20 Jahre Writers-in-Exile Programm des deutschen PEN — Einsatz für verfolgte Autorinnen und Autoren notwendiger denn je

Pressemitteilung, Darmstadt, 1. Juli 2019. Zum 20. Jahrestag des Writers-in-Exile (WiE) Programms erinnert das PEN-Zentrum Deutschland an die prekäre Lage vieler Autorinnen und Autoren auf der ganzen Welt. Mit ihrem Exilprogramm bietet die Schriftstellervereinigung in Deutschland seit zwei Jahrzehnten Schutz für bedrohte und verfolgte Kolleginnen und Kollegen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte: „Mit der Finanzierung dieses Programms setzt der Bund ein deutliches Zeichen für die Freiheit der Kunst und für die Freiheit des Wortes. Angesichts der zunehmend eingeschränkten Meinungsfreiheit und vielfacher Zensur in weiten Teilen der Welt – selbst in Europa – ist diese Freiheit jedoch vielerorts in Gefahr. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir verfolgten Schriftstellerinnen und Schriftstellern zumindest vorübergehend eine Zuflucht in Deutschland bieten und ihnen die künstlerischen Freiheiten eröffnen, die es in ihren Heimatländern nicht mehr gibt oder noch nie gab.“

Vizepräsident und Writers-in-Exile Beauftragter des PEN, Leander Sukov, fügte hinzu: „Auf allen Kontinenten werden Autorinnen und Autoren verfolgt. Das ist eine schreckliche Tatsache, die zugleich ein niederschmetterndes Urteil über die Verfassung so vieler Staaten darstellt. Und wir müssen bei aller Anstrengung auch feststellen: Der Schrecken vergrößert sich. Immer mehr Intellektuelle werden weltweit in die Diaspora getrieben. Unser Ziel ist, ihnen hier eine Umgebung zu schaffen, in der sie sichtbar sind und produktiv in Sicherheit arbeiten können.“

Gemeinsam mit dem damaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann hat der deutsche PEN das WiE Programm 1999 aus der Taufe gehoben, es bietet verfolgten Schriftstellerinnen und Schriftstellern Schutz und wird von der Bundesregierung finanziert. Najet Adouani, Swetlana Alexijewitsch (Literaturnobelpreisträgerin 2015), Zaza Burchuladze, Yamen Hussein, Maynat Kurbanova, Itai Mushekwe, Ana Lilia Pérez, Pınar Selek, Amir Valle und Zhou Qing zählen zu den mittlerweile über 50 Autorinnen und Autoren, die Stipendiatinnen oder Stipendiaten waren. Naumann begründete das besondere Engagement damit, dass es für uns in Deutschland eben auch darum gehe, einen Teil jener „Dankesschuld“ abzutragen, die sich aus der Tatsache herleite, dass während der Nazi-Diktatur so viele deutsche Intellektuelle in anderen Ländern Aufnahme fanden. Die geflüchteten Schriftstellerinnen und Schriftsteller sollen mithilfe des Exilprogramms in Deutschland die Ruhe und Konzentration finden, um wieder ihrem Beruf, dem Schreiben, nachgehen zu können. Bis zu drei Jahre stellt ihnen das deutsche PEN-Zentrum eine möblierte Wohnung in einer der größeren deutschen Städte zur Verfügung, dazu ein monatlich ausbezahltes Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Redakteurinnen, Verlegern sowie den Kolleginnen und Kollegen in ihrer Umgebung. Der algerische Schriftsteller Hamid Skif (* 1951; † 2011) war der erste Stipendiat, den wir im Juli 1999 begrüßen konnten.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Felix Hille
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

Deutscher PEN und Reporter ohne Grenzen unterstützen Can Dündar mit neuem Stipendium

Can Dündar
Foto: PEN-Zentrum Deutschland

Das PEN-Zentrum Deutschland e. V. und Reporter ohne Grenzen gewähren dem Journalisten Can Dündar ab März 2019 für ein weiteres Jahr ein monatliches Stipendium als Zeichen der Solidarität mit türkischen Medienschaffenden im deutschen Exil.

„Can Dündar ist derzeit der bedeutendste Exilautor, der autokratischen Verhältnisse in seinem türkischen Heimatland immer wieder pointiert und mutig kritisiert“, betont Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison Beauftragter des deutschen PEN.

Der türkische Journalist, Dokumentarfilmer, Buchautor Can Dündar war langjähriger Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet. Im November 2015 wurde Dündar wegen Spionagevorwürfen in Untersuchungshaft genommen und wenig später in Zusammenhang mit einem Artikel über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Vom Vorwurf der Spionage wurde er damals freigesprochen. Nach seiner Freilassung floh er nach Deutschland, wo er heute wieder als Journalist tätig ist und seinen Fall öffentlich machte.

Can Dündar erhielt allein 2017 den Leipziger Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien, den Hermann Kesten-Preis des deutschen PEN sowie den internationalen Whistleblower-Preis. Außerdem war er ab 2017 für zwei Jahre Fellow im Writers-at-Risk-Programm des deutschen PEN. Im Dezember 2018 hatte ein Gericht in Istanbul gegen Dündar einen Haftbefehl wegen der Gezi-Proteste im Jahr 2013 ausgestellt. Er soll angeblich „Chaos gestiftet“ und „Terroristen ermutigt“ haben.

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