausreise von Dissidenten, darunter auch PEN-Mitglieder.

In Marokko wurde die Spionagesoftware Pegasus eingesetzt, um Autoren auszuspionieren, die anschließend in Haft kamen. Gegen den israelischen Hersteller NSO wurde im September Beschwerde eingereicht, nachdem Pegasus auch gegen Reporter in Aserbaidschan, Ungarn, Indien, Mexiko, Marokko und Togo eingesetzt worden war.

In Uganda waren die Wahlen von staatlicher Gewalt überschattet. Oppositionskandidaten und ihre Anhänger wurden willkürlich festgenommen und unter erfundenen Anschuldigungen strafrechtlich verfolgt, Journalisten schikaniert und geschlagen, weil sie über die Kampagnen der Opposition berichteten. Regierungskritiker und Bestsellerautor Kakwenza Rukirabashaija, der verschleppt, verhaftet und gefoltert worden war, konnte gerettet werden und fand als Writers in Exile und Gast des PEN Zuflucht in Deutschland.

Gute Nachrichten über Freilassungen kamen aus China, Ägypten, Mexiko und der Türkei. Ahmet Altan wurde nach vier Jahren Haft freigelassen, nachdem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei für ihren Umgang mit dem Schriftsteller gerügt hatte.

Es gibt Zeichen der Hoffnung. Und genügend Gründe für die PEN-Zentren weltweit, die Arbeit unvermindert fortzusetzen. WikiLeaks-Gründer Julian Assange bezahlt die Veröffentlichung von Menschenrechtsverletzungen durch die US-Army mit seiner Freiheit, ihm droht die Auslieferung an die USA. Die Türkei versucht, die Auslieferung von 73 Intellektuellen und Exilanten in Schweden zu erpressen. Die kurdische Schriftstellerin Meral Şimşek steht am 18. Juli in Ipsala erneut vor Gericht, ihr drohen fünf Jahre Haft wegen „Betretens einer verbotenen Militärzone“, nachdem sie im Juni 2021 versucht hatte zu fliehen und an der griechischen Grenze in die Türkei zurückgedrängt worden war. In einem zweiten Verfahren wurde ihr „terroristische Propaganda“ zur Last gelegt, als Beweis galt eine Erzählung. Das Urteil lautete ein Jahr und drei Monate Haft, das Berufungsverfahren dauert an. Und im August wird das Verfahren gegen Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga in Simbabwe fortgesetzt, die friedlich für eine Reform ihres Landes und die Freilassung von Journalisten demonstriert hatte. Sinngemäß sagt Tsitsi Dangarembga:

„Schreiben ist eine Art des Handelns. Es muss weitergehen, ungeachtet der Umstände. Nur gelegentlich, hat ein Schriftsteller das Glück, wird dieses Handeln gesehen.“

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Cornelia Zetzsche
Vizepräsidentin/ Writers in Prison Beauftragte

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

Die Freiheit des Wortes

Writers-in-Exile: Hilfe für verfolgte Schriftsteller

Astrid Vehstedt

Astrid Vehstedt, PEN-Vizepräsidentin und Writers in Exile-Beauftragte, schildert, wie das Writers in Exile-Programm des deutschen PEN Hilfe für verfolgte Autorinnen und Autoren auch aus der Ukraine leistet.

Lesen Sie den Text in der Ausgabe 7-8/22 von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, hier online.

Pressematerial | Writers-in-Exile-Foto-Lyrik Ausstellung des deutschen PEN

Galerie

Diese Galerie enthält 9 Fotos.

Die Ausstellung mit dem Titel „weil ich beschlossen habe, mich nie bezwingen zu lassen.“ zeigt Fotografien von Exilautorinnen und –autoren, die mithilfe des Writers-in-Exile-Programms des PEN Zuflucht in Deutschland gefunden haben.

Die folgende Auswahl an Fotografien, die ausgestellt werden, steht … Weiterlesen