Opposition in Russland: Das PEN-Zentrum Deutschland protestiert gegen die Untersuchungshaft der Künstlerin Aleksandra Skochilenko

Wo das freie Wort unterdrückt wird, sind Ideen vonnöten.

Pressemitteilung, Darmstadt, 28.6.2022. Aleksandra Skochilenko soll am 31. März in einem Perekrestok Supermarkt in St. Petersburg Preisschilder mit Protestnoten gegen den Krieg in der Ukraine vertauscht haben. Damit informierte sie auch über den russischen Luftangriff am 16. März auf ein Theater in Mariupol: „Die russische Armee bombardierte eine Kunstschule in Mariupol, in die 400 Menschen vor dem Beschuss geflüchtet waren“, hieß es auf den Zetteln.

Am 11. April wurde die Künstlerin und Musikerin verhaftet. Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die achtwöchige Untersuchungshaft wurde verlängert. Nun ist Skochilenko angeklagt wegen der „Verbreitung wissentlich falscher Informationen über den Einsatz der russischen Streitkräfte“. Im bevorstehenden Prozess wird ihr als Motiv ihrer Antikriegsaktion „politischer Hass auf Russland“ vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen Aleksandra Skochilenko bis zu zehn Jahre Haft. Zugrunde liegt das neue Gesetz, das Fake News über die russischen Streitkräfte verbietet.

Wegen einer Glutenintoleranz ist Aleksandra Skochilenko gesundheitlich beeinträchtigt. Da sie in der Untersuchungshaft weder die notwendige Ernährung noch medizinische Versorgung erhält, verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand.

Aleksandra Skochilenko, am 13. September 1990 in Leningrad geboren, ist Künstlerin und Musikerin. Ihr „Book about Depression“ (2014) half, die Krankheit in Russland zu entstigmatisieren. Für ihren Protest zu Beginn des russischen Angriffskriegs wurde sie am 24. Februar 2022 bereits zu einer Geldstrafe von 10 000 Rubeln verurteilt. „Ich unterstütze den Krieg in der Ukraine nicht. Ich bin heute auf die Straße gekommen, um das so laut zu sagen“, schrieb sie auf Instagram.

Gemeinsam mit Amnesty International protestiert das PEN-Zentrum Deutschland gegen die Kriminalisierung der Künstlerin und fordert ihre sofortige Freilassung.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Cornelia Zetzsche
Vizepräsidentin und Writers in Prison Beauftragte

 

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

Debatte um Äußerungen von PEN-Präsident Deniz Yücel zum Ukrainekrieg

Fünf ehemalige Präsident/innen des PEN haben ihren Nachfolger Deniz Yücel in einem Brief dazu aufgefordert, zurückzutreten, da er auf der Eröffnungsveranstaltung der 22. Lit.Cologne am 15. März 2022 mit seinen öffentlichen Äußerungen zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine gegen die Charta des PEN verstoßen habe.

Ausgewählte Beiträge, Interviews und Stellungnahmen zur Debatte

19.03.2022, 19 Uhr – buchmesse_popup in Leipzig: Nein zu Putins Krieg – Ukraine-Podium

Im Rahmen der buchmesse_popup in Leipzig findet ein Ukraine-Podium statt, das gemeinsam mit dem PEN entwickelt wurde. Unter dem Titel „Nein zu Putins Krieg“ sprechen die Autor*innen Marjana Gaponenko (Ukraine), Michail Schischkin (Russland), Volha Hapeyeva (Belarus) und Karl Schlögel (Historiker, Deutschland). Die Moderation übernimmt Cornelia Zetzsche (Bayerischer Rundfunk). Zur Veranstaltung begrüßt Deniz Yücel (Präsident des PEN-Zentrums Deutschland).

Das Literaturhaus Berlin wird den Abend auf literaturkanal.tv streamen.

Die buchmesse_popup ist eine Initiative der beiden Verleger Gunnar Cynybulk (Kanon Verlag) und Leif Greinus (Voland & Quist). Unterstützt werden sie unter anderem von den Aufbau Verlagen, C.H.Beck, Hanser, Jung und Jung, Klett-Cotta, Suhrkamp/Insel, Verbrecher Verlag und Wagenbach, die auch auf der buchmesse_popup vertreten sein werden.

Die über 60 Veranstaltungen finden vom 18. bis 20. März 2022 statt – in den Cammerspielen und der Halle D des Werk 2 sowie in der Suedbrause.

Lesungsprogramm und Informationen zum Kartenverkauf der buchmesse_popup

„Der Feind heißt Putin, nicht Puschkin“

Pressemitteilung, Darmstadt, 6. März.2022. Es herrscht Krieg in Europa. Der russische Autokrat Wladimir Putin lässt seine Truppen die Ukraine überfallen. Alle, die in diesem verbrecherischen Angriffskrieg zu Tode kommen, sind Putins Opfer: sowohl die ukrainischen Zivilist:innen, als auch die ukrainischen Soldat:innen, die die Freiheit ihres Landes gegen Totalitarismus und Willkür verteidigen. Und auch die oft getäuschten und stets schlecht ausgerüsteten russischen Soldat:innen, die im Kampf für Putins Machtphantasien und Bedrohungsparanoia sterben, sind Opfer dieses Völkerrechtsbruchs.

Darum begrüßt das deutsche PEN-Zentrum Maßnahmen, die geeignet sind, die russische Kriegswirtschaft zu schwächen und das Putin-Regime international zu ächten. Doch wenn vom Ausschluss aus dem SWIFT-System bestimmte Banken ausgenommen werden, um Gaslieferungen aus Russland nicht zu gefährden oder die Verluste deutscher Banken zu mindern, lautet die fatale wie falsche Botschaft: Europa ist solidarisch, solange es uns nicht zu viel kostet.

Angesichts solch inkonsequenten Maßnahmen – oder der lange Zeit insbesondere von der Bundesregierung verweigerten praktischen Hilfe an die Ukraine – wirken Forderungen, Bücher russischer Autor:innen zu boykottieren oder ihre Stücke nicht mehr aufzuführen, erst recht nach symbolischen Ersatzhandlungen. Ein pauschaler Boykott beträfe zudem die mutigen Kolleginnen und Kollegen in Russland, die Putins skrupelloser Gewaltherrschaft und diesem Krieg widersprechen.

Wenn wir uns zu solchen Reflexen, zu Pauschalisierungen und Anfeindungen gegen Russinnen und Russen hinreißen lassen, hat der Wahnsinn gesiegt, die Vernunft und die Menschlichkeit verloren. PEN-Präsident Deniz Yücel erklärte: „Der Feind heißt Putin, nicht Puschkin, Tolstoi oder Achmatowa. Der PEN steht an der Seite aller Menschen in allen Ländern, die in Frieden, Freiheit und Würde leben wollen.“

 

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Felix Hille
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#SkipPutin. Sprechen Sie mit den Russen

Als Schriftsteller wenden wir uns an alle, die Russisch sprechen. An Menschen aller Nationalitäten. An Muttersprachler. An all jene, für die Russisch eine zweite oder dritte Sprache ist. Das spielt jetzt keine Rolle.

Heute wird die russische Sprache vom russischen Staat benutzt, um Hass zu schüren und den schändlichen Krieg gegen die Ukraine zu rechtfertigen.

Amtliche Medien verheimlichen das Ausmaß der Aggression. Das russische Volk wird seit vielen Jahren mit Lügen abgespeist. Die unabhängigen Informationsquellen sind fast vollständig zerstört worden. Die Opposition ist zum Schweigen gebracht worden. Die staatliche Propagandamaschine arbeitet mit aller Kraft.

Gerade jetzt ist es wichtig, den russischen Bürgerinnen und Bürgern die Wahrheit über die russische Aggression gegen die Ukraine zu offenbaren. Über das Leiden und die Verluste des ukrainischen Volkes. Über Zivilisten, die angegriffen und getötet werden. Über die Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent. Und möglicherweise – angesichts der nuklearen Bedrohung – für die gesamte Menschheit.

Sie haben eine gemeinsame Sprache.

Das ist wichtig.

Bitte nutzen Sie alle Kommunikationsmittel. Telefon. Messenger. Email. Erreichen Sie die Menschen, die Sie kennen. Erreichen Sie Menschen, die Sie nicht kennen. Sprechen Sie die Wahrheit aus. Wladimir Putin ist blind und taub, vielleicht hören die Menschen in Russland auf diejenigen, die ihre Sprache sprechen.

Dieser ungerechte Krieg muss gestoppt werden.

#SkipPutin. Sprechen Sie mit den Russen

Владимир Сорокин \ Vladimir Sorokin
Светлана Алексиевич \ Svetlana Alexievich
Людмила Улицкая \ Lyudmila Ulitskaya
Дмитрий Глуховский \ Dmitry Glukhovsky
Виктор Шендерович \ Victor Shenderovich
Мария Степанова \ Maria Stepanova
Сергей Лебедев \ Sergei Lebedev
Лиза Александрова-Зорина \ Liza Alexandrova-Zorina
Саша Филипенко \ Sascha Filipenko
Алиса Ганиева \ Alisa Ganieva
Виктор Мартинович \ Viktar Martinowich
Максим Осипов \ Maxim Osipov
Александр Генис \ Alexander Genis
Лев Рубинштейн \ Lev Rubinstein
Александр Иличевский \ Alexander Ilichevsky
Михаил Шишкин \ Mikhail Shishkin

International supporters: Amir Hassan Cheheltan / J.M. Coetzee / Mathias Énard / Nuruddin Farah / Christoph Hein / Elfriede Jelinek / Pankaj Mishra / Herta Müller / Ilija Trojanow et al.

 

Grafik: PEN

Solidarität mit der Ukraine

„Wir alle sind Menschen des Wortes. Ich denke, bei allem, was uns auch sonst vielleicht auch unterscheidet, sind wir uns darin einig, dass wir auf die Kraft des besseren Arguments vertrauen und Gewalt verabscheuen.“ – PEN-Präsident Deniz Yücel

3-sat-Kulturzeit-Beitrag über den Ukraine-Krieg, Boykott vs. Diplomatie sowie die Solidaritätslesung unter Beteiligung des PEN im Maxim Gorki Theater in Berlin

Propaganda ist kein Journalismus. Aber gleich verbieten?

Foto: Urban Zintel

„Wer ‚Russia Today‘ und ‚Sputnik‘ verbietet, wird künftig ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen, die Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit in, zum Beispiel, Russland zu kritisieren.“

In seinem Beitrag in der WELT wägt PEN-Präsident Deniz Yücel das Für und Wider des Verbots der russischen Staatsmedien „RT“ und „Sputnik“ durch die Europäische Union ab.

Russland: Kundgebungen in mehreren deutschen Städten gegen die drohende Zerschlagung von Memorial

TERMINHINWEIS / EINLADUNG, 8.12.21. MEMORIAL Deutschland, das PEN-Zentrum Deutschland und Amnesty International in Deutschland rufen angesichts der drohenden Auflösung von MEMORIAL in Russland zu einer Kundgebung am 13.12. vor der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin auf.

Die drei Organisationen sind in großer Sorge um MEMORIAL. Über Anträge russischer Justizbehörden, sowohl die Internationale Gesellschaft MEMORIAL als auch das Menschenrechtszentrum MEMORIAL aufzulösen, wird derzeit vor Gerichten in Moskau verhandelt. Am Vorabend der Verhandlung über die Auflösung der Internationalen Gesellschaft MEMORIAL vor dem Obersten Gerichtshof in Moskau gibt es in mehreren deutschen Städten Solidaritätsaktionen.

Wann:
Montag, 13. Dezember 2021, 17.30 – 18.30 Uhr

Wo:
Vor der Botschaft der Russischen Föderation
Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin

Wer:
Sabine Erdmann-Kutnevic, Mitglied des Vorstands von MEMORIAL Deutschland e.V.
Dr. Julia Duchrow, Stellvertreterin des Generalsekretärs von Amnesty International in Deutschland
Dr. Christoph Links, Präsidiumsmitglied des PEN-Zentrums Deutschland
Tim Bohse, Projektleiter beim Deutsch-Russischen Austausch e.V. (DRA)
(Stand 8.12.2021)

Protestaktionen sind u.a. auch hier geplant:

München: Montag, den 13.12.2021 um 17.30 Uhr
voraussichtlich auf dem Geschwister-Scholl-Platz

Dresden: Montag, den 13.12.2021 um 17.00 Uhr
vor der Dresdner Frauenkirche, Neumarkt

Leipzig: Montag, den 13.12.2021 um 16.30 Uhr
vor der „Runden Ecke“, Dittrichring 24

Halle/Saale: Montag, den 13.12.2021 um 17.00 Uhr
vor dem Opernhaus, Universitätsring/Joliot-Curie-Platz

Hintergrund

Seit mehr als 30 Jahren leistet die von Andrej Sacharow gegründete und international vielfach ausgezeichnete Organisation eine beispielhafte Arbeit zur Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit und zum Schutz der Menschenrechte in Russland. Amnesty International und das PEN-Zentrum Deutschland teilen die Einschätzung der beiden russischen Träger des Friedensnobelpreises Michail Gorbatschow und Dmitri Muratow, nach der die langjährige Tätigkeit von MEMORIAL stets darauf abzielte, die historische Gerechtigkeit wiederherzustellen, die Erinnerung an Hunderttausende von Opfern und Unterdrückten zu bewahren und zu verhindern, dass sich deren Schicksal wiederholt.

Die Zusammenarbeit mit MEMORIAL hat seit Jahrzehnten zum wechselseitigen Verständnis der Gesellschaften Russlands und Deutschland beigetragen. Die aufrufenden Organisationen stehen an der Seite von MEMORIAL und rufen dazu auf, durch eine Teilnahme an den Kundgebungen am 13. Dezember ein sichtbares Zeichen der Solidarität zu setzen und die russischen Behörden aufzufordern, die Anträge auf Auflösung von MEMORIAL zurückzunehmen.

Bei Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestellen von MEMORIAL Deutschland, PEN-Zentrum Deutschland und Amnesty International in Deutschland.

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 23; Mobil: 0157/31382637; Fax.: 06151/293414
E-Mail: f.hille [at] pen-deutschland [dot] de

13.10.2021, 19 Uhr – Anzhelina Polonskaja und Kholoud Charaf im Gespräch in Regensburg

Ein Leben im Exil – der Verlust der Heimat – die Erfahrung von Fremde. Wie erleben zwei preisgekrönte, engagierte Lyrikerinnen diesen existentiellen Umbruch? Was bedeutet das Exil für ihr Leben, Denken, Schreiben?
Beide Dichterinnen sind seit Herbst 2020 Stipendiatinnen des Writers-in-Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums.

Anzhelina Polonskaya
© Oliver Lückmann

Anzhelina Polonskaja, Lyrikerin, Übersetzerin, ehemals Lehrerin und Eistänzerin, wurde 1969 in der Nähe von Moskau geboren. Ihre Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Aufgrund regierungskritischer Interviews und Veröffentlichungen (u.a. einem Libretto zum Untergang des U-Boots „Kursk“) war sie zunehmend der Bedrohung durch Polizei und Regierung ausgesetzt, es folgten Einbrüche in ihre Wohnung, Beschlagnahmung von Computer und Textmaterial, Verbot jeglicher literarischer Aktivität. Nach Schreibstipendien in den USA und Europa lebt Polonskaja seit 2020 in Dortmund. Vor kurzem erschien ihr Gedichtband „Unvollendete Musik“ im Leipziger Literaturverlag (2020).

Kholoud Charaf (© Oliver Lückmann)

Die Dichterin und Publizistin Kholoud Charaf wurde 1981 in Al-Mojaimr in Südsyrien geboren. Sie machte eine medizinische Ausbildung und studierte Arabische Literaturwissenschaften. 2013 leitete sie die medizinische Abteilung auf der Frauenstation des Hochsicherheitsgefängnisses von As-Suwayda. Als einzige zivile Angestellte und Zeugin der systematischen Missachtung der Menschenrechte der Gefangenen stand sie zunehmend unter Druck und Bedrohung von Polizei und Gefängnispersonal. Die überlebensnotwendige Selbstzensur der Schriftstellerin, die ständige Bedrohung durch den Bürgerkrieg und das Stigma als geschiedene Frau in der syrischen Gesellschaft führten zur Entscheidung, Syrien zu verlassen. In ihrem Gedichtband „The Remains of the Butterfly“ setzt sich Charaf mit dem Krieg in Syrien auseinander. Zur Zeit arbeitet sie an Prosatexten, in denen sie die Gräueltaten in ihrer Heimat literarisch verarbeitet. Sie hat bisher vier Bücher veröffentlicht, ihre Gedichte wurden in zehn Sprachen übersetzt.

Die Moderation und die Lesung der Texte auf Deutsch übernimmt Barbara Krohn Mitglied des PEN-Präsidiums).

Dies ist die zweite Veranstaltung der in Kooperation mit dem ebw Regensburg organisierten Reihe von Lesungen mit SchriftstellerInnen des Writers-in-Exile-Programms des deutschen PEN.

Bitte hier anmelden wegen der Anzahl an Plätzen und Covid-Bedingungen.

PEN-Exilprogramm fasst Fuß im Ruhrgebiet

Pressemitteilung, Darmstadt, 08. September 2020. Die verfolgte syrische Dichterin Kholoud Charaf ist am 28. August in ihrem sicheren neuen Zuhause in Kamen bei Dortmund angekommen. Auch die russische Lyrikerin Anzhelina Polonskaya kann am 18. September nach monatelanger, coronabedingter Verzögerung ihr neues Quartier in Dortmund beziehen. Mit diesen beiden verfolgten Schriftstellerinnen hat das Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums im Ruhrgebiet Fuß gefasst. Gegenwärtig bietet es verfolgten Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichsten Ländern eine sichere Unterkunft.

In mehr als zwanzig Jahren konnte mit diesem Programm bisher 60 Autorinnen und Autoren ein sicherer Lebens- und Arbeitsraum geboten werden. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, fördert die WiE-Arbeit vollständig mit umfangreichen Mitteln. Im Ruhrgebiet sollen die beiden geflüchteten Schriftstellerinnen Ruhe und Konzentration finden, um wieder ihrem Beruf, dem Schreiben, nachgehen zu können.

Bis zu drei Jahre stellt das deutsche PEN-Zentrum verfolgten Autorinnen und Autoren eine möblierte Wohnung zur Verfügung, dazu ein monatliches Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Redakteurinnen und Verlegern in ihrer Umgebung.

Kholoud Charaf (© Oliver Lückmann)

„Das Ruhrgebiet ist ein denkbar gut geeigneter Ort für die beiden verfolgten Autorinnen“, betont PEN-Generalsekretär Heinrich Peuckmann, der selbst in Kamen wohnt. „Hier leben traditionell Menschen aus unterschiedlichsten Regionen weitgehend friedlich nebeneinander. Unsere Stipendiatinnen werden sich hier wohl fühlen.“

Kholoud Charaf ist Dichterin, Kunstkritikerin und Publizistin. In Syrien war sie von Zensur bedroht, ihre Situation wurde auch für sie persönlich immer gefährlicher. Als Aktivistin setzte sie sich insbesondere für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Kindern in ihrem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land ein. Seit September 2020 ist sie nun Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms.

Angelina Polonskaja (© privat)

Anzhelina Polonskaya ist eine russische Dichterin und Librettistin. Sie beschäftigte sich in literarischen Texten mit dem umstrittenen Fall des im Jahr 2000 gesunkenen U-Boots „Kursk“, bei dem 118 Menschen starben. Seitdem und wegen ihrer regierungskritischen Äußerungen wurde Anzhelina Polonskaya bedroht und mit einem Schreibverbot von der russischen Regierung belegt. Ab Ende September wird sie als Stipendiatin des PEN-Zentrums in Dortmund leben.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Leander Sukov

Vizepräsident und Writers-in-Exile-Beauftragter

 

Die beigefügten Bilder dürfen Sie gerne ohne weitere Genehmigung unter Angabe des Copyrights verwenden.

Pressekontakt:

Susann Franke

PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/62 708 26; Fax.: 06151/293414
E-Mail: s.franke [at] pen-deutschland [dot] de

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.