Literatur aus dem Exil: Geschenktipps

Sind Sie nicht nur auf der Suche nach einem wertvollen Geschenk, mit dem Sie Ihren Freunden und Bekannten eine Freude machen wollen, sondern möchten Sie auch Exil-Autorinnen und –Autoren aktiv unterstützen? Wir empfehlen Romane, Gedichte, Essays und andere Texte derzeitiger und ehemaliger Writers-in-Exile des PEN!

Erhältlich im Buchhandel oder direkt bei den jeweiligen Verlagen.

© Kursbuch Kulturstiftung

In der nie endenden bernsteinfarbenen Nacht. Stimmen aus dem Exil* · PEN (Hrsg.)

Krieg, Gewalt, Verfolgung – Die Texte der SchriftstellerInnen sind ebenso vielfältig wie die Gründe ihrer Flucht. Einzig ihr neues Abenteuer „Deutschland“ verbindet die Writers in Exile. In der neuen Anthologie „In der nie endenden bernsteinfarbenen Nacht. Stimmen aus dem Exil“ geben die Autorinnen und Autoren Einblick in ihre Vergangenheit, beschreiben ihren neuen Alltag in einem fremden Land und offenbaren ihre Hoffnungen für die Zukunft.

• 312 Seiten
• € 22 (D)
• ISBN: 978-3961962006
• Verlag: Kursbuch Kulturstiftung

 

Vulkanworte auf dem Leib aus Schnee· Najet Adouani

© Assoverlag

Najet Adouani schreibt in ihrer Muttersprache Arabisch, aber sie schreibt auch auf Englisch. Sie schreibt in freien Versen und greift zurück auf die arabische Erzähltradition, was besonders schön und berührend wirkt. Es gibt in ihren Versen Feuer und Lust, Tränen und Schmerz, Wut und Verzweiflung, und nicht zuletzt gibt es die Natur, die in Gestalt von Bäumen, Blumen, Vögeln, Schmetterlingen, Wolken, Himmel und Meer auftritt, und es gibt den Hass und die Liebe und das Leben und den Tod.

• 176 Seiten
• € 17,90 (D)
• ISBN: 978-3938834985
• Verlag: Assoverlag

Nachruf auf die Leere* · Yamen Hussein

© Elif Verlag

Allein den Verlust als Metapher auf den Nabel der Dichtung zu setzen, ist für Yamen Hussein nicht ausreichend, er verlangt mehr von sich. Auch die Liebe, die Hoffnung auf bessere Zeiten, das Ankommen in einer neuen Welt verleiht seinen Zeilen mehrere Perspektiven, seine Gedichte fordern uns auf, den Blickwinkel zu erweitern, die Fenster auch für das Unbekannte zu öffnen. Er schält seine Schritte, stutzt den Weg, immer mit einem neuen Impuls, so gestaltet der Dichter aus dem Erlebten ein Dokument für sich und für die Welt.

• 116 Seiten
• € 18 (D)
• ISBN: 978-3946989363
• Verlag: Elif Verlag

 

Camel Travel · Volha Hapeyeva

© Literaturverlag Droschl

In kurzen Kapiteln nähert sich Volha Hapeyeva kleinen und großen Themen, die in Schule, Familie und öffentlich ausgefochten werden. Mit unglaublicher Leichtigkeit schreibt die Autorin von einer Kindheit und Jugend in der zerfallenden UdSSR Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre. Ihre Schilderungen zeigen so manche Tücken und Macken aus dem Minsk der (post)sowjetischen Zeit auf – aber auch ihre Entwicklung zu einer kritischen, feministisch-politischen Frau im heutigen Belarus.

• 128 Seiten
• € 18,00 (D)
• ISBN: 978-3990590737
• Verlag: Literaturverlag Droschl

 

Unvollendete Musik · Anzhelina Polonskaya

© Leipziger Literaturverlag

Diese Lyrik bricht mit russischen Traditionslinien, indem sie ihnen zum Schein folgt und anschließend irritiert. Ihre Texte sind politisch, ohne zu agitieren oder zu appellieren. Den Wunsch nach Harmonie versagt sich Anzhelina Polonskaya, sie will sich der nüchternen Analyse und dem Widerstehen-Müssen stellen.

• 140 Seiten
• € 16,95 (D)
• ISBN: 978-3866602618
• Verlag: Leipziger Literaturverlag

Freiheit: Heimat, Gefängnis, Exil und die Welt ·Yassin al-Haj Saleh

© Matthes & Seitz Berlin

Ausgehend von seinen persönlichen Erfahrungen in den Gefängnissen des Assad-Regimes in Syrien und den folgenden Jahren im Exil untersucht Yassin Al-Haj Saleh alle Aspekte der Freiheit des Menschen. Er zeigt auf, mit welcher Gefahr und Mühsal der Freiheitsdrang verknüpft ist, nämlich mit der Veränderung des Denkens, und verweist auf die Freiheit als eine Bewegung, als den entscheidenden Schritt, weiter als sonst zu gehen und dabei neue, bisher unbekannte Räume zu entdecken.

• 90 Seiten
• € 10,00 (D)
• ISBN: 978-3957578808
• Verlag: Matthes & Seitz Berlin

 

Sticht in meine Seele · Barbaros Altuğ 

© Orlanda Verlag

Derin ist Journalistin. Sie ist so türkisch wie französisch und lebt in Paris. Als sie sich gerade auf den Weg machen will, um über einen ermordeten Kollegen in Istanbul zu schreiben, begegnet ihr kurz vor dem Abflug ein Armenier. Seine Geschichte fesselt sie, wirft aber auch Rätsel auf. In Istanbul angekommen, beginnt sie zu recherchieren und eine so irritierende wie dramatische Suche beginnt, deren Ergebnis sie vollkommen erschüttert.

• 152 Seiten
• € 16,00 (D)
• ISBN: ISBN 978-3944666488
• Verlag: Orlanda Verlag

 

Das Haus aus Stein · Aslı Erdoğan

© Penguin Verlag

In diesem symphonisch komponierten Roman über Gefangenschaft und den Verlust aller Sicherheiten nimmt Aslı Erdoğan auch auf erschütternde Weise die eigene Gefängniserfahrung vorweg. Sie folgt mit ihrer poetischen dunklen Sprache den tiefen Narben, die eine Begegnung mit dem „Haus aus Stein“ hinterlässt.

• 128 Seiten
• € 15,00 (D)
• ISBN: 978-3328600763
• Verlag: Penguin Verlag

 

 

Signum 2021. Blätter für Literatur und Kritik. 22. Jg. Heft 1 (Winter) · Norbert Weiß (Hrsg.)

© Verlag Die Scheune

Das Gefängnis, die Zellen, die Mitgefangenen, die Folter, auch die Todesdrohungen, Attentate, Angriffe, Vergewaltigungen, Verhöre, Hausdurchsuchungen: Mancher und Manchem sind sie fest ins Schaffen geschlagen. Das blitzt hervor, scheint durch, gibt mindestens ein Hintergrundrauschen, wie der Ur-knall. In diesem Werk erzählen die Exil-SchriftstellerInnen, die keine sein wollen, von der Drangsal, der Bedrückung.

 

 

 

* Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Das Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Autorinnen und Autoren, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird. Seit 1999 sind bereits mehr als sechzig Literatinnen und Literaten Stipendiatinnen und Stipendiaten dieses Exil-Programmes gewesen.

VIETNAM: Neun Jahre Haft für Pham Ðoan Trang

Ein Gericht in Vietnam hat heute die Menschenrechtsaktivistin und Journalistin Pham Ðoan Trang zu neun Jahren Haft verurteilt. Die Justiz hatte der mit europäischen Menschenrechtspreisen ausgezeichneten Autorin „Propaganda gegen den Staat“ vorgeworfen.

Foto: Thinh Nguyen / Luat Khoa

 

Dieses skandalöse Urteil gegen unser Ehrenmitglied ist nicht hinnehmbar. Pham Ðoan Trang hat nur das gemacht, was ihre Aufgabe als Journalistin ist: aufzuklären. Wir fordern die unverzügliche Freilassung unserer Kollegin!

Protest gegen die drohende Zerschlagung von Memorial | Berichte

An dem Protest vor der Russischen Botschaft nahmen u.a. PEN-Präsident Deniz Yücel sowie die PEN-Präsidiumsmitglieder Svenja Leiber und Christoph Links teil.

In mehreren Städten Deutschlands demonstrierten am 13.12. hunderte von Menschen gegen die drohende Zerschlagung der internationalen Menschenrechtsorganisation MEMORIAL in Russland. In Berlin versammelten sich über 200 Menschen vor der Russischen Botschaft Unter den Linden. Dazu aufgerufen hatten die Organisationen MEMORIAL Deutschland, Amnesty International sowie das PEN-Zentrum Deutschland.

Berichte

Gereizte Gesellschaft: Deniz Yücel über Empörung und Shitstorms

Foto: Urban Zintel

Ganz gleich, ob es um Gendersternchen, Corona-Impfungen oder ein satirisches Kinderlied geht: Irgendjemand regt sich immer auf. Manchmal reicht ein Tweet, um die Empörungsspirale in Gang zu setzen. Warum ist die Gesellschaft so gereizt?

Ein Gespräch mit dem PEN-Präsidenten Deniz Yücel im mdr-Podcast „Das große Ganze“

„Assange ist kein Krimineller, sondern Journalist. Und Journalismus ist kein Verbrechen“

Foto: Urban Zintel

„Kriminell sind viele der Machenschaften, die Assange und Wikileaks veröffentlicht haben: Folter, Kriegsverbrechen, Korruption, Steuerhinterziehung und vieles mehr. Kriminell ist auch dieser Rachefeldzug der US-Regierung.“ Kommentar von PEN-Präsident Deniz Yücel zum aufgehobenen Auslieferungsverbot für WikiLeaks-Gründer Julian Assange in der WELT.

PEN-Zentren verurteilen die Entscheidung, dass Julian Assange ausgeliefert werden darf

Die heutige Nachricht von der Entscheidung des Londoner High Court, die Auslieferung des WikiLeaks Gründers und Publizisten Julian Assange in die USA zu genehmigen, ist ein schockierender Schlag gegen die Pressefreiheit, mit weitreichenden Folgen für investigativen Journalismus in aller Welt. Der Supreme Court als Berufungsinstanz muss diese Entscheidung aufheben und die politisch motivierte Auslieferung von Assange verhindern. Zugleich fordert der PEN unverändert, die Anklagen gegen Assange fallenzulassen. Gesetze gegen Spionage dürfen nicht gegen Journalisten und Publizisten angewendet werden, die Informationen von öffentlichem Interesse veröffentlichen.

Das Urteil des High Court hebt das Urteil des District Court auf, der eine Auslieferung wegen Assanges schlechtem psychischem Gesundheitszustand aus medizinischen Gründen abgelehnt hat. Wegen des hohen Risikos, dass sich seine psychische Gesundheit in US-Haft weiterer verschlechtern und er Suizid begehen könnte, hatte die Richterin Vanessa Baraitser am District Court für Recht erkannt, das es unterdrückerisch wäre, Assange auszuliefern. Die US-Regierung hatte daraufhin schriftliche Zusicherungen gegeben, dass Assage in den USA menschlich behandelt würde – Zusicherungen, die von Amnesty International als „inhärent unzuverlässig“ verworfen wurden. Dennoch hat der High Court heute auf Grundlage dieser Zusicherungen dem Antrag der US-Regierung stattgegeben.

In Reaktion auf diese Nachricht erklärte die Vorsitzende des Writers in Prison Kommittees des internationalen PEN, Ma Thida:

„Der internationale PEN verurteilt die Entscheidung des britischen High Courts, die Auslieferung von Julian Assange an die USA zu gestatten. Dass diese Entscheidung ausgerechnet am Tag der Menschenrechte fiel ist ein schockierender Schlag gegen die Pressefreiheit. Sie statuiert ein gefährliches Exempel, das die rechtmäßige Arbeit von Journalisten und Publizisten überall auf der Welt bedroht. Wir fordern erneut, dass alle Anklagen gegen Assange fallengelassen werden und beschwören die Behörden des Vereinigten Königreichs, ihn umgehend aus der Haft zu entlassen und seine Auslieferung an die USA zu verhindern!“

Daniel Gorman, Direktor des Englischen PEN, erklärt:

Die Entscheidung des High Court hat zutiefst beunruhigende Auswirkungen auf die Pressefreihet und muss im Obersten Gerichtshof überprüft werden. Die gegen Julian Assange vorgebrachten Anklagepunkte umfassen Handlungen, die für die Arbeit investigativer Journalisten unverzichtbar sind. Seine Auslieferung würde deshalb für Journalisten auf der ganzen Welt ein niederschmetterndes Exempel statuieren. Wir rufen die US-Behörden weiter auf, diese höchst problematischen Anklagen fallenzulassen, und fordern den britischen Innenminister auf, diese Auslieferung zu verhindern.“

Hintergrundinformation

Assange sitzt wegen Verstößen gegen das Kautionsrecht seit April 2019 im britischen Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Im May 2019 wurde Assange vom US-Justizministerium wegen seiner Rolle bei der Beschaffung und Veröffentlichung geheimer militärischer und diplomatischer Dokumente im Jahr 2010 in 17 Fällen der Spionage angeklagt. Initiativen der Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit und zahllose Menschenrechtsanwälte haben erklärt, dass diese Strafverfolgung Anlass zu schwerwiegender Sorge um die Pressefreiheit im Sinne des ersten US-Verfassungszusatzes ist und ein gefährliches Signal an Journalisten und Publizisten in aller Welt sendet. Der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, hat unterdessen klargemacht, dass sowohl die Haftbedingungen, denen Assange in den USA unterworfen sein wird, als auch das gegen ihn zu erwartende Urteil das ernste Risiko beinhalten, Assange der Folter oder einer unmenschlichen und entwürdigenden Behandlung auszusetzen. US-Strafverfolgungsbehörden hatten Assange bereits früher des gemeinschaftlichen kriminellen Angriffs auf geschützte Datenspeicher angeklagt, worunter etliche eindeutig journalistische Handlungen fielen. Im Juni 2019 unterzeichnete der britische Innenminister einen Auslieferungsbefehl gegen Assange. Sollte er in den USA wegen aller Anklagen verurteilt werden, drohen ihm insgesamt 175 Jahre Haft. Am 24. Juni 2020 hat das US-Justizministerium eine zweite, erweiterte Anklage gegen Assange erhoben, in dem keine neuen Anklagepunkte erhoben, sondern die Anklage des kriminellen Eindringens in Computer erweitert wurde.

Für mehr Informationen über das Engagement des PEN für Julian Assange, darunter die PEN-Entschließung gegen den Missbrauch des US-Spionagegesetzes, und zur Bedeutung des Falls Assange als Bedrohung der Rede- und Pressefreiheit klicken sie bitte hier.

 

Deutsche Übersetzung: Joachim Helfer

Günther Rühle (1924-2021)

Das PEN-Zentrum Deutschland trauert um sein Mitglied Günther Rühle.

Der Journalist, Publizist und Intendant Günther Rühle war einer der wichtigsten Begleiter und Wegbereiter des politischen Theaters der Nachkriegszeit.

1924 in Gießen geboren und in Bremen aufgewachsen, studierte er nach dem Krieg in Frankfurt Germanistik, Geschichte und Volkskunde.

Als Journalist prägte er das Feuilleton der Frankfurter Rundschau, der Frankfurter Neuen Presse und vor allem von FAZ und Tagesspiegel, deren Feuilletonchef er viele Jahre lang war. Günther Rühle war spätestens seit 1960 einer der einflussreichsten Theaterkritiker; sein Interesse galt hierbei vor allem dem politischen Theater, welches er mit dem strengen, aber liebevollen Blick des wahren Enthusiasten begleitete und förderte. Seine fünf Jahre als Intendant des Schauspiel Frankfurt waren ein zwar turbulenter, doch nachhaltiger Ausflug in die Praxis: unter seiner Ägide erwuchsen Theatergrößen wie Martin Wuttke, Thomas Thieme oder Einar Schleef.

Auch als Publizist war er erfolgreich. Seine Dokumentation der deutschen Theatergeschichte gilt als Standardwerk, darüber hinaus edierte er die Gesammelten Werke von Marieluise Fleißer und die Werkausgabe von Alfred Kerr.

Er war Träger zahlreicher Auszeichnungen und Ehrungen und seit vielen Jahren Mitglied des deutschen PEN-Zentrums.

Günther Rühle ist am 10. Dezember, im Alter von 97 Jahren, in Bad Soden im Taunus gestorben. Mit ihm verliert die deutschsprachige Theaterszene ein wichtiges Stück ihrer lebendigen Geschichte.

Twitter-„Demo“ für Zhang Zhan | Berichte und Interviews

Menschenrechtsorganisationen, unter ihnen das PEN-Zentrum Deutschland, Reporter ohne Grenzen und Amnesty International, haben am 29.11.21 auf das Schicksal der chinesischen Bürgerjournalistin Zhang Zhan aufmerksam gemacht. Unter dem Hashtag #ZhangZhan schlossen sich auf Twitter zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, Journalisten, Autorinnen und Institutionen dem Appell an die Politik an, sich für die Freilassung Zhangs einzusetzen.

Pressestimmen

 

Aufgrund ihrer Berichterstattung zur Coronalage wurden Zhang Zhan zu vier Jahren Haft verurteilt. Sie schwebt nach einem eingeschränkten Hungerstreik in Lebensgefahr. Ihre Familie rechnet nicht damit, dass sie den Winter überlebt, sollte sie nicht aus medizinischen Gründen freigelassen werden. Am 15. November reichten ihre Angehörigen ein entsprechendes Gesuch ein, die Antwort des Frauengefängnisses von Shanghai steht jedoch noch aus. Ebenfalls erfolglos blieben bislang die von ihren Rechtsbeiständen und Angehörigen eingereichten Besuchsanträge.

Russland: Kundgebungen in mehreren deutschen Städten gegen die drohende Zerschlagung von Memorial

TERMINHINWEIS / EINLADUNG, 8.12.21. MEMORIAL Deutschland, das PEN-Zentrum Deutschland und Amnesty International in Deutschland rufen angesichts der drohenden Auflösung von MEMORIAL in Russland zu einer Kundgebung am 13.12. vor der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin auf.

Die drei Organisationen sind in großer Sorge um MEMORIAL. Über Anträge russischer Justizbehörden, sowohl die Internationale Gesellschaft MEMORIAL als auch das Menschenrechtszentrum MEMORIAL aufzulösen, wird derzeit vor Gerichten in Moskau verhandelt. Am Vorabend der Verhandlung über die Auflösung der Internationalen Gesellschaft MEMORIAL vor dem Obersten Gerichtshof in Moskau gibt es in mehreren deutschen Städten Solidaritätsaktionen.

Wann:
Montag, 13. Dezember 2021, 17.30 – 18.30 Uhr

Wo:
Vor der Botschaft der Russischen Föderation
Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin

Wer:
Sabine Erdmann-Kutnevic, Mitglied des Vorstands von MEMORIAL Deutschland e.V.
Dr. Julia Duchrow, Stellvertreterin des Generalsekretärs von Amnesty International in Deutschland
Dr. Christoph Links, Präsidiumsmitglied des PEN-Zentrums Deutschland
Tim Bohse, Projektleiter beim Deutsch-Russischen Austausch e.V. (DRA)
(Stand 8.12.2021)

Protestaktionen sind u.a. auch hier geplant:

München: Montag, den 13.12.2021 um 17.30 Uhr
voraussichtlich auf dem Geschwister-Scholl-Platz

Dresden: Montag, den 13.12.2021 um 17.00 Uhr
vor der Dresdner Frauenkirche, Neumarkt

Leipzig: Montag, den 13.12.2021 um 16.30 Uhr
vor der „Runden Ecke“, Dittrichring 24

Halle/Saale: Montag, den 13.12.2021 um 17.00 Uhr
vor dem Opernhaus, Universitätsring/Joliot-Curie-Platz

Hintergrund

Seit mehr als 30 Jahren leistet die von Andrej Sacharow gegründete und international vielfach ausgezeichnete Organisation eine beispielhafte Arbeit zur Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit und zum Schutz der Menschenrechte in Russland. Amnesty International und das PEN-Zentrum Deutschland teilen die Einschätzung der beiden russischen Träger des Friedensnobelpreises Michail Gorbatschow und Dmitri Muratow, nach der die langjährige Tätigkeit von MEMORIAL stets darauf abzielte, die historische Gerechtigkeit wiederherzustellen, die Erinnerung an Hunderttausende von Opfern und Unterdrückten zu bewahren und zu verhindern, dass sich deren Schicksal wiederholt.

Die Zusammenarbeit mit MEMORIAL hat seit Jahrzehnten zum wechselseitigen Verständnis der Gesellschaften Russlands und Deutschland beigetragen. Die aufrufenden Organisationen stehen an der Seite von MEMORIAL und rufen dazu auf, durch eine Teilnahme an den Kundgebungen am 13. Dezember ein sichtbares Zeichen der Solidarität zu setzen und die russischen Behörden aufzufordern, die Anträge auf Auflösung von MEMORIAL zurückzunehmen.

Bei Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestellen von MEMORIAL Deutschland, PEN-Zentrum Deutschland und Amnesty International in Deutschland.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

BELARUS: Solidarität mit Ales Bialiatski

Ales Bialiatski, einer der führenden Menschenrechtsaktivisten in Belarus, befindet sich seit Juli 2021 erneut in Untersuchungshaft. Eine Anhörung in seinem Strafverfahren wegen angeblicher Steuerhinterziehung steht noch aus. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft.

Ales Bialiatski 2011 in Warschau
(c) Bladyniec, Wiki Commons.

Seit den 1990er- Jahren setzt sich Bialiatski mit seiner Organisation Wjasna konsequent für politische Gefangene, Demokratisierung und Wahlbeobachtungen in seinem Land ein. 2011 bis 2014 war er – ebenfalls wegen eines vermeintlichen Steuervergehens – in einem Straflager in Haft. Amnesty International stuft ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen ein.

Er wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter 2012 der Petra-Kelly-Preis der Heinrich Böll Stiftung, 2013 der Menschenrechtspreis des Europarats und im Dezember 2020 der Alternative Nobelpreis. Ales Bialiatski ist Mitglied im belarusischen PEN-Zentrum, welches am 9. August 2021 von den Behörden aufgelöst wurde, unter schwierigsten Bedingungen aber weiterhin versucht, als eine der letzten Quellen der Meinungsfreiheit weiterzuwirken.

Bitte schreiben Sie möglichst unverfängliche, kurz gehaltene Briefe an Ales Bialiatski, etwa in dem Sinn: „Lieber Ales Bialiatski, wir denken an Sie“. Weitere Hintergrundinformationen und Adressen finden Sie hier.