Deutscher PEN entsetzt über Festnahme Joshua Wongs

Pressemitteilung, Darmstadt, 24. September 2020. Das PEN-Zentrum Deutschland ist entsetzt über die Festnahme des Hongkonger Demokratie-Aktivisten Joshua Wong und fordert die chinesische Regierung sowie die zuständigen Behörden dazu auf, die Freiheits- und Menschenrechte der Menschen in Hongkong und auf dem chinesischen Festland zu gewährleisten sowie Wong sofort und bedingungslos freizulassen. Die politischen Verantwortlichen müssen sich kritischen Stimmen in einer offenen Debatte stellen, anstatt sie durch Einschüchterung, Verfolgung oder gar Inhaftierung zum Schweigen zu bringen.

Die Festnahme Wongs hat dessen Anwalt auf Twitter bestätigt. Der 23-Jährige soll sich auf einer Hongkonger Polizeiwache gemeldet haben und dort wegen der Teilnahme an einer unerlaubten Versammlung am 5. Oktober des vergangenen Jahres festgenommen worden sein. Auch wurde ihm vorgeworfen, gegen das damals geltende Vermummungsverbot bei Protesten in Hongkong verstoßen zu haben.

Als ARD-Buchmessengast hätte Joshua Wong am 17. Oktober auf einer Podiumsdiskussion des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels über die aktuelle Situation in Hongkong berichten und unter anderem mit Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, darüber diskutieren sollen, was Zivilgesellschaft und Politik in Europa tun können, um die Hongkonger Bürgerinnen und Bürger in ihrem Streben nach Freiheit und Demokratie zu unterstützen.

Pressekontakt:

Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

 

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

China lässt Lyrikerin Liu Xia ausreisen

Liu Xia
(Quelle: PEN International)

10. Juli 2018 – Der deutsche PEN begrüßt die Ausreise der chinesischen Fotografin, Malerin und Lyrikerin Liu Xia. Vertrauten zufolge ist sie auf dem Weg nach Deutschland. Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihren Ehemann, den Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo 2010 stand sie ohne rechtliche Grundlage unter Hausarrest.

Liu Xia wurde weder eines Vergehens beschuldigt noch angeklagt oder verurteilt. Der Hausarrest wurde über sie verhängt, weil sie mit Liu Xiaobo verheiratet war. Er zählte zu der Generation von reformgesinnten Intellektuellen, die nach der Kulturrevolution und während der ersten Öffnungsphase Chinas den damaligen intellektuellen Diskurs bestimmten. Liu Xia gehörte in den vergleichsweise toleranten 1980er Jahren zur engagierten, sich internationalen Strömungen zuwendenden Künstlerszene in Peking. Mit der Niederschlagung der Menschenrechtsbewegung nach dem Tian’anmen-Massaker 1989 in Peking gerieten sie und Liu Xiaobo immer stärker ins Visier der chinesischen Sicherheitsorgane. Liu Xia verweist mit ihrer künstlerischen Arbeit auf die Menschenrechtslage in China. Ihre Arbeiten werden als Anklage gegen die Repression und Unterdrückung der Meinungsfreiheit verstanden. Auch nach Liu Xiaobos Tod am 13. Juli 2017 wurde ihr die Bewegungsfreiheit verwehrt. Sie ist gesundheitlich schwer angeschlagen und leidet an Depressionen. Am 11. August 2017 ernannte sie das deutsche PEN-Zentrum zum Ehrenmitglied der Schriftstellervereinigung.