10 Jahre Friedensnobelpreis an Liu Xiaobo: Weltweite PEN-Kampagne für inhaftierte Schriftsteller in der VR China

Pressemitteilung, Darmstadt, 4. Dezember 2020. Anlässlich des zehnten Jahrestages der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Schriftsteller, Literaturkritiker und Menschenrechtsaktivisten Liu Xiaobo am 10. Dezember 2010 startet PEN International am 5. Dezember eine fünftägige Kampagne für inhaftierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der chinesischen Volksrepublik.

„Liu Xiaobo war ein mutiger Intellektueller, der sich die Freiheit des Wortes nahm und teuer dafür bezahlte“, so PEN-Präsidentin Regula Venske. „In seiner letzten Stellungnahme vor seiner Verurteilung 2008 hatte er die Größe, gegenüber der Staatsmacht, die ihn als ihren Feind auf die Anklagebank gezerrt hatte und ihn seiner Freiheit beraubte, zu erklären: ‚Ich habe keine Feinde, ich kenne keinen Hass‘. Wir verneigen uns in tiefem Respekt in Erinnerung an unser Ehrenmitglied.“

Mit der weltweiten Solidaritätsaktion erinnern die PEN-Zentren an das Leben Liu Xiaobos sowie seinen Beitrag zur chinesischen Literatur und Förderung der Grundrechte in der Volksrepublik China. Zugleich machen sie auf das Schicksal der in China zu Unrecht inhaftierten Schriftstellerinnen und Schriftsteller Gui Minhai, Kunchok Tsephel, Yang Hengjun und Qin Yongmin aufmerksam.

Im Oktober 2010 wurde Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Da er aufgrund seiner Gefängnisstrafe nicht an der Preisverleihung in Oslo teilnehmen konnte, wurde er dort durch einen leeren Stuhl repräsentiert. Für seinen anhaltenden und gewaltlosen Kampf für Menschenrechte in China erhielt er im November 2010 den Hermann Kesten-Preis des deutschen PEN-Zentrums. Auch bei diesem Anlass blieb sein Platz leer. Vergangenheitsbewältigung, kollektives Schuldbewusstsein und historisches Gedächtnis sowie das Verhältnis zwischen Täter und Opfer waren die Themen im Schreiben des Kulturkritikers Liu Xiaobo. Wegen einer unheilbaren Leberkrebserkrankung wurde er kurz vor seinem Tod aus der Haft entlassen, um sich in einem Krankenhaus einer Behandlung zu unterziehen. Nach Angaben der Justizbehörde der Stadt Shenyang starb Liu Xiaobo am 13.7.2017 an multiplem Organversagen.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Ralf Nestmeyer
Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter

 

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird

„Hass ist keine Meinung“: Netzwerk „Hessisches Plädoyer für ein solidarisches Zusammenleben“ veröffentlicht Video zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember

Das PEN-Zentrum Deutschland setzt sich gemeinsam mit einem breiten Bündnis aus der Zivilgesellschaft für eine offene, demokratische und solidarische Gesellschaft ein und ruft auf, den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf der Grundlage von Menschenwürde, Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit zu fördern.

Der 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte. Er erinnert an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde. In Darmstadt sollte an diesem Donnerstag eine Kundgebung aus diesem Anlass auf dem Georg-Büchner-Platz stattfinden, organisiert von Verantwortlichen des „Hessischen Plädoyers für ein solidarisches Zusammenleben“. Wegen Corona musste Veranstaltung abgesagt werden. Stattdessen hat ein Redaktionsteam des „Hessischen Plädoyers“, in Kooperation mit der Initiative „Schüler*innen gegen Vergessen für Demokratie“ und deren Medienteam, ein Video zum Thema „Hass ist keine Meinung – Für Menschenwürde und Demokratie“ mit Stimmen von Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern aus Politik, Religion, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft produziert, unter ihnen auch PEN-Präsidentin Regula Venske, die zu den Erstunterzeichnerinnen des Plädoyers gehört.

Darüber hinaus sprechen aus Darmstadt in dem knapp 20-minütigen Video Oberbürgermeister Jochen Partsch, Daniel Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden in Hessen, die evangelische Dekanin Ulrike Schmidt-Hesse und der katholische Dekan Dr. Christoph Klock. Musikalisch umrahmen die Darmstädter Saxophonistin Irith Gabriely und Abuseyf Kinik (Darabukka, arabische Trommel) sowie das Darmstädter Blechklang-Brass-Sextett die Statements. Die Schülerin Hasset Gessese und die Studentin Fatima Haji von den Darmstädter „Schüler*innen gegen Vergessen und Demokratie“ moderieren einige Kurzansprachen. „Wir kommen dem Ziel jeden Tag einen Schritt näher, in einer Welt zu leben ohne Hass, mithilfe von Zivilcourage“, sagt etwa die junge Muslima Abdia Haji in ihrem Statement. Vor der Frankfurter Paulskirche sprechen Enis Gülegen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen (agah), Karl-Christian Schelzke, früherer Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, und Michael Karg, Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung. Prof. Dr. Joachim Valentin, Vorsitzender des Rats der Religionen Frankfurt, und Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen, halten im Haus am Dom einen kurzen Dialog. Zwischen den Redeteilen werden Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte eingesprochen. Bei der Produktion waren vor allem die Filmemacher Nino Bachmann und Moritz Mathes sowie die Pädagogin Margit Sachse beteiligt.

Das „Hessische Plädoyer für ein solidarisches Zusammenleben“ kann unter www.change.org (www.change.org/p/hessischespl%C3%A4doyer-hessisches-pl%C3%A4doyer-f%C3%BCr-ein-solidarisches-zusammenleben) unterzeichnet werden. Seit der Veröffentlichung am 10. Mai 2019 haben dies bislang mehr als 3500 Personen, Kommunen, Landkreise und Einrichtungen getan.

Wortlaut des „Hessischen Plädoyers für ein solidarisches Zusammenleben“

Die Würde des Menschen zu schützen ist Sinn der Demokratie

„Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“ Richard von Weizsäcker

  1. Die Würde des Menschen zu schützen ist Sinn der Demokratie. „Die Menschenwürde ist unantastbar“ – dieser Grundsatz ist die erste und oberste Norm unseres demokratischen Staates. Er unterliegt einem absoluten Schutzgebot. Er ist Leitgedanke allen staatlichen Handelns und des gesellschaftlichen Zusammenlebens und ist nach allem, was durch Deutsche an Unmenschlichkeit und Hass geschehen ist, nicht verhandelbar. Es geht um das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit und um Freiheit als Kern der Menschenwürde, aber auch um Gleichheit, Respekt und Teilhabe in unserer Gesellschaft. Unsere Unterschiede und unsere kulturelle Vielfalt begreifen wir als Chance und Reichtum.
  2. Gegenwärtig findet eine dramatische politische Verschiebung statt. Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind in erschreckendem Maße gesellschaftsfähig geworden. Was gestern noch undenkbar war und als unsagbar galt, wird derzeit Realität. Viele Teile Europas sind von einer nationalistischen Stimmung, von Ausgrenzung und Entsolidarisierung erfasst. Widerspruch wird gezielt als realitätsfremd diffamiert, solidarisches Handeln von einzelnen Regierungen kriminalisiert. Humanität und Menschenrechte, Religionsfreiheit und demokratischer Rechtsstaat werden offen angegriffen. Es ist ein Angriff, der uns allen gilt.
  3. Wir treten für eine offene, demokratische und solidarische Gesellschaft ein und wollen den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf der Grundlage von Menschenwürde, Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit fördern. Wir treten jeder Form von Demokratiefeindlichkeit, Hass, Hetze, Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und Erniedrigung entgegen. Wir wollen noch stärker als bisher die Anerkennung von Verschiedenheit mit dem Engagement gegen Ungleichheit verbinden, in Deutschland, in Europa und weltweit.
  4. Wir setzen uns ein für ein offenes, demokratisches und solidarisches Europa, das der zunehmenden sozialen Ungleichheit stärker als bisher entgegenarbeitet. Wir verteidigen das Recht auf Leben und das Recht auf Schutz und Asyl. Wir engagieren uns für ein Europa, das sich auch seinem kolonialen Erbe stellt und seiner Verantwortung für eine solidarische Weltgesellschaft gerecht wird. Gerade in der Zeit der Krise gibt es keinen anderen Weg als die Solidarität zwischen den Menschen.
  5. Wir wollen beitragen zu einem zukunftsfähigen Verständnis unserer Demokratie, das sich für bisher ausgeschlossene Menschen öffnet. Wir wollen neu verhandeln, was ein gutes demokratisches Miteinander ausmacht – ohne zum Beispiel Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte auszuschließen. Wir setzen uns für eine demokratische und gewaltfreie Streitkultur ein. Und wir schreiten ein, wenn die Grenzen eines guten, fairen und demokratischen Miteinanders verletzt werden. Wir verpflichten uns, einen Diskussionsprozess zur Weiterentwicklung unserer Demokratie anzustoßen und mitzutragen. Dabei stehen wir ein für Ehrlichkeit – auch gegenüber Fehlern, die im Miteinander einer sich schnell verändernden Gesellschaft gemacht werden.

Wir sehen dieses Hessische Plädoyer als Auftakt eines Prozesses. Wir wünschen uns, dass sich eine breite demokratische Mehrheit unseres Landes daran beteiligt. Jetzt unterzeichnen!

Seit der Veröffentlichung des Hessischen Plädoyers für ein solidarisches Zusammenleben vom 10. Mai 2019 hat sich dessen Dringlichkeit erhöht: durch das Anwachsen des rechtsextremen Einflusses in Parlamenten und Öffentlichkeit, durch die dramatisch gewachsene Hetze vor allem gegen Kommunalpolitiker*innen auch im Netz, durch die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, durch die rechtsextremen Morde in Hanau und durch den Anschlag auf die Synagoge in Halle. Das drastische Anwachsen rechtsextremer Gewalt entsetzt und erschüttert uns. Und es führt vor Augen: Rassismus, Antisemitismus, Hetze und Gewalt vergiften den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie gefährden unsere freiheitliche und demokratische Rechtsordnung. Mehr denn je ist die Zivilgesellschaft gefragt: Jede und jeder von uns ist aufgerufen, im Alltag zu widerstehen. Im direkten Kontakt mit den Menschen geht es um das gewinnende Gespräch, um das solidarische Zusammenleben und die Demokratie zu schützen und zu fördern. Zugleich müssen wir hellwach bleiben, dazwischen gehen und einschreiten, wenn die Grenzen eines friedlichen und respektvollen Miteinanders verletzt werden.

Hessisches Plädoyer
c/o Martin-Niemöller-Stiftung e.V.
Steingasse 9
65183 Wiesbaden
E-Mail: mail [at] hessisches-plaedoyer [dot] de

Daniel Kehlmann, Karen Köhler und Juan Moreno als neue PEN-Mitglieder zugewählt

Pressemitteilung, Darmstadt, 9. Dezember 2020. Mit den Zuwahlen neuer PEN-Mitglieder wurde die Mitgliederversammlung, die dieses Jahr digital stattfand, am Dienstag beschlossen. 41 Autorinnen und Autoren wurden – vorbehaltlich ihrer Unterzeichnung der Charta des internationalen PEN – neu in das PEN-Zentrum Deutschland aufgenommen, darunter die mit dem Kurt Sigel-Lyrikpreis des deutschen PEN 2020 ausgezeichnete Dichterin Claudia Gabler, der Schriftsteller und Literaturkritiker Daniel Kehlmann, die Schriftstellerin, Dramatikerin und Schauspielerin Karen Köhler, der Journalist Juan Moreno, welcher den Fälschungsskandal beim Magazin „DER SPIEGEL“ aufgedeckt hat, der Schriftsteller Frank Schätzing sowie die Kulturjournalistin Cornelia Zetzsche.

„Wir haben im vergangenen Jahr um manchen verstorbenen PEN-Freund und Weggefährten getrauert, darunter der langjährige Generalsekretär Wilfried F. Schoeller und der ehemalige PEN-Präsident Karl Otto Conrady, Günter de Bruyn und Guntram Vesper. Unser Verein lebt vom Renommee und dem Einsatz unserer Mitglieder. Ich freue mich, so viele großartige Kolleginnen und Kollegen neu im deutschen PEN begrüßen zu dürfen, und hoffe auf einen regen Austausch und gute Begegnungen, spätestens bei unserer Jahrestagung Anfang Juli in Hamburg – dann hoffentlich auch wieder ganz altmodisch analog“, so PEN-Präsidentin Regula Venske.

Pressekontakt:
Felix Hille
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Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

Spende von ad pepper media International N.V. in Höhe von 2.500.- € für das Writers-in-Prison-Programm des deutschen PEN

Das deutsche PEN-Zentrum bedankt sich bei ad pepper media International N.V. für die erneute großzügige Spende in Höhe von 2.500.– € für sein Writers-in-Prison-Programm.

Wir freuen uns, dass unsere Arbeit diese Unterstützung findet! Der deutsche PEN setzt sich über diplomatische Kanäle und in öffentlichen Kampagnen, etwa am Tag des inhaftierten Schriftstellers, für akut bedrohte Schriftstellerinnen, Journalisten, Verlegerinnen und Bloggern ein, um die Freilassung der Gefangenen zu erwirken.

Die über 150 PEN-Zentren wirken aktiv im Writers-in-Prison-Committee mit. Jedes dieser Zentren ernennt verfolgte Autorinnen und Autoren zu Ehrenmitgliedern. Sie korrespondieren mit den Angehörigen der Gefangenen, wenn möglich auch mit diesen selbst. Sie schreiben Artikel über ihre inhaftierten Kolleginnen und Kollegen und setzen sich dafür ein, dass deren Arbeiten übersetzt, in öffentlichen Lesungen bekanntgemacht und publiziert werden.

Wer unsere Writers-in-Prison-Arbeit unterstützen möchte, hier ist die Bankverbindung des PEN-Zentrums:

Sparkasse Darmstadt, IBAN: DE03 5085 0150 0000 7301 14, BIC: HELADEF1DAS.
Verwendungszweck: Writers-in-Prison

Offener Brief zur erneuten Schließung der Bibliotheken in Bayern an den Ministerpräsidenten Dr. Söder und den Staatsminister Sibler

Offener Brief zur erneuten Schließung der Bibliotheken in Bayern an den Ministerpräsidenten Dr. Söder und den Staatsminister Sibler

Pressemitteilung, Darmstadt, 30. November 2020

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Söder,

sehr geehrter Herr Staatsminister Sibler,

mit großer Besorgnis und Unverständnis hat das deutsche PEN-Zentrum die Anordnung der Bayerischen Staatsregierung vom 26. November 2020 zur Schließung aller Bibliotheken (ausgenommen der Hochschulbibliotheken) und Archive im Freistaat zur Kenntnis genommen.

Bibliotheken stellen einen unverzichtbaren Zugang zu Wissen und Bildung dar, gerade auch für diejenigen, die sich die Bücher, die sie gerne lesen möchten, nicht kaufen können. Zudem sind nicht nur Schüler, sondern auch Journalistinnen, Wissenschaftler und Schriftstellerinnen beim Schreiben von Facharbeiten, Publikationen, Sachbüchern und Belletristik auf Archive sowie auf Sekundärliteratur angewiesen, die nur in Bibliotheken vorhanden ist.

Wie kann es sein, dass Bayern im Rahmen der Corona-Maßnahmen als einziges Bundesland seine Stadt- und Gemeindebibliotheken schließen will, obwohl im Artikel 3 der Bayerischen Verfassung eindeutig geschrieben steht, „Bayern ist ein Kulturstaat“? Warum werden Bibliotheken trotz überzeugender Hygienekonzepte geschlossen, während Sexshops und Dekorationsgeschäfte weiter ihre Produkte verkaufen dürfen? Das zeigt schmerzlich, dass die Bedeutung von Kultur und Bildung von der Bayerischen Staatsregierung als nachrangig angesehen wird.

Bibliotheken sind bislang nicht als Hotspots für die Verbreitung des Virus bekannt geworden. Im Gegenteil, Bibliotheken können sogar helfen, die Covid-19-Pandemie einzudämmen: Jeder, der sich in der Stadtbibliothek einen Stapel Bücher ausleiht und sich damit in die eigene Wohnung zurückzieht, trägt geradezu mustergültig dazu bei, dass sich das Corona-Virus nicht weiterverbreitet.

Wir fordern die Bayerische Staatsregierung auf, ihren Beschluss bezüglich der Schließung aller Bibliotheken und Archive umgehend rückgängig zu machen. Der Zugang zu und die Nutzung von Bibliotheken sollte in einer freiheitlichen Demokratie unter keinen Umständen eingeschränkt werden. Sehr geehrte Herren, bitte setzen Sie ein Zeichen für den Stellenwert der Kultur in Bayern. Sie ist es, die eine Gesellschaft in schweren Zeiten zusammenhält!

Mit freundlichen Grüßen

Ralf Nestmeyer
PEN-Vizepräsident

 

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Felix Hille
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