„Dieses Verfahren war eine reine Farce“

Foto: Urban Zintel

Der türkische Kulturförderer und Intellektuelle Osman Kavala soll lebenslang ins Gefängnis, ohne Aussicht auf Entlassung. Die Richter erließen das Urteil gegen den 64-Jährigen im Zusammenhang mit den regierungskritischen Gezi-Protesten in der Türkei 2013. In der Deutschlandfunk Kultur-Sendung „Fazit“ spricht PEN-Präsident Deniz Yücel über das Urteil eines Istanbuler Gerichts im sogenannten Gezi-Prozess .

Neben Osman Kavala wurden am 25.4.2022 sieben weitere Angeklagte, Vertreterinnen und Vertreter der türkischen Zivilgesellschaft, zu über 18 Jahren Haft, verurteilt.

 

Zur Pressemitteilung des deutschen PEN-Zentrums (25.4.22)

PEN fordert Freilassung Osman Kavalas und Suspendierung der Türkei aus Europarat

Pressemitteilung, Darmstadt, 25. April 2022. Das deutsche PEN-Zentrum ist nicht überrascht, aber doch entsetzt über die lebenslange Haftstrafe für den Kulturförderer und Intellektuellen Osman Kavala. Ebenso entsetzt ist das deutsche PEN-Zentrum über 18 Jahre Haft, zu der sieben weitere Angeklagten des Gezi-Prozesses, Vertreterinnen und Vertreter der türkischen Zivilgesellschaft, verurteilt wurden.

„Dieser Prozess ist und war ein politisches Verfahren frei von Rechtsstaatlichkeit, mit sogar für türkische Verhältnisse atemberaubend lächerlichen Anklagen. Die Urteile gegen Kavala und die Mitangeklagten mahnen: Auch mit Blick auf den russischen Autokraten Putin ist es nicht ratsam, den türkischen Autokraten Erdoğan aufzuwerten“, so PEN-Präsident Deniz Yücel.

In seinem Schlussplädoyer führte der Staatsanwalt heute aus: „Es ist allgemein bekannt, dass Osman Kavala besonderen Schwerpunkt auf kurdisch- und armenischstämmige Bürger legt.“ Dazu Deniz Yücel: „Wer verstehen will, warum Kavala zu lebenslanger Haft verurteilt wurde – ja, auch darum.“

Um die Glaubwürdigkeit des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu wahren, erneuert das deutsche PEN-Zentrum zudem seine Forderung, die Mitgliedschaft der Türkei im Europarat zu suspendieren, und fordert die türkische Regierung einmal mehr dazu auf, ihren vertraglichen Verpflichtungen und der türkischen Verfassung nachzukommen. Neben Osman Kavala sind auch die anderen Verhafteten des Gezi-Prozesses, Selahattin Demirtaş und sämtliche politische Gefangenen umgehend freizulassen.

 

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

13.05.2022, 20 Uhr – PEN-Jahrestagung in Gotha: „Belarus: Kultur trotz(t) Diktatur“

Alina Lisitzkaya
Foto: © Stelter

Durch den Ukrainekrieg hat sich der Fokus auf die Situation in Belarus verschoben. Lukaschenka hat sein Land gespalten und sein Volk in eine Sackgasse geführt, da er treu an der Seite Putins steht.

Nina Weller
Foto: © Susanna Giese

Die Opposition im Land fühlt sich mehr mit den Ukrainern verbunden als mit den eigenen Generälen und Soldaten, die Krieg gegen unbewaffnete Menschen führen. Das deutsche PEN-Zentrum möchte an diesem Abend mit belarusischen Schriftstellerinnen und Autoren über ihre Ängste und Hoffnungen diskutieren.

Julia Cimafiejeva
Foto: © privat

 

Poetry Performance der Lyrikerin Julia Cimafiejeva sowie Podiumsdiskussion und Lesung zur derzeitigen Situation in Belarus mit dem Schriftsteller und Übersetzer Alhierd Bacharevič, der Publizistin Alina Lisitzkaya sowie der Slawistin und Literaturwissenschaftlerin Nina Weller

Alhierd Bacharevic
Foto: © privat

 

Begrüßung: Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN

Moderation: Nina George, Präsidentin des European Writers‘ Council

Mit anschließender Signierstunde

Eintritt frei

Nina George
Foto: Helmut Henkensiefken © Nina George

Eine Veranstaltung im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2022 in Gotha (12.5.-15.5.)

Zum Gesamtprogramm der PEN-Jahrestagung mit Podien und Lesungen u.a. mit Sascha Lobo, Eva Menasse, Johano Strasser, Deniz Yücel, den Writers in Exile-Stipendiaten Aslı Erdoğan, Stella Nyanzi und Yassin Al-Haj Saleh

 

Die PEN-Jahrestagung 2022 in Gotha wird gefördert von:

Woche der Meinungsfreiheit (3.-10.5.): Pressekonferenz und Auftaktdiskussion am 29.4.

 

 

 

„Die Freiheit des Wortes unter Druck: Was können Medien- und Kulturschaffende tun?“

Pressekonferenz am Freitag, 29. April 2022, den 11 bis 12.30 Uhr via Zoom

Mit:

  • Sebastian Fitzek, Schriftsteller, Moderator
  • Nina George, European Writers’ Council, Schriftstellerin
  • Anna-Beeke Gretemeier, Chefredaktion Stern
  • Ralf Nestmeyer, PEN-Zentrum Deutschland
  • Margit Ketterle, Verlagsgruppe Droemer Knaur, IG Meinungsfreiheit des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
  • Peter Kraus vom Cleff, Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Bitte akkreditieren Sie sich, um als Teilnehmer*in bei Zoom Ihre Fragen stellen zu können. Zusätzlich wird die Veranstaltung als Live-Stream auf der YouTube-Seite des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mitzuverfolgen sein.

Zum zweiten Mal stellt der Börsenverein vom 3.-10. Mai 2022 die Bedeutung der Meinungsfreiheit für eine freie, demokratische und friedfertige Gesellschaft mit der „Woche der Meinungsfreiheit“ in den öffentlichen Fokus. Gerade angesichts des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine ist der Einsatz für den Frieden und die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft wichtiger denn je. Vom Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai bis zum Tag der Bücherverbrennung in Deutschland am 10. Mai organisiert ein breites gesellschaftliches Bündnis unter dem Motto #MehrAlsMeineMeinung bundesweit Veranstaltungen, Aktionen und Kampagnen. Partner sind u.a. Amnesty International, das PEN-Zentrum Deutschland, der European Writers‘ Council, Reporter ohne Grenzen und Eintracht Frankfurt. Viele Autorinnen und Autoren, Buchhandlungen, Verlage, Pressehändler und Medien beteiligen sich an der Aktionswoche.

Programm der Woche der diesjährigen Woche der Meinungsfreiheit

Assange: PEN fordert sofortige Freilassung seines Ehrenmitglieds

Pressemitteilung, Darmstadt, 20. April 2022. Das deutsche PEN-Zentrum missbilligt die Entscheidung eines Londoner Gerichts, Julian Assanges Auslieferung an die USA zu ermöglichen, und fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung seines Ehrenmitglieds. Eine Auslieferung des WikiLeaks-Gründers an die USA wäre ein schwerer Schlag gegen die Pressefreiheit, mit weitreichenden Folgen für investigativen Journalismus in aller Welt.

„Julian Assange hat keine Verbrechen begangen, er hat dazu beigetragen, welche aufzudecken – und dafür bis heute mit elf Jahren Unfreiheit bezahlt“, so PEN-Präsident Deniz Yücel.

Zuletzt hatte das deutsche PEN-Zentrum im Januar dieses Jahres Annalena Baerbock öffentlich daran erinnert, dass sie sich als Oppositionspolitikerin für Assanges Freilassung ausgesprochen hatte, und sie dazu aufgefordert, als Außenministerin dieses Engagement fortzusetzen.

Im Fall einer Auslieferung ist damit zu rechnen, dass Assange noch weniger ein faires Verfahren und menschenwürdige Haftbedingungen zuteilkommen werden als in Großbritannien. Stattdessen spricht alles dafür, dass das Urteil in diesem politisch motivierten Verfahren bereits feststeht: lebenslange Haft.

Darum wiederholt das deutsche PEN Zentrum mit allem Nachdruck die Bitte an die Außenministerin, Bundeskanzler Olaf Scholz und die gesamte Bundesregierung: Lassen Sie es nicht zu, dass Julian Assange weiterhin von der russischen Propaganda instrumentalisiert wird! Setzen Sie sich bei den westlichen Verbündeten für ihn ein! Gewähren sie ihm politisches Asyl in Deutschland!

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

Poesie in Zeiten des Exils

Volha Hapeyeva, Stipendiatin des Writers in Exile-Programms sowie Astrid Vehstedt, Vize-Präsidentin des PEN-Zentrum Deutschland und Writers in Exile-Beauftragte zu Gast bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Im Rahmen der Reihe „Seismographen des Wandels“ sprechen sie über Poesie in Zeiten des Exils und das Writers in Exile-Programm.

Dienstag, 26. April 2022 von 19 bis 21 Uhr in der Bibliothek der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Straße der Pariser Kommune 8a, Berlin.

Infos unter:
Seismographen des Wandels III

Kurdischer Schriftsteller neuer Writers-in-Exile-Stipendiat

Pressemitteilung, Darmstadt, 14. April 2022. Kurdischer Schriftsteller und Journalist aus dem Iran, Farhad Jahanbeigi, mit seiner Familie in Deutschland angekommen. Dem neuen Writers-in-Exile-Stipendiaten drohen im Iran mehrere Jahre Haft. Jahanbeigi floh nach zahlreichen Verhaftungen durch das iranische Regime und Morddrohungen gegen ihn, seine Frau und seine beiden Töchter im Jahr 2018 aus dem Iran. Auch die Publikation seiner Bücher war ihm im Iran verwehrt.  Zunächst fand er Zuflucht im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak. Dort lebte er ohne festen Wohnsitz. Nachdem er und seine Familie im Nord-Irak wiederholt von Agenten des iranischen Regimes bedroht und angegriffen, ihre Wohnungen durchsucht wurden, war dort ihre Sicherheit nicht mehr gewährleistet.

„Wir sind froh, dass Herr Jahanbeigi und seine Familie unbeschadet in Deutschland angekommen sind. Unabhängig von der prekären Lebenssituation im Nord-Irak, nahm die Bedrohung durch das iranische Regime für die gesamte Familie zu. Die Familie musste mehre Male die Wohnungen wechseln. Die beiden kleinen Töchter konnten nicht mehr die Schule besuchen, weil die Eltern im ihr Leben fürchteten. Dabei handelte es sich nicht nur um eine abstrakte Bedrohungslage. Während ihres Aufenthalts im Iran entkam die Familie nur knapp einem Attentat in ihrer Wohnung“, erklärt Astrid Vehstedt, Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftrage des PEN Zentrums Deutschland.

In seiner schriftstellerischen und journalistischen Arbeit setzt sich Farhad Jahanbeigi für die Sprache und Rechte der kurdischen Bevölkerung ein. Sein 2015 veröffentlichter iranisch-kurdischer Gedichtband wurde von der iranischen Regierung verboten. Das iranische Ministerium für Nachrichtenwesen beschlagnahmte und verbot seine Veröffentlichung zur sozialen und politischen Geschichte von Kermānshāh, einer Provinz im Nord-Westen des Iran. Nachdem die Repressionen der iranischen Nachrichtendienste zunahmen, konnte Jahanbeigi nur noch unter Pseudonymen veröffentlichen. Nach seiner Flucht in den Nord-Irak arbeitete er für die kurdische Nachrichtenagentur Rojnews.

Das Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Autorinnen und Autoren, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird. Seit 1999 sind mehr als sechzig Literatinnen und Literaten Stipendiaten dieses Exil-Programmes gewesen. Bis zu drei Jahre stellt das deutsche PEN-Zentrum verfolgten Autorinnen und Autoren eine möblierte Wohnung zur Verfügung, dazu ein monatliches Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Verlegerinnen und Verlegern in ihrer Umgebung.

Debatte um Äußerungen von PEN-Präsident Deniz Yücel zum Ukrainekrieg

Fünf ehemalige Präsident/innen des PEN haben ihren Nachfolger Deniz Yücel in einem Brief dazu aufgefordert, zurückzutreten, da er auf der Eröffnungsveranstaltung der 22. Lit.Cologne am 15. März 2022 mit seinen öffentlichen Äußerungen zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine gegen die Charta des PEN verstoßen habe.

Ausgewählte Beiträge, Interviews und Stellungnahmen zur Debatte

Solidarität mit der Ukraine: PEN-Mitglieder lesen Texte Aleksei Bobrownikows

Pressemitteilung, Darmstadt, 23. März 2022. Als Zeichen der Solidarität lesen PEN-Mitglieder aus dem unveröffentlichten Roman des ukrainischen Schriftstellers, Journalisten und ehemaligen Writers-in-Exile-Stipendiaten des PEN, Aleksei Bobrownikow.

„Der Angriffskrieg des russischen Machthabers Wladimir Putin gegen die Ukraine verleiht diesem bisher unveröffentlichten Werk eine besondere Aktualität. Um ein Zeichen zu setzen, baten wir kurz nach Kriegsbeginn PEN-Mitglieder Passagen aus dem Manuskript zu lesen und als Video einzureichen. Die Resonanz war sehr groß“, erklärt Astrid Vehstedt, Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftrage des PEN-Zentrums.

In dem Roman „Grauzone“ beschreibt Aleksei Bobrownikow die gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Ost-Ukraine, auch „Graue Zone“ genannt und entlarvt ein weit verzweigtes Schmuggel- und Geldwäschenetz, das die Warlords im Donbas finanzierten. Zugleich taucht dieses umfangreiche Werk tief in die Geschichte der Ukraine ein.

Infolge seiner Recherchen in den Jahren 20214/2015 erhielt Bobrownikow mehrere Todesdrohungen und flüchtete 2016 nach Deutschland. Von Januar 2017 bis Februar 2018 war er Gast der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte und von 2018 bis 2021 Stipendiat des Writers-in-Exile Programms des deutschen PEN-Zentrums.

Die einzelnen Videos können Sie auch auf unserem Vimeo-Kanal abrufen.

Dokumentation: „Grauzone“ in Magdeburg

Als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine und für die Presse- und Meinungsfreiheit fand am 25. März 2022 in der Stadtbibliothek Magdeburg im Rahmen der Internationalen Wochen #GegenRassismus in Magdeburg eine Solidariätslesung für die Ukraine in Kooperation mit der Writers-in-Exile-Beauftragten (WiE) Astrid Vehstedt des PEN-Zentrums statt.

Aus dem bisher unveröffentlichten Manuskript „Grauzone“ des ukrainischen Schriftstellers und ehemaligen WiE-Stipendiaten Alexei Bobrownikow (Übersetzung Franziska Zwerg) lasen AkteurInnen aus Kunst und Kultur der Stadt Magdeburg. Darunter Regina-Dolores Stieler-Hinz (Kultur-Beigeordnete Landeshauptstadt Magdeburg), Sabine Raczkowski (Friedrich-Boedecker-Kreis Sachsen-Anhalt), Martin Rühmann (Sänger, Liedermacher), Ursula Günther (VS Sachsen-Anhalt), Ammar Awaniy (Institut für Caucasica-Tatarica und Turkestan-Studien e.V.) und Martin Hanusch (Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt).

WiE dankt Frau Dr. Cornelia Poenicke und Herrn Maik Hattenhorst von Stadtbibliothek Magdeburg sowie allen Beteiligten sehr herzlich für die Veranstaltung.