Deutscher PEN schreibt Lyrikpreis aus

Pressemitteilung, Darmstadt, 14. Juli 2021. Das PEN-Zentrum Deutschland schreibt den Kurt Sigel-Lyrikpreis 2022 aus. Er wird alle zwei Jahre an eine/n Lyriker/in für Gedichte von hoher ästhetischer Qualität verliehen und ist mit € 4.000 dotiert. Stifter des Preises ist der Frankfurter Schriftsteller Kurt Sigel, der sich als Autor von Romanen, Erzählungen, Gedichtbänden sowie von Büchern in hessischer Mundart, die er teilweise mit eigenen Zeichnungen und Cartoons illustrierte, einen Namen gemacht hat. Kurt Sigel ist seit 1974 Mitglied im deutschen PEN.

Einsendeschluss für den Kurt Sigel-Lyrikpreis 2022 ist der 15. Oktober 2021. Die Ausschreibungsbedingungen finden sich auf der Homepage des PEN unter www.bit.ly/3wEXLFM. Hierzu gehört als Voraussetzung, einen eigenen Gedichtband in einem Printverlag veröffentlicht zu haben (kein Self-Publishing, kein Kostenzuschussverlag).

Der Kurt Sigel-Lyrikpreis wurde 2016 im Rahmen der PEN-Jahrestagung in Bamberg erstmals an Daniel Falb verliehen. 2018 erhielt Dorothea Grünzweig diese Auszeichnung, 2020 ging sie an die Lyrikerin Claudia Gabler. Da diese Preisverleihung pandemiebedingt nicht stattfinden konnte, werden auf der PEN-Jahrestagung in Gotha 2022 sowohl Claudia Gabler für 2020 als auch die neue Preisträgerin bzw. der neue Preisträger für 2022 geehrt.

Pressekontakt:

Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/62708 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

Aslı Erdoğan: „Ich vertraue ihnen nicht“

Aslı Erdoğan
(Foto: © Carole Parodi)

Pressemitteilung, Darmstadt, 24. Juni 2021. Nachdem die bekannte türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan am 14. Februar 2020 vom Vorwurf der Propaganda für eine terroristische Organisation freigesprochen wurde, will die türkische Justiz die Literatin nun in gleicher Sache wieder vor Gericht stellen. Ihr drohen bis zu neun Jahre Haft.

Das deutsche PEN-Zentrum protestiert gegen die erneute Anklageerhebung. „Die Antwort auf den Verfolgungsterrorismus des türkischen Regimes gegen die Opposition im Land muss sein, dass sich die EU und Deutschland auf die eigene Werte besinnen und die Zusammenarbeit wo immer möglich einstellen“, so Leander Sukov, der für Writers-in-Exile zuständige Vizepräsident des Zentrums.

Schon nach dem Freispruch im vergangenen Jahr hatte Aslı Erdoğan gesagt: „Ich vertraue ihnen nicht. Sie können mich jederzeit wieder anklagen. Sie haben es auch bei anderen getan.“ Mit dieser Einschätzung hat sie richtig gelegen. Die Verfolgung ist nicht zu Ende. Aslı Erdoğan war im August 2016 im Rahmen einer Verhaftungswelle des Regimes inhaftiert worden und konnte im September 2017 das Land verlassen. Immer wieder ist es in den vergangenen Jahren nötig gewesen, sie wegen Bedrohungen durch türkische Nationalisten unter Polizeischutz zu stellen.

Das deutsche PEN-Zentrum erwartet von der Bundesregierung, insbesondere vom Auswärtigen Amt, deutliche Reaktionen, nicht nur in diesem Fall. „Die Praxis, mit staatlichen türkischen Stellen so zusammenzuarbeiten wie mit solchen aus demokratischen europäischen Ländern, muss endlich aufhören“, sagt Sukov.

Aslı Erdoğan ist Autorin von acht Büchern, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Auf Deutsch erschienen zuletzt ihre politischen Essays „Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch“ (Knaus) und der Roman „Das Haus aus Stein“ (Penguin). „Die Willkür und die erneute Anklageandrohung gegen Asli Erdoğan, die für so viele Verfolgte steht, deren Namen wir nicht kennen, ist unerträglich. Lesen wir Asli Erdoğans Texte und hören wir nicht auf darüber zu sprechen, was Exil und Verfolgung bedeuten, auf diese Weise können wir Asli Erdoğans eindringliches Eintreten für Meinungsfreiheit und gegen staatliche Gewalt unterstützen“, so Penguin-Verlegerin Britta Egetemeier.

Aslı Erdoğan ist zurzeit Stipendiatin im Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN-Zentrums. Das Programm wird vollständig aus Mitteln der Beauftragten für Kultur und Medien bei der Bundeskanzlerin finanziert. Die vielfach mit Preisen ausgezeichnete Schriftstellerin erhielt u.a. den Simone de Beauvoir-Preis und den Vaclav-Havel-Preis.

Pressekontakt:
Susann Franke
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 26; Fax.: 06151/293414
E-Mail: s.franke [at] pen-deutschland [dot] de

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

11.07.2021 - 11.07.2021; 15:00 Uhr – SUMMERlife-Programm mit großer Lesungsaktion in Kamen

Yamen Hussein Foto Camilla Ackermann

Yamen Hussein
Foto: © Camilla Ackermann

Eine große Literaturveranstaltung mit prominenten Autorinnen und Autoren plant der Verein „Kamener Literaturcafé“ um den Lyriker Bernhard Büscher zusammen mit dem Kulturbüro der Stadt Kamen im städtischen Sommerkultur-Programm SUMMERlife. Drei Lesungen an einem Nachmittag sollen in den großen Kirchen am 11. Juli, zwischen 15 Uhr und 17.30 Uhr stattfinden. Mit dabei sein wird Tanja Kinkel, Schriftstellerin und Mitglied des deutschen PEN, deren Romanverfilmung „Der Puppenspieler“ erst kürzlich im Fernsehen lief. Gemeinsam mit dem verfolgten syrischen Autor Yamen Hussein wird sie in der katholischen Kirche (Heilige Familie) lesen. Yamen wurde aufgrund seiner Berichterstattungen über die Repressionen gegen die Medien in Syrien verhaftet. Er schreibt Gedichte und sagt: „Ich schreibe Gedichte über alles, nicht nur über Syrien und über Flüchtlinge. Für mich ist das der Weg, um Hoffnung zu stiften.“ 2014 floh er nach Deutschland, wo er in das „Writers in Exile“-Programm des deutschen PEN kam. Sein neuester Gedichtband „Nachruf auf die Leere“ ist 2021 erschienen. Aus dem Programm für verfolgte Autorinnen und Autoren wird auch die russische Dichterin, Librettistin und Autorin Anzhelina Polonskaya n der Lutherkirche mit dem Kamener Autor und PEN-Generalsekretär Heinrich Peuckmann lesen, der seine neuen Bücher vorstellen wird.

Anzhelina Polonskaya
© Oliver Lückmann

In der Pauluskirche wird der Schriftsteller Jürgen Jankofsky lesen. Jankofsky hat Erzählungen, Romane und Kinderbücher geschrieben, die in mehreren Sprachen übersetzt wurden, und ist ebenfalls Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Er hat mehr als 50 Bücher veröffentlicht. Er wird zusammen mit der Kamenerin Bilitis Naujoks lesen, deren Gedichte derzeit auch überregional auf sich aufmerksam machen. Zuletzt erhielt sie Einladungen zu Lesungen nach Leipzig. Ein Lyrikband von ihr wird bald als E-Book erscheinen.

Abgerundet wird das Programm von den Musikern Ina Herkenhof (Querflöte), Rüdiger Wilke (Saxophon) und Gregor Hennesbach (Gitarre).

 

 

Die Übersetzungen der „Writers in Exile“-Autoren wird Brigitte Ditz-Büscher lesen.

Wie bei allen Veranstaltungen in den kommenden Monaten wird es von den pandemischen Verhältnissen abhängig sein, wieviele Besucher eingelassen werden können und unter welchen Voraussetzungen der Einlass möglich ist. Vorsorglich weist das Kulturbüro darauf hin, dass Interessierte gültige Dokumente wie Impfausweis oder Schnelltest mitbringen sollten. Die zwecks Nachverfolgung erforderlichen Kontaktdaten können vor Ort schriftlich hinterlegt werden, es steht jedoch auch die Registrierung über die Luca-App zur Verfügung. Diese sollte im Vorfeld auf dem Handy installiert werden.

Franz Norbert Mennemeier (1924-2021)

Es erreicht uns die traurige Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied Franz Norbert Mennemeier am 13. Juni verstorben ist.

Franz Norbert Mennemeier (Lizenz: CC BY-SA 3.0, www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>)

Er lehrte an  den Universitäten Braunschweig, Berlin und Mainz Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und verfasste Standardwerke zur frühromantischen Ästhetik, zum modernen deutschen Drama, zur Lyrik Bertolt Brechts und über die Literatur der Jahrhundertwende, die er in einem gesamteuropäischen Kontext beleuchtete.

Einem breiteren Publikum wurde er als Kritiker bei der FAZ bekannt. Des weiteren schrieb er teilweise autobiographische Romane, darunter zuletzt „Das Schwerste ist der Schmetterling“ (2013).

 

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Für das PEN-Zentrum Deutschland e.V.:

Jürgen Strasser

220 Übergriffe auf Autorinnen und Autoren: PEN veröffentlicht weltweite Caselist 2020

Pressemitteilung, Darmstadt, 26. Mai 2021. Das deutsche PEN-Zentrum hat die Caselist des PEN International, seiner internationalen Dachorganisation, für das letzte Jahr veröffentlicht. Die Statistik verzeichnet 220 aktualisierte Übergriffe auf Schriftsteller, Journalistinnen und Verleger und wirft ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten, mit denen Autorinnen und Autoren aufgrund der Pandemie konfrontiert werden, wenn sie sich unvoreingenommen äußern wollen.

„Viele Regierungen haben die Pandemie genutzt, um strengere Kontrollen und Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten durchzusetzen, Kritiker wurden unterdrückt, Journalistinnen an ihrer Arbeit gehindert. Unter dem Deckmantel von COVID-19-Vorschriften nahmen die Restriktionen leider weltweit zu“, erklärt Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN.

Neben neuen Fällen finden sich in der diesjährigen Statistik auch Schicksale akut bedrohter Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die sich jahrzehntelanger Justizwillkür ausgesetzt sehen. In der Türkei laufen noch immer Gerichtsverfahren gegen mehrere Autorinnen und Autoren sowie über 40 Journalistinnen und Journalisten, die zwischen 2009 und 2010 verhaftet wurden, und nach Jahren in Haft auf Bewährung freigelassen wurden. Ein Ende dieser Prozesse ist nicht abzusehen. In Eritrea sind fünf Schriftstellerinnen und Schriftsteller, deren Verbleib unbekannt ist, seit 2001 inhaftiert.

Während im letzten Jahr keine Autoren in Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet wurden, gehen die Morde an Journalistinnen und Journalisten weiter. Nach Angaben des Committees to Protect Journalists (CPJ) wurden 22 Medienschaffende aufgrund ihrer Berichterstattung umgebracht und somit doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Mexiko und Afghanistan gehören weltweit zu den gefährlichsten Ländern für Journalistinnen und Journalisten.

44 Schriftstellerinnen wurden inhaftiert, vor Gericht gestellt, angegriffen oder bedroht, da sie gegen Menschenrechtsverletzungen protestierten, Korruption aufdeckten, ihre Regierungen kritisierten oder die Rechte von Minderheiten verteidigten. So ist die Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Golrokh Ebrahimi Iraee unter miserablen Bedingungen in einem iranischen Gefängnis inhaftiert, weil sie in einer unveröffentlichten Kurzgeschichte die Steinigung einer Frau schildert. In Brasilien recherchierte die Schriftstellerin Patrícia Campos Mello über eine mögliche illegale Finanzierung der Wahlkampagne des Präsidenten Jair Bolsonaro, woraufhin ihr unterstellt wurde, sexuelle Dienstleistungen für Informationen anzubieten. Das feministische Künstlerinnenkollektiv LasTesis aus Chile arbeitete mit der russischen Punkband Pussy Riot für eine Videoproduktion zusammen, in der Polizeigewalt, die Zunahme von häuslicher Gewalt aufgrund der Pandemie sowie soziale Ungleichheiten angeprangert werden. Die chilenischen Behörden erstatteten infolgedessen Anzeige wegen angeblicher Hetze und warfen den Künstlerinnen vor, zur Gewalt gegen die Polizei auszurufen.

Die vollständige Caselist, welche jährlich die Informationen zu aktuellen Fällen bündelt und aktualisiert, mitsamt Länderberichten, Informationen zur Writers-in-Prison-Arbeit des PEN sowie der weltweiten Situation der Meinungsfreiheit ist abrufbar auf der Internetseite des deutschen PEN unter www.pen-deutschland.de/wp-content/uploads/2021/05/PEN-Case-List-2020.pdf.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.