Hermann Kesten-Preis im Staatstheater Darmstadt

Irena Brežná
© Luboš Pilc

Der Hermann Kesten-Preis des deutschen PEN-Zentrums geht 2021 an die Autorin Irena Brežná. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Neben der aktuellen Kesten-Preisträgerin werden auch Günter Wallraff (Hermann Kesten-Preisträger 2020) sowie die Chefredakteurin Lina Attalah mit ihrer ägyptische Online-Zeitung „Mada Masr“ (Hermann Kesten-Förderpreis 2020) geehrt. Durch den Abend führt der Publizist und Philosoph Michel Friedman.

Weiterführende Informationen zum Programm der Veranstaltung folgen.

Irena Brežná wurde 1950 in Bratislava geboren. Nach der Okkupation der Tschechoslowakei 1968 emigrierte sie mit den Eltern in die Schweiz und fand Zuflucht in einer neuen Sprache. An der Universität Basel schloss sie ihr Studium in Slawistik, Philosophie und Psychologie ab. Sie arbeitete als Journalistin für deutschsprachige Medien, als Kriegsreporterin und Schriftstellerin. Zudem war sie Psychologin, Dolmetscherin, Russischlehrerin, Menschenrechtlerin und humanitäre Helferin.

Brežná engagierte sich für die Solidarność-Bewegung in Polen. Im Rahmen von Amnesty International unterstützte sie Dissidenten im Ostblock, begann journalistisch zu arbeiten und erste Bücher zu veröffentlichen.

1988 gelang ihr die Verschiffung von über 10.000 gesammelten Büchern aus der französisch-sprachigen Schweiz (Weltliteratur, Grammatiken, Geographie- und Geschichtsbücher etc.) nach Guinea, um dort für die Bevölkerung eine Bibliothek zu eröffnen. (siehe auch “Bibliothek für Mamou“ in: „Wie ich auf die Welt kam“)

Irena Brežná ist Autorin von zehn Büchern, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, und erhielt zwölf Preise für Publizistik und Literatur, in Deutschland, der Schweiz und der Slowakei, u.a. den „Zürcher Journalistenpreis“, zweimal den „EMMA-Journalistinnenpreis“ und den „Theodor-Wolff-Preis“. Für ihren kontrovers aufgenommenen Roman „Die undankbare Fremde“ über die eigene Emigrationserfahrung sowie die heutiger Flüchtlinge und Arbeitsmigranten wurde sie sowohl mit dem „Slowakischen Literaturpreis Dominik Tatarka“ wie auch 2012 mit dem „Schweizer Literaturpreis“ ausgezeichnet. Ihr letztes Buch „Wie ich auf die Welt kam. In der Sprache zu Hause“ erschien 2018 beim Rotpunktverlag in Zürich.

Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern 2020 finden Sie hier.

Der Hermann Kesten-Preis würdigt Persönlichkeiten, die sich im Sinne der Charta des internationalen PEN in besonderer Weise für verfolgte und inhaftierte Schriftsteller und Journalistinnen einsetzen. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören Günter Grass, Anna Politkowskaja, Liu Xiaobo, Can Dündar und Erdem Gül, Gioconda Belli sowie Philippe Lançon. Erstmals im Jahre 2000 stiftete das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Der Hermann Kesten-Förderpreis, welcher alle zwei Jahre verliehen wird, ist mit 3.000 Euro dotiert, die ebenfalls vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst bereitgestellt werden. Weitere Informationen: www.pen-deutschland.de/de/kesten-preis/

14.10.2020 - 18.10.2020 – Für das Wort und die Freiheit auf der Buchmesse

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse spielt das Thema Meinungsfreiheit wieder eine zentrale Rolle im Messegeschehen. Gemeinsam mit Partnern wird die IG Meinunsgfreiheit, zu deren Mitgliedern das PEN-Zentrum Deutschland zählt, durch physische und digitale Veranstaltungen auf die Unterdrückung kritischer Stimmen weltweit aufmerksam machen. Besonderes Augenmerk gilt den Bürgerinnen und Bürgern Hongkongs, deren Freiheit durch das chinesische „Sicherheitsgesetz für Hongkong“ massiv eingeschränkt wird.

Einzelne Veranstaltungen

Für das Wort und die Freiheit – #FreeHongKong

Samstag, 17. Oktober 2020, 16 Uhr
ARD Buchmessenbühne (Festhalle Frankfurt)

Joshua Wong, einer der bekanntesten Anführer*innen der Demokratiebewegung, berichtet über die aktuelle Situation in Hongkong. Im Anschluss diskutiert der Philosoph und Publizist Michel Friedman mit der Autorin und Präsidentin des European Writers‘ Council Nina George und Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, darüber, was Zivilgesellschaft und Politik in Europa tun können, um die Hongkonger Bürgerinnen und Bürger in ihrem Streben nach Freiheit und Demokratie zu unterstützen.

Tickets für die Festhalle und weitere Informationen finden Sie hier.

Zum Livestream

Verschwörung, Hetze und Propaganda zum Trotz: Wie kann im Digitalen eine demokratische Debatte gelingen?

Freitag, 16. Oktober 2020, 16 Uhr

Der Soziologe und Publizist Armin Nassehi und die Digitalexpertin und Sprecherin der Interessengruppe Digital im Börsenverein Carmen Udina diskutieren, ob und wie ein zielführender, demokratischer Diskurs im Internet möglich sein könnte. Gibt es jenseits von Hate Speech, Shitstorms, Fake News und Verschwörungstheorien Wege, um gesellschaftlich und politisch relevante Themen in der digitalen Öffentlichkeit sinnvoll zu verhandeln?

Prof. Dr. Armin Nassehi lehrt Soziologie an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Sein aktuelles Werk Muster – Theorie der digitalen Gesellschaft ist 2019 im C.H. Beck Verlag erschienen.

Eine Diskussionsveranstaltung der IG Meinungsfreiheit, in Kooperation mit der IG Digital

Link zum Webinar folgt.

Raif Badawi Award for courageous journalists

Mittwoch, 14. Oktober 2020, 16 Uhr

Das PEN-Zentrum Deutschland und der Börsenverein unterstützen die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit bei der Verleihung des Raif Badawi Awards for courageous journalists. Weitere Informationen und einen Link zum Livestream finden Sie hier.

Das PEN-Zentrum Deutschland auf der Frankfurter Buchmesse

Das PEN-Zentrum Deutschland auf der Frankfurter Buchmesse

Presseeinladung, Darmstadt, 11. September 2019. Ist die Meinungsfreiheit in Spanien in Gefahr? Wie steht es um Eritrea? Was bedeutet das Exil für Schriftstellerinnen und Schriftsteller weltweit und wie können wir bedrohte Kolleginnen und Kollegen wirkungsvoll unterstützen? Diesen und vielen weiteren Fragen stellen sich unsere Gäste, Mitglieder und Writers in Exile (WiE)-Stipendiatinnen und -Stipendiaten auf der Frankfurter Buchmesse (16.-20.10.).

Sie sind zu all unseren Veranstaltungen herzlich eingeladen. Ihre Interviewwünsche mit WiE-Gästen, Präsidiumsmitgliedern des PEN sowie Auftretenden richten Sie gerne vorab per E-Mail an presse [at] pen-deutschland [dot] de. Sie finden den PEN-Stand in Halle 4.1, Stand D 92, wo wir Sie gerne über das Writers in Exile-Programm und die Writers-in-Prison-Arbeit informieren.

Podiumsdiskussion „Meinungsfreiheit und Pluralismus in Spanien in Gefahr?“ des Instituto Cervantes Frankfurt und des PEN-Zentrums Deutschland

Im Konflikt um Katalonien wird die Einschränkung der Meinungsfreiheit beklagt. Die Songpassage eines Rappers führte zu einer Haftstrafe. Ebenso Tweets, die sich über einen Mord im Jahr 1973 lustig machten. Der Europäische Gerichtshof verwarf ein Urteil wegen Majestätsbeleidigung. Feminismus wird von Rechts massiv diffamiert. Steht das Land vor einer Entwicklung wie jenen in Ungarn und Polen?

Ort: Bühne des Weltempfangs (Halle 4.1 B 81)
Zeit: Donnerstag, 17.10.,13.30 Uhr
Mit: Almudena Grandes (spanische Schriftstellerin), Annette Prosinger (Textchefin der Welt am Sonntag), Carlos Collado Seidel (Historiker an der Universität Marburg, ehem. Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland)

Lesung und Gespräch „Leben aus dem Koffer“

Ort: Stand des Hessischen Literaturrats e. V. (Halle 4.1 G 71)
Zeit: Freitag, 18.10., 13 Uhr
Mit: Şehbal Şenyurt Arınlı (Journalistin und WiE-Stipendiatin)
Moderation: Heinrich Peuckmann (PEN-Generalsekretär)

Lesung und Gespräch „Meditationen nach dem Mord“

Ort: Stand des Hessischen Literaturrats e. V. (Halle 4.1 G 71)
Zeit: Samstag, 19.10., 12 Uhr
Mit: Aleksei Bobrovnikov (Investigativjournalist und WiE- Stipendiat)
Moderation: Leander Sukov (Vizepräsident und Writers in Exile-Beauftragter des deutschen PEN)

Weitere Veranstaltungen unter Beteiligung des PEN

Podiumsdiskussion „Bestseller verzweifelt gesucht. Hauptsache, die Zahlen stimmen? Wie sich der deutsche Literaturbetrieb selbst zensiert“ des Netzwerks Autorenrechte (NAR)

Der Buchmarkt am finanziellen Tropf von Hyperbestsellern: Steht die schriftstellerische Vielfalt vor dem Ende?

Ort: Frankfurt Authors Stage (Halle 3.0 K 15)
Zeit: Mittwoch, 16.10., 13.30 Uhr
Mit: Nina George (Bestsellerautorin, Präsidentin des European Writers‘ Council und Mitglied des deutschen PEN), Hans-Peter Übleis (ehem. Verleger des Droemer Knaur Verlages, Holtzbrinckgruppe, heute Autoren- und  Verlagsberater)
Moderation: Janet Clark (Netzwerk Autorenrechte)

Podiumsdiskussion „Das Zweiklassen-Prinzip. Sichtbarkeit von Frauen und Männern im literarischen Rezensionsbetrieb“ des Netzwerks Autorenrechte (NAR)

#frauenzählen bewies 2018: Männer dominieren den Rezensionsbetrieb. Was hat sich seitdem getan?

Ort: Frankfurt Authors Stage (Halle 3.0 K 15)
Zeit: Mittwoch, 16.10., 15.30 Uhr
Mit: Janet Clark (Schriftstellerin, Netzwerk Autorenrechte), N.N. (Deutsches Feuilleton)
Moderation: Carlos Collado Seidel (Historiker an der Universität Marburg, ehem. Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland)

Anschließend Gespräch mit Interessierten in der Frankfurt Authors Signing Area, 16-16.30 Uhr

Mahnwache Free the Words! Mit Regenschirmen für Meinungsfreiheit“

Während in Hongkong und weltweit Menschen für Freiheitsrechte kämpfen, ist der schwedisch-hongkonger Autor, Verleger und Buchhändler Gui Minhai seit vier Jahren willkürlich in China in Haft. Unter dem Motto #FreeGuiMinhai #FreeHongKong #FreeTheWords rufen der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Partner dazu auf, Solidarität zu zeigen und mit aufgespanntem Regenschirm, dem Symbol der Hongkonger Freiheitsbewegung, ein Zeichen für Meinungsfreiheit zu setzen.

Ort: Agora
Zeit: Donnerstag, 17.10., 13.30 Uhr
Mit: Jennifer Clement (Präsidentin des PEN International), Lam Wing Kee (Hongkonger Buchhändler und Dissident im taiwanesischen Exil), Alexander Skipis (Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels), Liao Yiwu (chinesischer Autor im Exil und Friedenspreisträger)

Podiumsdiskussion „Meinungsfreiheit und Solidarität: Wie können wir Betroffene von Zensur oder Verfolgung wirksam unterstützen?“ des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. und der Allianz-Kulturstiftung

Ort: Frankfurt Pavilion (Agora)
Zeit: Freitag, 18.10., 10 Uhr
Mit: Jennifer Clement (Präsidentin des PEN International), Alexander Skipis (Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels), Deniz Yücel (Journalist und  Publizist)
Moderation: Esra Kücük (Geschäftsführerin der Allianz-Kulturstiftung)

Präsentation von Oleg Senzows Buch „Leben“ (deutsche Übersetzung)

Ort: Stand des PEN Ukraine (Halle 5.0 C 129)
Zeit: Samstag, 19.10., 13 Uhr
Mit: Oleg Senzow (Autor und Filmemacher), Christiane Körner (Übersetzerin), Andrej Kurkow (Präsident des PEN Ukraine), Regula Venske (Präsidentin des deutschen PEN), Sebastian Wolter (Verleger des Verlages Voland & Quist)

Podiumsdiskussion „Perspektive Hoffnung? Zur Situation der Menschenrechte in Eritrea“ des PEN-Clubs Österreich

Ort: Bühne des Weltempfangs (Halle 4.1 B 81)
Zeit: Sonntag, 20.10., 10:30 Uhr
Mit: Yirgalem Fisseha Mebrahtu (Lyrikerin, Schriftstellerin und Journalistin, 2009-2015 inhaftiert, WiE-Stipendiatin), Bethlehem Isaak (Tochter Dawit Isaaks), Wolfgang Martin Roth (Writers-In-Prison-Beauftragter des PEN-Clubs Österreich), Björn Tunbäck (schwedischer Radio- und Fernsehjournalist, Menschenrechtsaktivist)
Moderation: Ralf Nestmeyer (Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN)

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Felix Hille
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151 / 627 08 23
Mobil: 0157 / 31382637
E-Mail: presse [at] pen-deutschland [dot] de

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

Deutscher PEN und Reporter ohne Grenzen unterstützen Can Dündar mit neuem Stipendium

Can Dündar
Foto: PEN-Zentrum Deutschland

Das PEN-Zentrum Deutschland e. V. und Reporter ohne Grenzen gewähren dem Journalisten Can Dündar ab März 2019 für ein weiteres Jahr ein monatliches Stipendium als Zeichen der Solidarität mit türkischen Medienschaffenden im deutschen Exil.

„Can Dündar ist derzeit der bedeutendste Exilautor, der autokratischen Verhältnisse in seinem türkischen Heimatland immer wieder pointiert und mutig kritisiert“, betont Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison Beauftragter des deutschen PEN.

Der türkische Journalist, Dokumentarfilmer, Buchautor Can Dündar war langjähriger Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet. Im November 2015 wurde Dündar wegen Spionagevorwürfen in Untersuchungshaft genommen und wenig später in Zusammenhang mit einem Artikel über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Vom Vorwurf der Spionage wurde er damals freigesprochen. Nach seiner Freilassung floh er nach Deutschland, wo er heute wieder als Journalist tätig ist und seinen Fall öffentlich machte.

Can Dündar erhielt allein 2017 den Leipziger Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien, den Hermann Kesten-Preis des deutschen PEN sowie den internationalen Whistleblower-Preis. Außerdem war er ab 2017 für zwei Jahre Fellow im Writers-at-Risk-Programm des deutschen PEN. Im Dezember 2018 hatte ein Gericht in Istanbul gegen Dündar einen Haftbefehl wegen der Gezi-Proteste im Jahr 2013 ausgestellt. Er soll angeblich „Chaos gestiftet“ und „Terroristen ermutigt“ haben.

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Übergriffe und Selbstzensur: PEN-Studie offenbart alarmierende Ergebnisse zur Meinungsfreiheit in Deutschland

Pressemitteilung, Darmstadt, 10. Oktober 2018

Übergriffe und Selbstzensur: PEN-Studie offenbart alarmierende Ergebnisse zur Meinungsfreiheit in Deutschland

Das freie Wort befindet sich in der Wahrnehmung von Autorinnen und Autoren in Deutschland unter starkem Druck. Eine durch das PEN-Zentrum Deutschland und das Institut für Medienforschung der Universität Rostock durchgeführte Studie, an der sich 526 Schriftstellerinnen und Schriftsteller beteiligt haben, fördert erschreckende Zahlen zutage: Drei Viertel sind in Sorge über die freie Meinungsäußerung in Deutschland und beklagen eine Zunahme von Bedrohungen, Einschüchterungsversuchen und hasserfüllten Reaktionen. Jeder Zweite hat bereits Übergriffe auf seine Person erlebt und hat außerdem Kenntnis von Angriffen auf Kolleginnen und Kollegen.

Diese Angriffe und die sorgenvoll wahrgenommene Entwicklung haben Auswirkungen nicht nur auf das persönliche Wohlbefinden der Betroffenen, sondern auch auf das literarische Schaffen: Jeder Vierte, der Angriffe erlebt hat, ist vorsichtiger geworden in der Beurteilung von Geschehnissen; jeder Fünfte schreibt weniger über kritische Themen und jeder Achte beschränkt sich in der Darstellung. Die Kommunikation über sensible Themen leidet ebenfalls, indem bestimmte Inhalte vermieden und insbesondere Aktivitäten in sozialen Medien reduziert werden. Gerade die Online-Plattformen stellen für die weit überwiegende Mehrheit der Befragten eine Bedrohung für die schriftstellerische Freiheit dar. Immerhin: Dem Druck, der auf dem freien Wort lastet, stellt sich jeder zweite Autor bzw. jede zweite Autorin mit größerem Selbstbewusstsein entgegen und bestärkt sie im eigenen Schaffen.

„Das sind erschütternde Ergebnisse, die man für eine freiheitlich-demokratisch verfasste Gesellschaft nicht vermutet hätte“, so Carlos Collado Seidel, Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland. „Es ist nicht nur offensichtlich, dass das freie Wort und Toleranz gegenüber den Meinungen anderer, höchste Güter unserer Grundordnung, unter Druck stehen. Ein weiterer Erosionsprozess bedroht Pluralität und Meinungsvielfalt und damit den Kernbestand unserer Gesellschaft.“

„Mit dieser Studie haben wir ganz offensichtlich einen Nerv getroffen“, so Prof. Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock. „Wir waren völlig überrascht über die hohe Beteiligung und vor allem über das außerordentliche persönliche Mitteilungsbedürfnis. Das Thema treibt Schriftstellerinnen und Schriftsteller stark um. Dieses Alarmsignal muss ernst genommen werden.“

Die Ergebnisse der Studie „Das freie Wort unter Druck“ werden auf der Frankfurter Buchmesse im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit dem Autor und Journalisten Günter Wallraff sowie dem Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, vorgestellt und diskutiert werden: Mittwoch, 10.10.2018, 15.00-16.00 Uhr, Bühne des Weltempfangs (Halle 4.1 B 81).

Kontakte:

Carlos Collado Seidel, Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland,
Tel.: 0157 / 31382637, presse [at] pen-deutschland [dot] de

Prof. Dr. Elizabeth Prommer, Institut für Medienforschung der Universität Rostock,
Tel.: 0381 / 4982718, elizabeth.prommer [at] uni-rostock [dot] de

PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.