09.11.2020, 19 Uhr – Online: Lesung und Gespräch mit Yirgalem Fisseha Mebrahtu

Foto: Stefanie Silber

Willkürliche Verhaftung, sechs Jahre Gefängnis ohne Gerichtsverhandlung, Folter, Freilassung, Flucht, Leben im Exil: „Ich lebe noch!“ – das wird der deutsche Titel einer Sammlung von Gedichten sein, die Yirgalem Fisseha Mebrahtu zum Teil noch im eritreischen Gefängnis geschrieben hat. Die Lyrikerin und Journalistin stellt diese Texte am 9. November vor. Sie dokumentieren, wie das Schreiben ein Überlebensmittel war und ist. Sie zeigen, wie die Frau aus Eritrea im deutschen Exil lernt, in einer fremden Gesellschaft zu leben – ohne den Traum von einer freien Heimat zu verlieren.

Das Gespräch mit Mebrahtu führt und übersetzt Dr. Kessete Awet. Mebrahtu wird Texte in ihrer Muttersprache Tigrinya lesen. Die deutsche Übersetzung trägt Sarah Giese vor.

Yirgalem Fisseha Mebrahtu wurde in Adi Keyh/Eritrea geboren. Der Journalistin und Schriftstellerin gelang 2017 die Flucht aus Eritrea. Seit 2018 ist sie Writer-in-Exile-Stipendiatin des deutschen PEN.

Dr. Kessete Awet wurde ebenfalls in Eritrea geboren. Seine Familie flüchtete 1985 nach Deutschland. Er ist Geschäftsführer und pädagogischer Leiter einer Einrichtung für Kinder- und Jugendhilfe in Wuppertal.

Sarah Giese, geboren in Kassel, ist Schauspielerin, Sprech- und Stimmtrainerin und Dramaturgin. Sie nimmt Lehraufträge für Sprechkunst in Münster und Köln wahr.

 

Hinweis des Veranstalters: Wegen der neuen Corona-Auflagen kann die Lesung mit Yirgalem Fisseha Mebrahtu am Montag, dem 9. November 2020, leider nicht in der Studiobühne stattfinden. Da sich sehr viele Menschen dafür interessierten und sich auf die Lesung freuten, haben wir uns entschlossen, die Veranstaltung online zu machen. Das ist auch für uns ein Experiment und wir sind ganz gespannt.

Wer teilnehmen möchte, melde sich bitte per Mail: AfrikanischePerspektiven [at] t-online [dot] de
Der Link zum Einloggen wird im Anschluss versandt.

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Die Veranstaltung findet u.a. in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Münster und dem Eine-Welt-Forum Münster e.V. statt. Sie wird unterstützt vom Kulturamt und dem Integrationsrat der Stadt Münster sowie dem Peter Hammer Verein für Literatur und Dialog e.V.

30.10.2020, 11 Uhr – Konferenz „Libri Prohibiti – Bücherverbote und Zensur“ in Bremen

Ralf Nestmeyer
Foto: Stefanie Silber

Mit dieser Veranstaltung wird der Themenschwerpunkt der globale 2020 eröffnet und ein mit Literatur verbundener Problemzusammenhang ausgeleuchtet: Schreib- und Publikationsverbote, Zensur und Bücherverbrennungen. In Kooperation mit der Universität Bremen werden exemplarische Fälle verbotener oder verbrannter Texte der deutschen und russischen Literatur vorgestellt, aus denen Schauspielerinnen und Schauspieler der Shakespeare Company Auszüge lesen. Zur Sprache gebracht wird aber auch die aktuelle Situation. Eingeladen sind u.a. Literaturwissenschaftler und Osteuropa-Expertinnen und -Experten der Uni Bremen sowie Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN.

Programm

11:00 Prof. Dr. Elisabeth Arend (Uni Bremen, FB 10) : Eröffnung
11:15 Dr. Uwe Spörl (Uni Bremen, FB 10): Studentische Aktivisten: die Bücherverbrennungen 1933
* Diskussion *
11:50 Prof. Dr. Axel Dunker (Uni Bremen, FB 10): Ein Fall von (Selbst-)Zensur in der Adenauerzeit.
* Diskussion *
12:30 Prof. Dr. Nikola Rossbach (Uni Kassel): Zensur heute: analog und digital
* Diskussion *
Mittagspause
14:30 Prof. Dr. Wolfgang Kissel (Uni Bremen, FB 8): Bibliozid und GULag der Bücher.
Zur Kulturgeschichte der (post)sowjetischen Zensur
* Diskussion *
15:10 Ralf Nestmeyer (Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN): Das gefangene Wort
* Diskussion *
16:00 Ende der Veranstaltung

Weiterführende Informationen zum Programm des globale° – Festivals für grenzüberschreitende Literatur sowie

Hinweis: Anmeldung für diese Veranstaltung erbeten bis zum 25.10. unter
artes [at] uni-bremen [dot] de

Die Veranstaltung von Globale e.V.findet in Kooperation mit den Alumni
der Universität Bremen e.V. statt.

25.10.2020, 16:00 Uhr – Aleksei Bobrovnikov bei Münchner Medientagen

Vertrauen in die neue Mediengesellschaft – das ist das Motto der 34. MEDIENTAGE MÜNCHEN. Rund 400 Experten sprechen vom 24.- 30. Oktober 2020 zu den verschiedensten Medienthemen, unter ihnen auch Writers-in-Exile-Stipendiat Aleksei Bobrovnikov.

Der Print- und Fernsehjournalist Aleksei Bobrovnikov wurde 1979 in Kiew (Ukraine) geboren. Er veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten und Essays in verschiedenen ukrainischen Verlagen und Wochenmagazinen. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber

Aleksei Bobrovnikov
(© Stefanie Silber)

Der ukrainische Autor und investigative Journalist entlarvte durch seine Recherchen Verbindungen zwischen einem Schmugglerring und dem ukrainischen Militär. Daraufhin erhielt er öffentlich Todesdrohungen und sah sich gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Seit Februar 2018 ist er Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms des deutschen PEN. Seine Recherchen und die damit verbundenen Erlebnisse hat er nun in einem Buch mit dem Titel „Grauzone“ beschrieben, aus dem er bei der Lesung einen Einblick in die korrupten Machschaften des ukrainischen Militärs geben wird. Im Anschluss folgt ein Gespräch mit Bobrovnikov über den Investigativjournalismus.

Unter dem Motto „This is Media NOW“ bieten die Medientage München zur digitalen einwöchigen Konferenz mit begleitender virtueller Expo, interaktiven Networking-Möglichkeiten und Entertainment-Formaten über 100 Vorträge, Interviews, Masterclasses und Networking Sessions digital an. Je nach aktueller Lage im Oktober sind kleinere physische Events in München geplant.

Weitere Informationen bei Medientage München →

12.10.2020, 19 Uhr – Wege in die Freiheit

Wegen ihrer freiheitlichen Gesinnung und ihres gesellschaftspolitischen Engagements in ihren Heimatländern wurden die eritreische Lyrikerin Yirgalem Fisseha Mebrahtu, der kurdische Schriftsteller Jiyar Jahanfard und der ukrainische Investigativjournalist Aleksei Bobrovnikov unterdrückt, verfolgt oder auch in Haft genommen. Am 12. Oktober werden die Writers-in-Exile ihre Texte in der Münchener Seidlvilla lesen und ihr “neues Leben” reflektieren.

Aleksei Bobrovnikov, Yirgalem Fisseha Mebrahtu, Jiyar Jahanfard (v.l.n.r.) (© Stefanie Silber)

Vera Botterbusch, Beisitzerin des deutschen PEN, führt durch den Abend und liest die deutschen Übersetzungen der geflüchteten Autoren und der Autorin.

In mehr als zwanzig Jahren konnte mit dem Wirters-in-Exile-Programm bisher 60 Autorinnen und Autoren ein sicherer Lebens- und Arbeitsraum geboten werden. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, fördert die WiE-Arbeit vollständig mit umfangreichen Mitteln. Bis zu drei Jahre stellt das deutsche PEN-Zentrum verfolgten Autorinnen und Autoren eine möblierte Wohnung zur Verfügung, dazu ein monatliches Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Redakteurinnen und Verlegern in ihrer Umgebung.

Veranstaltung gefördert vom Münchner Kulturreferat.

Der ukrainische Autor und investigative Journalist Aleksei Bobrovnikov entlarvte durch seine Recherchen Verbindungen zwischen einem Schmugglerring und dem ukrainischen Militär. Daraufhin erhielt er öffentlich Todesdrohungen und sah sich gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Seit Februar 2018 ist er Stipendiat des Writers-in-Exile Programms des deutschen PEN.

Yirgalem Fisseha Mebrahtu ist eine eritreische Lyrikerin, Journalistin und Schriftstellerin. Bis zu ihrer Freilassung im Januar 2015 musste sie sechs Jahre lang unter schlimmsten Bedingungen im „Mai Swra“ Gefängnis ausharren, in das sie willkürlich ohne Anklage oder Gerichtsverfahren gesperrt wurde. Seitdem droht ihr eine erneute Verhaftung und sie ist auf der Flucht. Seit Dezember 2018 ist Mebrathu Stipendiatin des Writers-in-Exile Programms des deutschen PEN.

Jiyar Jahanfard ist im Iran aufgewachsen. Seine Leidenschaft gilt der Bewahrung der kurdischen Sprache und Kultur, über die er viel geforscht, gesammelt und verfasst hat. Aufgrund dessen wurde er mehrmals verhaftet, inhaftiert und steht im Iran unter ständiger Beobachtung. Seit Februar 2018 ist Jahanfard Stipendiat des Writers-in-Exile Programms des deutschen PEN.

17.10.2020, 17 Uhr – Vom Sinn und Unsinn kultureller Boykotte – Podiumsdiskussion auf der Frankfurter Buchmesse

Auch die kulturelle Sphäre (nicht nur) in Europa wird von Abschottungs- und Säuberungsbewegungen erfasst. Wo die gesellschaftliche Kluft größer wird, nehmen Befindlichkeiten, Gefühle und Angst überhand und bedrohen Kunst- und Meinungsfreiheit. Mit dem Internet verstärken sich neue Normen, alte Verletzungen und historische Aufrechnungen, so dass liberale Werte an Bedeutung, an Geltungskraft verlieren. Wohin führen Boykotte im Kunst- und Kulturbereich, wen schwächen sie, wann sind sie legitim und welche Diagnosen bieten sich an?

Mit:

  • Lizzie Doron, israelische Schriftstellerin
  • Jennifer Clement, Autorin und Präsidentin des PEN International
  • Hanno Rauterberg, Journalist (DIE ZEIT) und Autor
  • Barbara Wahlster, Journalistin

Eine Veranstaltung der Frankfurter Buchmesse in Kooperation dem PEN-Zentrum Deutschland

Die Diskussion wird auf www.buchmesse.de/weltempfang sowie auf dem YouTube-Kanal der Frankfurter Buchmesse auf Deutsch und Englisch ausgestrahlt.

Zum kompletten Live-Programm des Weltempfangs