12.10.2020, 19 Uhr – Wege in die Freiheit

Wegen ihrer freiheitlichen Gesinnung und ihres gesellschaftspolitischen Engagements in ihren Heimatländern wurden die eritreische Lyrikerin Yirgalem Fisseha Mebrahtu, der kurdische Schriftsteller Jiyar Jahanfard und der ukrainische Investigativjournalist Aleksei Bobrovnikov unterdrückt, verfolgt oder auch in Haft genommen. Am 12. Oktober werden die Writers-in-Exile ihre Texte in der Münchener Seidlvilla lesen und ihr “neues Leben” reflektieren.

Aleksei Bobrovnikov, Yirgalem Fisseha Mebrahtu, Jiyar Jahanfard (v.l.n.r.) (© Stefanie Silber)

Vera Botterbusch, Beisitzerin des deutschen PEN, führt durch den Abend und liest die deutschen Übersetzungen der geflüchteten Autoren und der Autorin.

In mehr als zwanzig Jahren konnte mit dem Wirters-in-Exile-Programm bisher 60 Autorinnen und Autoren ein sicherer Lebens- und Arbeitsraum geboten werden. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, fördert die WiE-Arbeit vollständig mit umfangreichen Mitteln. Bis zu drei Jahre stellt das deutsche PEN-Zentrum verfolgten Autorinnen und Autoren eine möblierte Wohnung zur Verfügung, dazu ein monatliches Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Redakteurinnen und Verlegern in ihrer Umgebung.

Veranstaltung gefördert vom Münchner Kulturreferat.

Der ukrainische Autor und investigative Journalist Aleksei Bobrovnikov entlarvte durch seine Recherchen Verbindungen zwischen einem Schmugglerring und dem ukrainischen Militär. Daraufhin erhielt er öffentlich Todesdrohungen und sah sich gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Seit Februar 2018 ist er Stipendiat des Writers-in-Exile Programms des deutschen PEN.

Yirgalem Fisseha Mebrahtu ist eine eritreische Lyrikerin, Journalistin und Schriftstellerin. Bis zu ihrer Freilassung im Januar 2015 musste sie sechs Jahre lang unter schlimmsten Bedingungen im „Mai Swra“ Gefängnis ausharren, in das sie willkürlich ohne Anklage oder Gerichtsverfahren gesperrt wurde. Seitdem droht ihr eine erneute Verhaftung und sie ist auf der Flucht. Seit Dezember 2018 ist Mebrathu Stipendiatin des Writers-in-Exile Programms des deutschen PEN.

Jiyar Jahanfard ist im Iran aufgewachsen. Seine Leidenschaft gilt der Bewahrung der kurdischen Sprache und Kultur, über die er viel geforscht, gesammelt und verfasst hat. Aufgrund dessen wurde er mehrmals verhaftet, inhaftiert und steht im Iran unter ständiger Beobachtung. Seit Februar 2018 ist Jahanfard Stipendiat des Writers-in-Exile Programms des deutschen PEN.

Kein Lebenszeichen seit 19 Jahren – Videoappell eritreischer Exilautorin für Freilassung von Journalisten in Eritrea

Pressemitteilung, Darmstadt, 17. September 2020. Yirgalem Fisseha Mebrahtu, Writers-in-Exile-Stipendiatin des deutschen PEN, appelliert in einer eindringlichen Videobotschaft an die Weltgemeinschaft, die Lage der Presse- und Meinungsfreiheit in Eritrea nicht länger zu ignorieren. Seitdem am 18. September 2001 alle privaten Medien in ihrer Heimat verboten wurden und kurz darauf eine beispiellose Verfolgung Oppositioneller und Vertreter unabhängiger Medien begann, fehlt von mindestens zwölf Journalisten jedes Lebenszeichen.

Ihre Namen: Fissehaye Yohannes, Said Abdelkadir, Sahle Tsegezeab, Medhanie Haile, Dawit Issac, Temesgen Ghebreyesus, Yosuef Mohammed Ali, Seyoum Tsehaye, Idris Aba Are, Amanuel Asrat, Dawit Habtemichael und Matheowos Habtaab.

„Die eritreische Regierung ist berüchtigt dafür, grundlegende Menschenrechte zu verletzen und keine freie Presse mehr zu dulden“, so Yirgalem Fisseha Mebrahtu in ihrer Botschaft. „Eritrea ist ein Land, in dem seine Bürgerinnen und Bürger über Jahrzehnte lang willkürlich inhaftiert werden, ohne dass ihr Aufenthaltsort bekannt ist.“

Das PEN-Zentrum Deutschland schließt sich diesem Aufruf an und fordert die eritreischen Behörden dazu auf, sämtliche Personen, die einzig aufgrund der Ausübung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung seit Jahren inhaftiert sind, unverzüglich und bedingungslos freilassen.

Yirgalem Fisseha Mebrahtu ist eine eritreische Lyrikerin, Journalistin und Schriftstellerin. Bis zu ihrer Freilassung im Januar 2015 musste sie sechs Jahre lang unter schlimmsten Bedingungen im „Mai Swra“ Gefängnis ausharren, in das sie ohne offizielle Anklage oder Gerichtsverfahren gesperrt wurde. Seit Dezember 2018 ist Mebrahtu Stipendiatin des Writers-in-Exile Programms des deutschen PEN, das von der Bundesregierung finanziert wird, und lebt in Deutschland.

Das Rohmaterial des Videos (Abrufbar und zum Zwecke der Berichterstattung herunterzuladen auf www.vimeo.com/458107306/932e98435a) sowie die eingebundenen Bilddateien stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne kostenfrei zur Verfügung.

Pressekontakt:

Felix Hille

PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

18.07.2020 - 18.07.2020; 15 Uhr – Literarische Lesereihe mit Yirgalem Fisseha Mebrahtu in Kamen

Sakrale Orte locken Literaturbegeisterte am Samstag, 18. Juli, nach Kamen: Gemeinsam mit den heimischen Autoren und PEN-Generalsekretär Heinrich Peuckmann und Bernhard Büscher organisiert das Kulturbüro der Stadt Kamen eine literarische Lesereihe. Sechs Autorinnen und Autoren lesen spannende und bewegende Texte in drei Kirchen.

© Kulturbüro Kamen

In Kamen liest die Lyrikerin und Writers-in-Exile-Stipendiatin Yirgalem Fisseha Mebrahtu gemeinsam mit Heinrich Peuckmann in der Pauluskirche. In der Lutherkirche stellen Leander Sukov, Writers-in-Exile-Beauftragter des PEN, und Autor Gerd Puls ihre Texte vor. In der Katholischen Kirche lesenPEN-Präsidentin Regula Venske und Bernhard Büscher.

Yirgalem Fisseha Mebrahtu wurde wegen ihrer journalistischen und literarischen Arbeit sechs Jahre lang in Eritrea unter schlimmsten Bedingungen inhaftiert. Ihre Gedichtsammlung „From Eve“ hat sie hauptsächlich im Gefängnis geschrieben. Zudem verfasst Fisseha Mebrahtu Kurzgeschichten und hat einige nationale Literaturpreise erhalten. Seit Dezember 2018 lebt sie in Deutschland als Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programm.

Der Eintritt ist frei!

Writers in Exile-Stipendiatin über Freilassung politischer Gefangener

Yirgalem Fisseha Mebrahtu erinnert in ihrer Videoansprache daran, dass Menschen nicht nur durch das Corona-Virus bedroht sind. Besonders in Diktaturen, wie ihrem Heimatland Eritrea, sitzen Schriftstellerinnen und Journalisten im Gefängnis, weil sie ihre Meinung geäußert und verteidigt haben. Sie werden unter Bedingungen festgehalten, aufgrund derer sie nicht in der Lage sind, Vorkehrungen zu treffen. Dies sei nicht die Zeit für Behörden, Gewalt anzuwenden, so Fisseha Mebrahtu. Vielmehr sei es an der Zeit, Mitgefühl zu zeigen. Deshalb fordert sie die Behörden auf, alle politischen Gefangenen bedingungslos freizulassen.

Yirgalem Fisseha Mebrahtu ist eine eritreische Lyrikerin, Journalistin und Schriftstellerin. Bis zu ihrer Freilassung im Januar 2015 musste sie sechs Jahre lang unter schlimmsten Bedingungen im „Mai Swra“ Gefängnis ausharren, in das sie willkürlich ohne Anklage oder Gerichtsverfahren gesperrt wurde. Seitdem droht ihr eine erneute Verhaftung und sie ist auf der Flucht. Seit Dezember 2018 ist Mebrahtu Stipendiatin des Writers in Exile-Programms des deutschen PEN.

Reporter ohne Grenzen zufolge belegt Eritrea auf der Rangliste der Pressefreiheit 2020 den 178. Platz von 180 Ländern.

Aus dem Alltag eines Writer in Exile -Yirgalem Fisseha Mebrahtu

Ehrenamtliche Helferin Isabella Stadler, Writers in Exile-Stipendiatin Yirgalem Fisseha Mebrahtu und Leander Sukov, Vizepräsident und Writers in Exile-Beauftragter des deutschen PEN
Foto: PEN-Zentrum Deutschland

Die Journalistin Cornelia Wegerhoff traf viele Leute, die sich für die StipendiatInnen des Writers in Exile-Programms einsetzen. Vom PEN-Vizepräsidenten, über die ehrenamtlichen HelferInnen, bis hin zu StipendiatInnen selbst. Herausgekommen ist ein spannendes Feature in der Kultursendung „Scala“ bei WDR 5, das einen Einblick in die Arbeit aller Beteiligten bietet:

Den Beitrag finden Sie bei WDR