Im Musiktheater über Kriege und Krisen nachdenken

Astrid Vehstedt
Foto: Claudia Gudrian

In vielen Ländern bringt die politische Lage Autorinnen und Autoren in Gefahr und zwingt sie, ihre Heimat zu verlassen. Astrid Vehstedt, Vizepräsidentin des deutschen PEN und zuständig für das „Writers in Exile“ Programm des PEN-Zentrums Deutschland, berichtete im rbb-Kultur-Gespräch über ihre Arbeit und den Einsatz des PEN für bedrohte Schriftstellerinnen und Schriftsteller auf der ganzen Welt.

Das Writers-in-Exile-Programm ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Autorinnen und Autoren, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird. Seit 1999 sind mehr als sechzig Literatinnen und Literaten Stipendiaten dieses Exil-Programmes gewesen. Bis zu drei Jahre stellt das deutsche PEN-Zentrum verfolgten Autorinnen und Autoren eine möblierte Wohnung zur Verfügung, dazu ein monatliches Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Verlegerinnen und Verlegern in ihrer Umgebung.

Das deutsche PEN-Zentrum gratuliert zum Friedensnobelpreis

Darmstadt, 8.10.2022. PEN Deutschland gratuliert dem belarussischen Politiker und Anwalt Ales Bjaljatzki, der ukrainische Organisation „Center for Civil Liberties“ und „Memorial“ in Russland zum Friedensnobelpreis. Schon 2008 hatten der deutsche PEN und das Land Hessen die russische Menschenrechtsorganisation mit dem Hermann-Kesten-Preis geehrt. In Zeiten des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, der Autokratie in Belarus und der Repressionen gegen „Memorial“, ist die gemeinsame Auszeichnung jetzt eine weise Entscheidung des Nobelpreis-Komitees.

Seit ihrer Gründung durch Andrej Sacharow widmet sich „Memorial“ den Opfern des Stalinismus und der staatlichen Willkür in der Sowjetunion, erforscht ihre Lebensumstände im Gefängnis und im Gulag, versucht, die Namen und Biographien der anonymen Toten zu ermitteln, und sammelt ihre Hinterlassenschaften für den Aufbau eines repräsentativen Museums. All das ist ein unschätzbarer Beitrag zur demokratischen Kultur des Landes. 2008 hieß es: „Das PEN-Zentrum Deutschland würdigt mit dem Hermann-Kesten-Preis eine herausragende Institution für die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Russland, für ihre Unbeirrbarkeit und ihre Zuversicht bei der Durchsetzung der Menschenrechte.“

Nun wurden die Menschenrechtsaktivisten mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das Komitee wolle mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis „drei herausragende Vorkämpfer für Menschenrechte, Demokratie und friedliche Koexistenz in den drei Nachbarländern Belarus, Russland und der Ukraine ehren“, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen. „Memorial“ werde insbesondere für ihr Engagement gegen Militarismus und für ihren Einsatz für Menschenrechte ausgezeichnet, hieß es in der Erklärung weiter.

Im vergangenen Jahr wurde „Memorial“ in Russland verboten. Fast zeitgleich mit der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises wurden nun die Räume des Menschenrechtszentrums in Moskau beschlagnahmt. Die Arbeit solle trotz des Drucks der Behörden „unter allen Umständen“ weitergehen, teilte „Memorial“ mit. Mitgründerin Irina Scherbakowa sieht im diesjährigen Friedensnobelpreis ein wichtiges Signal für die Menschen in Russland, die dem Putin-Regime und seinem Ukraine-Krieg kritisch gegenüberstehen

PEN-Zentren in aller Welt haben sich vor wenigen Tagen, auf der 88. PEN-Jahrestagung im schwedischen Uppsala, erneut mit der Ukraine solidarisch erklärt und forderten in einer gemeinsamen Resolution Russland dazu auf, den Krieg und das Blutvergießen zu beenden. Das PEN-Zentrum Deutschland bietet „Writers in Exile“, auch aus der Ukraine und Belarus, Zuflucht.

Burhan Sönmez, der Präsident des PEN International, verwies auf das Engagement des PEN weltweit für den Preisträger aus Belarus und erklärte: „Die PEN Gemeinschaft kämpft für Ales Bjaljatski, seit er im Juli 2021 verhaftet wurde. Heute fordern wir die Obrigkeit in Belarus noch einmal dringend auf, ihn sofort freizulassen und alle Anklagen gegen ihn bedingungslos fallen zu lassen. Zum wiederholten Mal erklären wir unsere Solidarität mit den mutigen Bürgern von Belarus, die ihren Kampf um Menschenrechte fortsetzen, ungeachtet aller unerbittlichen Aktionen der Regierung, jeden Widerspruch zu brechen“.

Im Namen des deutschen PEN-Zentrums

Cornelia Zetzsche
Writers in Prison Beaufragte

Umar Abdul Nasser: Halb Vogel bin ich, halb Baum

Wir freuen uns über die Neuerscheinung unseres Writers-in-Exile-Stipendiaten Umar Abdul Nasser: Der Lyrikband „Halb Vogel bin ich, halb Baum“ (Verlag Schiler & Mücke) vereint auf 157 Seiten Gedichte auf Arabisch und in deutscher Übersetzung.

Die Gedichte entstanden in ver­schiedenen Städten und zu ver­schiedenen Zeiten, in Mossul, in Bagdad, Wrocław, Weimar und Berlin, unter widersprüchlichen Umständen. Einmal unter den Bedingungen des Krieges und der Bombardierung, unter der Belagerung und Kontrolle des IS, und dann in Zeiten des Friedens und der Frei­heit. So bewegen sich die Gedichte zwischen den Gefüh­len von Freude und Trau­rig­keit, zwischen Liebe und Wut, Hoff­nung und Rückschlägen, Angst, Kämpfen und Lächeln.

Umar Abdul Nasser ist ein irakischer Dichter und Filmemacher. Er lebte mehr als zwei Jahre lang im Versteck vor dem IS, bevor er es schaffte, das Land für einen Stipendien-Aufenthalt bei ICORN in Breslau im Jahr 2016 zu verlassen. Seine Gedichte reflektieren die Themen Frieden und Freiheit. Von Juli 2019 bis Juni 2022 war Abdul Nasser Stipendiat des gemeinsamen Stipendienplatzes des PEN-Programms „Writers in Exile“, anfangs als Gast des Vereins „Weimar – Stadt der Zuflucht“. Umar Abdul Nasser lebt und arbeitet heute überwiegend in Berlin. Gemeinsam mit Musiker*innen verknüpft er Poesie und Weltmusik in Performances.

Der refugio Stuttgart e.V. lädt gleich zweifach zu einer solchen Performances ein:

Donnerstag, 13. Oktober 2022, um 19.00 Uhr im refugio stuttgart e.v., Waiblinger Str. 12, 70372 Stuttgart.

Freitag, 14. Oktober, 20.00 Uhr im Club Voltaire, Haaggasse 26 B, 72070 Tübingen.

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

 

Der deutsche PEN auf der Frankfurter Buchmesse 2022 in Halle 4.0, Stand G 82

Sie finden den Stand des deutschen PEN auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (19.-23.10.) in Halle 4.0, G 82, wo wir Sie gerne über das Writers in Exile-Programm und die Writers-in-Prison-Arbeit informieren.

Eckdaten und Informationen zu Lesungen und Podiumsdiskussionen des PEN in Frankfurt u.a. mit Stipendiatinnen und Stipendiaten aus unserem Writers-in-Exile-Programm geben wir rechtzeitig an dieser Stelle bekannt.

Wahlen beim Internationalen PEN-Kongress 2022 in Uppsala

Regula Venske Foto: © Michael Zapf

Regula Venske
(Foto: © Michael Zapf)

Ehemalige Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland Regula Venske wird Generalsekretärin von PEN International

Pressemitteilung, Darmstadt, 4. Oktober 2022. Auf dem 88. Internationalen PEN-Kongress, der vom 27.-30. September in Uppsala, Schweden, stattfand, wurde die ehemalige deutsche PEN-Präsidentin Regula Venske mit überwältigender Mehrheit zur neuen Generalsekretärin des Internationalen PEN gewählt.

Venske war von 2013-2017 Generalsekretärin, anschließend von Mai 2017 bis Oktober 2021 Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland. Seit 2015 war sie zudem Mitglied des Boards von PEN International.

„In einer Zeit, in der im Osten Europas ein brutaler Angriffskrieg geführt wird, mit drohender Gefahr einer Eskalation, und im Westen Europas der Faschismus vom Norden bis zum Süden erstarkt, in einer Welt, in der die Menschenrechte in so vielen Ländern mit Füßen getreten und Demokratie und Meinungsfreiheit unterdrückt werden, ist der PEN nötiger denn je“, so Venske. „Auch wir werden jenen noblen Tag, den einst Arthur Miller beschwor: den Tag, an dem der internationale PEN überflüssig werde, wohl nicht erleben. Aber wir kämpfen gemeinsam dafür. We are all in this struggle together.“

Auch ihren Mitbewerber um das Amt, Ostap Slyvynski vom PEN Ukraine, sprach Venske hier an und bat ihn um enge Zusammenarbeit.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

16.10.2022, 19 Uhr – „Putins grausamer Krieg und kein Ende?“ – Lesung und Gespräch in der Münchener Seidlvilla

Vera Botterbusch
Foto: Thorsten Jordan

Begrüßung und Moderation: Ulrich Chaussy
Lesung: Vera Botterbusch, Schriftstellerin und ehemaliges Präsidiumsmitglied des deutschen PEN

Erich Schmidt-Eenboom, Leiter des Forschungsinstituts für Friedenspolitik e.V. in Weilheim und Mitglied des deutschen PEN, wird in einem Vortrag die Vorgeschichte des russischen Angriffskriegs beleuchten, die russischen Kriegsziele, die Propagandaschlacht, das Scheitern des Blitzkriegs gegen Kiew und die Ursachen auf russischer und ukrainischer Seite, den blutigen Kampf um den Donbass und die Art und Entwicklung der westlichen Militärhilfe. Zur Sprache wird auch die Forderung nach einer Flugverbotszone und die Gefahr einer nuklearen Eskalation kommen. Zudem spricht der Referent über die nachrichtendienstlichen Aktivitäten des Westens und die geopolitische Neuordnung nach dem Ende des Kriegs.

Eintritt frei, um Spenden für das PEN Zentrum Deutschland wird gebeten.

Eine Veranstaltung der Seidlvilla

Urteil gegen Tsitsi Dangarembga

Tsitsi Dangarembga
Foto: © Cornelia Zetzsche

Harare: Tsitsi Dangarembga zu 70 000 ZWL$ und 6 Monaten Bewährung verurteilt

Pressemitteilung, Darmstadt, 30. September 2022. Julie Barnes und Tsitsi Dangarembga hätten in der Öffentlichkeit zu Gewalt aufgerufen, entschied das Antikorruptionsgericht am 29. September in Harare, nach über zwei Jahren und 32 Verhandlungstagen. Ein Urteil dafür, dass die beiden Frauen am 31. Juli 2020 mit Sandwich-Plakaten durch Harares Straßen liefen und ruhig und friedlich für ein besseres Simbabwe, für Reformen und für die Freilassung des renommierten Investigativ-Journalisten Hopewell Chin’ono demonstriert hatten.

„Das Urteil des Antikorruptionsgerichts missachtet die Meinungsfreiheit, ein universales Grundrecht, das die Verfassung von Simbabwe garantiert und das unveräußerlich ist. Wir stehen zu Tsitsi Dangarembga und Julie Barnes und fordern die Justiz in Simbabwe dringend dazu auf, geltendes Recht zu respektieren und die Regeln der Rechtsstaatlichkeit zu achten“, sagte Cornelia Zetzsche, Vizepräsidentin und Writers in Prison Beauftragte des deutschen PEN-Zentrums. „Das Urteil kam nicht überraschend, aber der gesamte Prozess mit Falschaussagen und gefälschten Beweisen und einem Antikorruptions-Gericht, das direkt dem Präsidenten untersteht, verstößt gegen alle Prinzipien einer unabhängigen Justiz.“

Am 29. September ließ die Richterin die Angeklagten und Prozessbeobachter stundenlang warten, als hoffe sie, das Presseaufgebot vor Gericht ließe nach, dann folgte sie dem Antrag der Staatsanwaltschaft und sprach beide Frauen schuldig:

70 000 ZWL$ und sechs Monate Bewährung, ausgesetzt auf fünf Jahre, in denen ihnen politische Demonstrationen dieser Art praktisch unmöglich gemacht werden. „Dieses Urteil ist erneut ein Beispiel dafür, wie Präsident Emmerson Mnangagwa seine Kritiker vor den Wahlen 2023 zum Schweigen bringt“, sagte Cornelia Zetzsche. Schon die Verhaftung am 31. Juli 2020 und die Nacht im Gefängnis verstießen gegen geltendes Recht.

Zusammen mit dem PEN-Präsidenten von Simbabwe, Elisha July, mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, mit Tsitsi Dangarembgas Verlagen und anderen Partnern, hat das deutsche PEN-Zentrum die Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels unumwunden unterstützt, auch mit der Prozessbeobachtung vor Ort und mit einer Spendenaktion, bei der in nur acht Tagen die 15000 € zur Deckung der Prozesskosten gesammelt werden konnten. Auch jetzt erklärt sich der deutsche PEN solidarisch mit Tsitsi Dangarembga, im Sinne der Meinungsfreiheit und des Demonstrationsrechts. Wenn, und das ist zu erwarten, Tsitsi Dangarembga gegen das Urteil Berufung einlegt, wird sie auch künftig Unterstützung brauchen.

Im Namen des deutschen PEN-Zentrums

Cornelia Zetzsche
Vizepräsidentin und Writers in Prison Beauftragte

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

PEN-Mitgliederversammlung in Darmstadt (13.10.)

Wahl des PEN-Präsidiums und Zuwahlen neuer Mitglieder im Wissenschafts- und Kongresszentrum darmstadtium

Pressemitteilung, Darmstadt, 29. September 2022. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die am 13.10. im darmstadtium (Schloßgraben 1, 64283 Darmstadt) stattfindet (Beginn: 9 Uhr), wählt das deutsche PEN-Zentrum ein neues Präsidium und nimmt neue Mitglieder auf. PEN-Interimspräsident Josef Haslinger, der das Amt im Mai übernommen hatte, stellt sich nicht mehr zur Wahl.

In der nicht-öffentlichen Mitgliederversammlung diskutieren die Mitglieder des PEN Anträge, verabschieden eingebrachte Resolutionen und debattieren über die Schwerpunkte der künftigen Arbeit. Im Anschluss stellen wir Ihnen die Ergebnisse der Präsidiumswahlen zur Verfügung.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Claudia Guderian
Generalsekretärin

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

Eröffnungsrede von Burhan Sönmez, Präsident des PEN International, zum internationalen PEN-Kongress 2022 in Uppsala/Schweden

Tuesday, 27 September 2022

Uppsala, Sweden

Burhan Sonmez

Good morning,

Welcome to the Congress of PEN International at the beginning of its second century that is also the centennial of Swedish PEN.

Now, we are in a time where, like everything else, names are corrupted and misused.

Let’s call things by their names. A poet cannot be called crazy just because she has gone beyond your reality. She is a free spirit, like Anne Sexton. A novelist cannot be declared a demon just because he wrote things that don’t fit your opinion. He is a respected writer, like Salman Rushdie. A journalist cannot be called a foreign agent because he’s revealing the facts. He is an independent journalist, like Dmitry Muratov. Just because someone with a different sexual orientation is not like you, they cannot be described as a deviant. They are an honorable person, like Oscar Wilde.

Truth begins with names and words.

For 100 + 1 year we have been promoting this as defending freedom of expression for everyone and everywhere.

We have been saving lives, thanks to your effort, your solidarity and your sublime spirit.

Only last year we undertook the biggest relocation operation of our history and brought to safety many writers and their families from Afghanistan, Belarus, Nicaragua, Uganda and beyond.

Now we are more organised, and more effective with 150 PEN centres in more than a hundred countries. We help more than a scores of authors every year, we take on their cases, and establish a global network of solidarity with our committees and PEN centres on different continents.

While we have had power to rescue many people like Arthur Koestler or Wole Soyinka, there have been cases that our power was not enough as we couldn’t come to the help of Lorca in Spain in 1936.

Federico Garcia Lorca was a poet. He still speaks to us in his poems and tells us:

If I die, / leave the balcony open. // The little boy is eating oranges. / (From my balcony I can see him.) // The farmer is harvesting the wheat. / (From my balcony I can hear him.) // If I die, / leave the balcony open!”

I wish Lorca knew that our balcony is open. We have been leaving it open for a long time. From the balcony we see Ukraine, Chiapas, Cuba, Armenia, Palestine, Yemen, Eritrea, India, Myanmar, and we see black people, indigenous women, and poor children. From the balcony we see imprisoned writers and journalists.

History is said to be the best teacher, but people don’t seem to be the best students.

In the twenty-first century, nationalism is rising again, erecting new walls between societies and bigotry is becoming the favourite tool in responding to the problems of our time. Populist ideas are gaining ground in every continent, especially Europe.

When we look at today’s social media networks and the amount of information for propaganda, we see how the truth can be blurred and replaced by the invasion of fake news. Many people and institutions become a voluntary part of this process, spreading lies and conspiracy theories, and almost greedily destroying what we call truth.

Today we need information democracy.

We have always emphasised that freedom of expression does not mean insulting others but showing that other opinions are possible. If you don’t agree with this, simply bring another opinion forward -no need to resort to hate speech or violence.

When PEN International was founded in 1921, the ideals of its founders were simple. They wanted to establish cultural relationships in a world where hatred was dividing nations. Since then we have been defending the mutual respect and dialogue of people.

That is why, the third paragraph of PEN International’s Charter stated that “Members of PEN should at all times use what influence they have in favour of good understanding and mutual respect between nations and people; they pledge themselves to do their utmost to dispel all hatreds and to champion the ideal of one humanity living in peace and equality in one world.

This is our ultimate dream: one humanity living in peace and equality.

This seemingly simple dream looks like a utopia in the strange world we live in.

Let’s remember Lorca’s open balcony from where we could see not only worrying incidents but also beautiful and happy things.

From the open balcony, we could see people dancing, lovers kissing, and workers returning home happy. We could see a world at peace; a world where everyone sings a song in their neighbour’s language and all writers are free.

With the hope of making this view of the open balcony real, we work tirelessly.

At a time when bad news is spreading all over the world and we are blinded by pessimistic views, I believe that our job is to raise hope. Literature is hope, and PEN International is the house of hope.

We have completed our first century with honor and pride. I wish you a magnificent second century and

Thanks to all of you for promoting and supporting this historic mission.

Thank you.

 

 

Zur Verfügung gestellt von PEN Internaiional

Brennpunkt Türkei: Freilassung gefordert

Selahattin Demirtaş Quelle: Social Media

PEN-Zentrum Deutschland und PEN International fordern Aufhebung der Urteile gegen die kurdisch-türkischen Autoren Selahattin Demirtaş, Nedim Türfent und Gulgeş Deryaspî

Pressemitteilung, Darmstadt, 27.September 2022. Vor fast zwei Jahren wurde PEN-Mitglied und Schriftstellerin Gulgeş Deryaspî wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ihre Berufung vor dem Kassationsgerichtshof der Türkei ist noch anhängig. PEN Deutschland und PEN International sind der Ansicht, dass Gulgeş Deryaspî wegen ihrer Schriften zur Förderung der kurdischen Sprache und Kultur verfolgt wird, und fordern erneut die Aufhebung ihres Urteils.

Gulgeş Deryaspî wurde am 25. Juli 2019 bei einer der Razzien in der Provinz Bitlis in der Osttürkei festgenommen, wo auch acht weitere Personen in Haft kamen. Sie wurde am 29. Juli 2019 formell wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ angeklagt und in das geschlossene Gefängnis Bitlis Typ E eingewiesen. Sie bestreitet jegliches Fehlverhalten. Am 4. Februar 2020 fand die erste Anhörung statt; am 30. März 2020 wurde sie, im Rahmen von Bemühungen der türkischen Behörden, Ausbrüche von COVID-19 in den überfüllten Gefängnissen des Landes zu verhindern, aus der Untersuchungshaft entlassen. Am 3. Dezember 2020 wurde Gulgeş Deryaspî zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Ihre Anwälte legten am 28. Februar 2021 offiziell Berufung ein. Das Urteil über ihre Berufung steht noch aus.

Gulgeç Akdeniz – Künstlername Gulgeş Deryaspî – wurde 1978 geboren und studierte kurdische Sprache und Kultur an der Muş-Universität im Osten der Türkei. Sie veröffentlichte drei Romane in kurdischer Sprache. Tariya Bi Tav (Dunkelheit mit Sonnenschein) von 2010, schildert das Leben in kurdischen Dörfern und erforscht das Phänomen kultureller Entfremdung. Xezal (Gazelle) von 2013 schildert den Widerstand einer Frau gegen das Patriarchat und staatliche Unterdrückung. Ez Ne Ezim (Ich bin nicht, wer ich bin) von 2018, untersucht existenzielle und philosophische Fragen. Seit 2013 ist Gulgeş Deryaspî Mitglied des kurdischen PEN.

Die kurdische Kultur und Sprache werden in der Türkei nach wie vor massiv unterdrückt. Viele kurdische Journalisten sitzen wegen angeblicher Terrorakte hinter Gittern, darunter der Dichter, Journalist und PEN-Ehrenmitglied Nedim Türfent mit einer Haftstrafe von acht Jahren und neun Monaten. Selahattin Demirtaş, der Oppositionspolitiker der prokurdischen Demokratischen Volkspartei (HDP), der im Hochsicherheitstrakt zum Schriftsteller wurde, wird seit November 2016 festgehalten, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zweimal seine sofortige Freilassung forderte. Demirtaş droht eine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung.

Aus dem Gefängnis schickte Selahattin Demirtaş, Ehrenmitglied des deutschen PEN, ein Foto von sich mit geschorenem Kopf und eine Solidaritätserklärung an kurdische und iranische Frauen, die nach dem Tod von Mahsa (Jina) Amini und trotz der Polizei-Attacken auf Demonstrant*innen mutig protestieren.

Bitte richten Sie Appelle an die türkischen Behörden:

Fordern Sie die Aufhebung der Verurteilung von Gulgeş Deryaspî und die Freilassung von Selahattin Demirtaş und Nedim Türfent.

Fordern Sie ein Ende der Verfolgung und Inhaftierung von Journalisten und Schriftstellern allein aufgrund ihrer Texte oder ihrer angeblichen Zugehörigkeit zu einer terroristischen Organisation.

Fordern Sie die Freilassung aller Personen, die wegen friedlicher Meinungsäußerung inhaftiert sind.

Fordern Sie, das Recht des kurdischen Volkes zu respektieren, seine eigene Sprache und Kultur zu sprechen und zu fördern.

Senden Sie Appelle an den Justizminister der Türkei

Bekir Bozdağ
Justizministerium
Adalet Bakanlığı, 06659 Ankara, Türkiye
Kontakt: info [at] adalet.gov [dot] tr

Schicken Sie Kopien an den Botschafter der Türkei in Deutschland:
Ahmet Başar Şen
Tiergartenstraße 19-21, 10785 Berlin

Und an die deutsche Außenministerin
Annalena Baerbock
Werderscher Markt 1
10117 Berlin
Postanschrift: 11013 Berlin

Im Namen des PEN-Zentrums Deutschland

Cornelia Zetzsche
Vizepräsidentin und Writers in Prison Beauftragte

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de