Deutscher PEN schreibt Lyrikpreis aus

Pressemitteilung, Darmstadt, 9. Juli 2019. Das PEN-Zentrum Deutschland schreibt den Kurt Sigel-Lyrikpreis 2020 aus. Er wird an eine/n Lyriker/in für Gedichte von hoher ästhetischer Qualität verliehen und ist mit € 4.000 dotiert. Stifter des Preises ist der Frankfurter Schriftsteller Kurt Sigel, der sich als Autor von Romanen, Erzählungen, Gedichtbänden sowie von Büchern in hessischer Mundart, die er teilweise mit eigenen Zeichnungen und Cartoons illustrierte, einen Namen gemacht hat. Kurt Sigel ist seit 1974 Mitglied im deutschen PEN.

Einsendeschluss für den Kurt Sigel-Lyrikpreis 2020 ist der 15. Oktober 2019. Die Ausschreibungsbedingungen finden sich auf der Homepage des PEN unter www.bit.ly/2NIhnr7. Hierzu gehört als Voraussetzung, einen eigenständigen Gedichtband in einem Verlag veröffentlicht zu haben, der von den Autoren keine Kostenzuschüsse verlangt.

Der Kurt Sigel-Lyrikpreis wurde 2016 im Rahmen der PEN-Jahrestagung in Bamberg erstmals an den Lyriker Daniel Falb verliehen. 2018 wurde die Dichterin Dorothea Grünzweig ausgezeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre ausgeschrieben.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Heinrich Peuckmann
Generalsekretär

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Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/23120; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: presse [at] pen-deutschland [dot] de

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

20 Jahre Writers-in-Exile Programm des deutschen PEN — Einsatz für verfolgte Autorinnen und Autoren notwendiger denn je

Pressemitteilung, Darmstadt, 1. Juli 2019. Zum 20. Jahrestag des Writers-in-Exile (WiE) Programms erinnert das PEN-Zentrum Deutschland an die prekäre Lage vieler Autorinnen und Autoren auf der ganzen Welt. Mit ihrem Exilprogramm bietet die Schriftstellervereinigung in Deutschland seit zwei Jahrzehnten Schutz für bedrohte und verfolgte Kolleginnen und Kollegen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte: „Mit der Finanzierung dieses Programms setzt der Bund ein deutliches Zeichen für die Freiheit der Kunst und für die Freiheit des Wortes. Angesichts der zunehmend eingeschränkten Meinungsfreiheit und vielfacher Zensur in weiten Teilen der Welt – selbst in Europa – ist diese Freiheit jedoch vielerorts in Gefahr. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir verfolgten Schriftstellerinnen und Schriftstellern zumindest vorübergehend eine Zuflucht in Deutschland bieten und ihnen die künstlerischen Freiheiten eröffnen, die es in ihren Heimatländern nicht mehr gibt oder noch nie gab.“

Vizepräsident und Writers-in-Exile Beauftragter des PEN, Leander Sukov, fügte hinzu: „Auf allen Kontinenten werden Autorinnen und Autoren verfolgt. Das ist eine schreckliche Tatsache, die zugleich ein niederschmetterndes Urteil über die Verfassung so vieler Staaten darstellt. Und wir müssen bei aller Anstrengung auch feststellen: Der Schrecken vergrößert sich. Immer mehr Intellektuelle werden weltweit in die Diaspora getrieben. Unser Ziel ist, ihnen hier eine Umgebung zu schaffen, in der sie sichtbar sind und produktiv in Sicherheit arbeiten können.“

Gemeinsam mit dem damaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann hat der deutsche PEN das WiE Programm 1999 aus der Taufe gehoben, es bietet verfolgten Schriftstellerinnen und Schriftstellern Schutz und wird von der Bundesregierung finanziert. Najet Adouani, Swetlana Alexijewitsch (Literaturnobelpreisträgerin 2015), Zaza Burchuladze, Yamen Hussein, Maynat Kurbanova, Itai Mushekwe, Ana Lilia Pérez, Pınar Selek, Amir Valle und Zhou Qing zählen zu den mittlerweile über 50 Autorinnen und Autoren, die Stipendiatinnen oder Stipendiaten waren. Naumann begründete das besondere Engagement damit, dass es für uns in Deutschland eben auch darum gehe, einen Teil jener „Dankesschuld“ abzutragen, die sich aus der Tatsache herleite, dass während der Nazi-Diktatur so viele deutsche Intellektuelle in anderen Ländern Aufnahme fanden. Die geflüchteten Schriftstellerinnen und Schriftsteller sollen mithilfe des Exilprogramms in Deutschland die Ruhe und Konzentration finden, um wieder ihrem Beruf, dem Schreiben, nachgehen zu können. Bis zu drei Jahre stellt ihnen das deutsche PEN-Zentrum eine möblierte Wohnung in einer der größeren deutschen Städte zur Verfügung, dazu ein monatlich ausbezahltes Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Redakteurinnen, Verlegern sowie den Kolleginnen und Kollegen in ihrer Umgebung. Der algerische Schriftsteller Hamid Skif (* 1951; † 2011) war der erste Stipendiat, den wir im Juli 1999 begrüßen konnten.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Felix Hille
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
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Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

PEN-Vizepräsident und Writers in Exile-Beauftragter Leander Sukov im Gespräch

Auf der diesjährigen PEN-Jahrestagung in Chemnitz sind Sie zum neuen Vizepräsidenten und Writers in Exile-Beauftragten des PEN gewählt worden. Was hat Sie dazu bewogen, sich nun im PEN-Präsidium verstärkt für die Writers in Exile-Arbeit einzusetzen?

Leander Sukov: Ich stamme aus einer Familie, die mir die konkrete Erfahrung aus der faschistischen Diktatur in Deutschland und der Flucht in die Seele geimpft hat. Und meine Großeltern, meine Mutter, bei denen ich aufwuchs, waren ja nur der für mich greifbare Teil dieser Familie, die seit dem achtzehnten Jahrhundert durch die deutschen Lande, durch Polen auch, geworfen wurde aufgrund von Kriegen und Verfolgung. Für mich ist das Einsetzen für Verfolgte, aber auch gegen die Gründe die zu den Fluchten führen, von elementarer Wichtigkeit. „Wer gibt, dem wird gegeben werden“, pflegte meine Großmutter die Bibel zu zitieren. Und das gilt auch hier. Wer kann schon ausschließen, dass nicht auch wir eines Tages wieder Exil brauchen.

Welche Eigenschaften zeichnen Sie Ihrer Meinung nach aus, um der verantwortungsvollen Writers in Exile-Arbeit gerecht zu werden?

Leander Sukov: Ich arbeite in aller Regel an der Sache, also nicht aus Gründen von Sympathie. Das scheint mir wichtig zu sein. Auf meine solidarische Arbeit müssen sich auch die verlassen können, denen ich vielleicht nicht persönlich oder in ihrer Weltsicht nahestehe. Und man muss stets versuchen, die eurozentrische Brille abzusetzen. Die Welt ist eine Welt.

Welche Akzente möchten Sie in Ihrem neuen Amt setzen?

Leander Sukov: Ich möchte gerne, dass das Werk der Exilierten zur Geltung kommt. Ich bin ihr Kollege. Und so sehe ich mich auch und das Amt an sich. Meine Vorgängerinnen und Vorgänger haben gute, ja hervorragende, Arbeit geleistet. Ich will daran anknüpfen mit meinen Akzenten: Noch mehr Öffentlichkeit, mehr Publikationen, mehr agieren in den Neuen Medien.

Die Themen Ihrer zahlreichen Engagements sind sich häufig ähnlich – wird es schwierig, Themen und Arbeitsgebiete von Ihrer neuen Aufgabe abzugrenzen?

Leander Sukov: Ich will da gar nicht abgrenzen, wo es nicht zwingend notwendig ist. Ich bin beim Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller als stellvertretender Bundesvorsitzender für allgemeine politische Fragen verantwortlich, wenn man so will. Ich bin etwas engagiert bei Writers 4 Future, also in der Unterstützung von Fridays for Future. Das sind doch alles Tätigkeiten, die zusammenhängen. Die Klimakatastrophe wird zu neuen Instabilitäten und neuen Verfolgungen führen. Das ist ein politische Frage. Und sie wird, respektive sie werden, zu der Notwendigkeit führen mehr Exilplätze in den verbleibenden Demokratien anzubieten.

Inwieweit können Ihnen Ihre Engagements, beispielsweise beim Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, bei der PEN-Arbeit helfen?

Leander Sukov: Ich glaube die Freiheit des Wortes, die bürgerlichen Freiheitsrechte, die ja revolutionär erkämpfte Rechte der Citoyens sind, sind auch in Europa in Gefahr, in den USA, in anderen als stabil geltenden Demokratien. Wir können diesen weltweiten Angriff nur in konzertierter Aktion aufhalten. Ich glaube deshalb, dass es Bindeglieder zwischen den Organisationen geben muss. Ich bin nur eines davon.

Was denken Sie, inwieweit Ihr Engagement beim PEN zu Ihrer persönlichen Entwicklung beiträgt?

Leander Sukov: Das will ich doch schwer hoffen. Sonst, befürchte ich, unterhielten Sie sich mit einem Untoten, und dann wäre die Welt von RTL und SAT1 doch die Wirklichkeit.

Was stellt, Ihrer Meinung nach, die größte Herausforderung für die Writers in Exile-Arbeit dar?

Leander Sukov: Den Kolleginnen und Kollegen hier Hoffnung zu geben. Ich stehe oft vor diesen bitteren Biografien und könnte, weil es mir dann das Einzige scheint, was noch getan werden kann, weinen. Wenn ich von den Folterungen höre, von den Zerstörungen, der Drangsalierung der Angehörigen usw. Und weil ich nicht aufhören kann davon getroffen zu sein, dass Arpita Roychoudhury ja in dem Exil hier gestorben ist. Und sie ist ja, was auch immer die Todesart war, an dem Leid gestorben, das sie erfahren hat und das wir ihr nicht leichter machen konnten. Die Hilflosigkeit, ja das Selbstmitleid aufgrund dieser Hilflosigkeit, das ich mir zugestehe, will ich mir bewahren, da mit mir mein Schmerz über ihren Tod nicht verloren geht.

Was wird Ihre erste Amtshandlung als neugewählter Vizepräsident des deutschen PEN-Zentrums sein?

Leander Sukov: Die erste Amtshandlung war, mich in die Whatsapp-Gruppe zu begeben, die die Stipendiat*innen eingerichtet haben. Ich sehe mich eher als Sprecher der Exilierten, als von außen zu ihnen tretender Vertreter einer Administration. Eigentlich sollen die Amtshandlungen gemeinsam geschehen, als kollektive Amtsführung sozusagen.

Der PEN versteht sich als Anwalt des freien Wortes. Wie lässt sich dieser Anspruch Ihrer Ansicht nach konkret umsetzen? Was können die SchriftstellerInnen im PEN leisten, um verfolgten und inhaftierten KollegInnen in deren Heimatländern zu helfen?

Leander Sukov: Schreiben, anklagen, sprechen, anklagen, demonstrieren, anklagen. Immer und immer wieder. Und natürlich die Hand ausstrecken: Mit Hilfe bei der Suche nach Verlagen und Übersetzungen, mit der Herstellung von Öffentlichkeit. Mit dem Fernhalten von den Geschäftsträgern der Diktatoren, Autokraten, Unterdrücker.

Kennen Sie SchriftstellerInnen, JournalistInnen oder RedakteurInnen, die von der Einschränkung der Pressefreiheit betroffen sind? Waren Sie möglicherweise selbst von Einschränkungen und Zensurmaßnahmen vor Ort in einzelnen Ländern betroffen?

Leander Sukov: Ich selbst war nie betroffen, glaube ich. Aber natürlich kenne ich eine Reihe von betroffenen Journalisten und Schriftstellerinnen persönlich.

Sie sind überall bei Social Media vertreten. Welche Möglichkeiten sehen Sie in den Neuen Medien?

Leander Sukov: Kommunikationstechnisch sind die Neuen Medien die größte Innovation seit dem Buchdruck. Sie ermöglichen schnelle Kommunikation und können Wind und Sturm erzeugen. Das gilt für die gute, die demokratische Seite ebenso, wie für die schlechte, die freiheitsbedrohende. Gerade deshalb sollten alle, die dazu in der Lage sind diese Medien benutzen. Sie dienen ja auch der Vernetzung. Die vorige ägyptische Diktatur ist mit Hilfe von Whatsapp, Twitter und Facebook besiegt worden. Und ich will mir gar nicht vorstellen, wie die Diktatur in Türkei oder die Autokratie in Russland agieren würde, wenn nicht wenigstens die Neuen Medien zur Herstellung von Öffentlichkeit in der Lage wären. Wie sehr Diktaturen sie ernst nehmen, sieht man ja am Beispiel von China.

Können auch Menschen, die selbst nicht Mitglied im deutschen PEN sind, die Writers in Exile-Arbeit unterstützen?

Leander Sukov: Oh ja. Wir arbeiten an neuen Konzepten. Das ist alles noch nicht spruchreif. Aber natürlich kann man uns auch jetzt schon unterstützen, z.B. durch Spenden oder die Mitgliedschaft  als Freund und Förderer des PEN.

Sie haben viele Kontakte in die Politik. Wird das Einfluss auf den PEN haben?

Leander Sukov: Ich wünsche mir das umgekehrt. Der PEN soll viel Einfluss auf meine Freundinnen und Freunde in der Politik haben. Ich will gerne hinübertragen, was ich hier mitnehme.

Welche Ziele möchten Sie bis zur Jahrestagung 2020 in Tübingen erreicht haben?

Regionalgruppen für die Arbeit für die Exilierten, ein Theaterstück, das die Stipendiatinnen und Stipendiaten geschrieben haben, und das wir hoffentlich in Tübingen aufführen können, ein Veröffentlichungsfahrplan für neue Bücher mit den Exilierten.

 

Türkei: Prozessauftakt gegen Kavala und 15 weitere Mitglieder der Zivilgesellschaft am Montag (24. Juni) – Einsatz der Bundesregierung gefragt

Türkei: Prozessauftakt gegen Kavala und 15 weitere Mitglieder der Zivilgesellschaft am Montag (24. Juni) – Einsatz der Bundesregierung gefragt

Amnesty International , die Akademie der Künste, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, das KulturForum TürkeiDeutschland, das PEN-Zentrum Deutschland und Reporter ohne Grenzen protestieren gegen die andauernde Inhaftierung der türkischen Menschenrechtsaktivisten Osman Kavala und Yiğit Aksakoğlu und fordern ihre sofortige Freilassung.

PRESSEMITTEILUNG, BERLIN / DARMSTADT, 21.06.2019 – Der 61-jährige Osman Kavala wird seit dem 1. November 2017 im Hochsicherheitsgefängnis Silivri festgehalten; Yiğit Aksakoğlu seit dem 18. November 2018. Die erst 16 Monate nach Kavalas Inhaftierung erstellte Anklageschrift  wurde am 4. März 2019 vom Gericht zugelassen. Der Prozessauftakt gegen die 16 Angeklagten findet am 24. Juni 2019 im Silivri-Gefägnis bei Istanbul statt.

Osman Kavala
lizenzfrei von Anadolu Kültür

Osman Kavala und seine Mitangeklagten werden beschuldigt, geplant zu haben, „die Regierung zu stürzen bzw. sie von ihren Aufgaben abzuhalten“. Begründet wird dieser Vorwurf vor allem mit den Gezi-Park-Protesten vom Sommer 2013, die angeblich von Osman Kavala und den anderen Angeklagten organisiert worden seien. Diese Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage. Den Beschuldigten droht lebenslange Haft.

Kavalas Anwälte beantragten beim Verfassungsgericht die sofortige Freilassung ihres Mandanten, da seine anhaltende Untersuchungshaft menschenrechtswidrig sei. Am 22. Mai 2019 wies das Verfassungsgericht diesen Antrag ab und entschied, dass Osman Kavala in Haft bleiben muss.

Yiğit Aksakoğlu
lizenzfrei von Anadolu Kültür

Das breite Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen in Deutschland protestiert gegen die andauernde Haft und fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung von Osman Kavala sowie seines Mitangeklagten Yiğit Aksakoğlu. Die Untersuchungshaft ist völlig unbegründet und hat den Charakter einer vorgezogenen Strafe. Die haltlosen Anklagen gegen Osman Kavala, Yiğit Aksakoğlu und die 14 weiteren Angeklagten müssen fallengelassen werden. Auch die deutsche Bundesregierung sollte sich auf allen Ebenen für die Freilassung der Inhaftierten einsetzen und auf die Wahrung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten in der Türkei drängen.

Osman Kavala hat sein Leben der Förderung der Zivilgesellschaft und der Kultur in der Türkei gewidmet. In den vergangenen 30 Jahren hat er zahlreiche unabhängige Menschenrechtsorganisationen unterstützt und eine Reihe von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Verlagen mitgegründet, so zum Beispiel die Helsinki Citizens’ Assembly (jetzt genannt Citizens’ Assembly) zur Förderung der Menschenrechte, Anadolu Kültür, eine der größten Kulturstiftungen des Landes zur Förderung der kulturellen Verständigung in der Türkei und den İletişim Verlag, der Literatur und Sachbücher veröffentlicht, die sich häufig mit den Tabuthemen der türkischen Gesellschaft auseinandersetzen.

Der Fall von Kavala und seinen Mitangeklagten ist nur ein Beispiel für das harte Vorgehen der türkischen Regierung gegen ihre Kritiker: Während des zwei Jahre geltenden Ausnahmezustands wurden etwa 1.500 Organisationen und Stiftungen geschlossen. Friedliche Proteste werden unterdrückt, wer sich kritisch über die Regierung äußert, muss damit rechnen, festgenommen zu werden; aktuell sitzen mehr als 130 Medienschaffende im Gefängnis. Seit Juli 2016 ist knapp 130.000 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes willkürlich gekündigt worden, weil ihnen angebliche „Verbindungen zu terroristischen Vereinigungen“ vorgeworfen werden.

Die Angeklagten

Der Prozessauftakt gegen Osman Kavala und seine Mitangeklagten Gökçe Yılmaz, Ali Hakan Altınay, Hanzade Hikmet Germiyanoğlu, Yiğit Aksakoğlu, Çiğdem Mater Utku, Yiğit Ali Ekmekçi, Mehmet Ali Alabora, Handan Meltem Arıkan, Can Dündar, Ayşe Mücella Yapıcı, Şerafettin Can Atalay, Tayfun Kahraman, İnanç Ekmeçi, Mine Özerden, Ayşe Pınar Alabora ist am Montag (24.06.) in dem Prozessgebäude des Hochsicherheitsgefängnisses Silivri. Weitere Verhandlungstermine sind in der Zeit vom 25. bis 28. Juni 2019 angesetzt.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Ralf Nestmeyer
Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter

 

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Felix Hille
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Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

Auslieferung von Julian Assange wäre Verrat an Freiheit des Wortes und Pressefreiheit

Auslieferung von Julian Assange wäre Verrat an Freiheit des Wortes und Pressefreiheit

Pressemitteilung, Darmstadt, 14. Juni 2019. Das PEN-Zentrum Deutschland verurteilt die Entscheidung der britischen Regierung, Wikileaks-Gründer Julian Assange an die USA auszuliefern. Zugleich appelliert der PEN an die britischen Behörden, ihren Beschluss zu revidieren, und ruft die EU-Mitgliedstaaten wiederholt dazu auf, Assange Asyl zu gewähren.

„Der Fall Assange ist komplex, denn in der Tat ist er selbst kein Journalist, Wikileaks übernimmt ja keine redaktionelle Verantwortung für das, was veröffentlicht wird. Es geht hier, wie auch bei Manning, Snowden und anderen, um die komplexe Beziehung zwischen Journalisten und ihren Quellen. Ein Angriff auf den Schutz journalistischer Quellen wird gravierende Auswirkungen auf den Journalismus und die Pressefreiheit haben. Deshalb ist dieser Fall so eminent wichtig, bei aller Kritik, die man in anderer Hinsicht an der Person Assange haben kann“, so PEN-Präsidentin Regula Venske.

Die zuständigen Institutionen der EU müssen Assange gegen eine Ausweisung schützen. Sollte er an die USA ausgeliefert werden, wäre dies ein schwerer Schlag gegen die Freiheit des Wortes, die Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Medienberichten zufolge hat die britische Regierung dem Auslieferungsgesuch der USA gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange zugestimmt, nachdem die britischen Behörden den Antrag dazu am Mittwoch erhalten haben. Dem Whistleblower drohen bis zu 175 Jahre Haft.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Leander Sukov
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