„Leben aus dem Koffer. Gehversuche im Exil“

Die türkische Dokumentarfilmerin, Menschenrechtsaktivistin und Journalistin Şehbal Şenyurt Arınlı führt ein Leben im Exil. In ihrem neuen Buch „Leben aus dem Koffer“ gibt sie Einblick in ihre Vergangenheit, beschreibt aber auch ihre Hoffnungen für die Zukunft.
Als erste Frau hinter der Kamera engagierte sie sich in ihrem Heimatland vor allem für die Rechte von Frauen und Minderheiten. Ihr politisches Engagement und ihre Verbindungen zu kurdischen Medien führten schließlich zur Anklage und Inhaftierung. Nur durch einen Zufall kam sie frei und konnte nach Deutschland ausreisen. Nun verarbeitet die ehemalige Writers-in-Exile-Stipendiatin ihre Erlebnisse und gewährt Einblicke in ihr Leben im Exil in Deutschland.

Cover Leben aus dem Koffer

© Aschendorff Verlag GmbH & Co.KG

„Was ist mit dir passiert, als du, ohnehin heimatlos in deiner Heimat, dich aufgemacht hast in eine neue Heimatlosigkeit? Liegt es an der Unsicherheit, die gewohnte Umgebung zu verlassen, in der du dein ganzes Leben verbracht hast? Stimmt, aber meintest du nicht, deine Existenz hinge an einem seidenen Faden? Was ist passiert? Wurdest du etwa in das Fegefeuer zwischen ‚sagen und sein‘ geschleudert? …“

Herausgeber: Peter H.E. Gogolin / PEN Zentrum Deutschland
Übersetzungen von Sabine Adatepe, Mehmet Hulki Demirel und Monika Demirel
Deutsche Originalausgabe © 2022 Aschendorff Verlag GmbH & Co.KG
Erste Auflage: Januar 2022
239 Seiten
Sprache: Deutsch, Türkisch
ISBN : 978-3-402-24737-2
Hier bestellen

Das Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Autorinnen und Autoren, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird. Seit 1999 sind mehr als sechzig Literatinnen und Literaten Fellows dieses Exil-Programmes gewesen. Dieses Buch ist unter finanzieller Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien erschienen.

26.06.2021, 19 Uhr – Schreiben und Leben im Exil

Ein Gespräch zwischen Nazli Karabıyıkoğlu und Şehbal Şenyurt Arınlı in Nürnberg über den Einfluss ihres Lebens im Exil auf ihre Sprache, Literatur und Sichtweise auf das Heimatland

PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter Ralf Nestmeyer moderiert das Gespräch rund um den Gewerbemuseumsplatz.

Şehbal Şenyurt Arınlı (li.) und Nazli Karabıyıkoğlu (re.)                                                                 Fotos: © Stefanie Silber und privat

 

Das Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums ist gelebte Solidarität mit verfolgten Kollegen und Kolleginnen. Die Stadt Nürnberg beteiligt sich seit vielen Jahren am Programm und bietet SchriftstellerInnen ein temporäres Exil. Frei von existentieller Not können sie hier literarisch schreiben. Verändert sich die Sprache der StipendiatInnen und die Sichtweise auf das Heimatland im Exil? Wie nähert sich das Gastland durch Übersetzungen der im Exil entstandenen Texte seinen Gästen? Wie sprachlos sind sie tatsächlich? Diese und andere Fragen besprechen wir in kurzen Gesprächen mit: Nazli Karabıyıkoğlu, aus der Türkei stammende Aktivistin und Autorin, Şehbal Şenyurt Arınlı, ebenfalls aus der Türkei stammende Menschenrechtsaktivistin, Dokumentarfilmerin und Autorin.

In türkischer und deutscher Sprache (mit Übersetzung von Bediye Eskin)

Eine Veranstaltung im Rahmen der „texttage.nuernberg

Das Projekt wurde gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V.

Medienpartner: curt Magazin

 

Covid-19-Hygieneregeln bei Veranstaltungen

Liebe Literaturbegeisterte,

die Veranstaltungen der texttage sind größtenteils als Freiluftevents oder in Kleingruppen geplant. Je nach Infektionsgeschehen und der dann geltenden aktuellen Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung werden die Auflagen umgesetzt. Daher kann es kurzfristig zu Änderungen in der Durchführung des Festivals kommen. Wir bitten Sie, sich auf der Website texttage.nuernberg.de darüber tagesaktuell zu informieren.

Writers in Exile eine Stimme geben

Presseinformation, Darmstadt, 6. Mai 2020. Hier finden Sie die Übersicht unserer PEN-Stipendiatinnen und -Stipendiaten, die in Deutschland Zuflucht gefunden haben und persönliche Einblicke in ihr derzeitiges Leben im Exil geben können sowie fundierte Kenntnisse über die aktuelle Lage in ihren Heimatländern haben.

Gerne stellen wir Ihnen weitere Informationen zu den Exilschriftstellerinnen und -schriftstellern zur Verfügung und den Kontakt zu ihnen her, sollten Gastbeiträge, -kolumnen oder Interviews für Ihre Redaktion – etwa anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni – infrage kommen. Die Kosten für Übersetzungen werden ggfs. vom PEN übernommen.

 

Zu den Writers in Exile-Stipendiatinnen und -Stipendiaten

(Foto: © Aleksandra Bielak)

Umar Abdul Nasser ist ein irakischer Dichter und Filmemacher. Er lebte mehr als zwei Jahre lang im Versteck vor dem IS, bevor er es schaffte, das Land im Jahr 2016 zu verlassen. Die Arbeit von Umar wurde vom IS als unvereinbar mit dem islamischen Recht angesehen. Seine Gedichte reflektieren die Themen Frieden und Freiheit.

 

 

Der syrische Schriftsteller und Dissident Yassin al-Haj Saleh. Foto: Maurice Weiss / Ostkreuz

(Foto: © Maurice Weiss/Ostkreuz)

Yassin Al-Haj Saleh ist ein syrischer Schriftsteller und Regimekritiker, der schon in jungen Jahren die Auswirkungen der diktatorischen Regierung zu spüren bekam: Er saß 16 Jahre im Gefängnis. Nach seiner Entlassung schrieb er und engagierte sich weiterhin für ein demokratisches Syrien. Für die Zukunft ist sein größter Wunsch ein freies Syrien. Der Tucholsky-Preisträger schreibt jeden Tag, reflektiert über Syrien und aktuelle Geschehnisse.

 

(Foto: © Stefanie Silber)

Aleksei Bobrovnikov entlarvte als ukrainischer Autor und investigativer Journalist durch seine Recherchen Verbindungen zwischen einem Schmugglerring und dem ukrainischen Militär. Daraufhin erhielt er öffentlich Todesdrohungen und sah sich gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Momentan befindet er sich in den Endzügen seines neuen Buches, dem Dokumentarroman „Grauzone“, in dem er die Korruption der russischen Regierung und deren Strafverfolgung thematisiert.

 

(Foto: © Carole Parodi)

Aslı Erdoğan ist eine türkische Schriftstellerin und Journalistin. Sie war Kolumnistin der Tageszeitung Özgür Gündem und die Istanbuler Polizei verhaftete sie nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 wegen Störung der nationalen Einheit. Ende 2016 wurde Erdoğan unter Auflagen freigelassen. 2017 durfte sie ausreisen und kam nach Deutschland. Demnächst erscheint ein Sammelband ihrer Prosawerke.

 

(Foto: © Stefanie Silber)

Yirgalem Fisseha Mebrahtu ist eine eritreische Lyrikerin, Journalistin und Schriftstellerin. Bis zu ihrer Freilassung im Januar 2015 musste sie sechs Jahre lang unter schlimmsten Bedingungen im „Mai Swra“ Gefängnis ausharren, in das sie willkürlich ohne Anklage oder Gerichtsverfahren gesperrt wurde. Seitdem droht ihr eine erneute Verhaftung und sie ist auf der Flucht. Die Freedom of Expression-Preisträgerin steht im Briefwechsel mit Tanja Kinkel und arbeitet an einem Buch, das all jenen eine Stimme verleiht, die keine mehr haben.

 

Der kurdische Schriftsteller, Forscher und Übersetzer Sajjad Jahan Fard, der mit kurdischem Namen Jiyar Kirmanshani heißt, wurde 1985 im Dorf Niyan, in der ostkurdischen Provinz Kermanshah (Iran), geboren. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber

(Foto: © Stefanie Silber)

Sajjad Jahan Fard, oder mit seinem kurdischen Namen Jiyar Jahanfard, ist im Iran aufgewachsen. Seine Leidenschaft gilt der kurdischen Sprache und Kultur, über die er viel geforscht, gesammelt und verfasst hat. Aufgrund dessen wurde er mehrmals verhaftet, inhaftiert und steht im Iran unter ständiger Beobachtung.

 

 

(Foto: © Stefanie Silber)

Tomislav Kezharovski, nordmazedonischer Journalist und Autor, ist Gründer und Chefredakteur zweier Wochenzeitungen im ehemaligen Mazedonien. Wegen seiner Recherchen zu Korruption und organisierter Kriminalität, insbesondere innerhalb von Verwaltungs- und Regierungskreisen, kam er in Haft. Brutal verfolgt wurde er in der Republik Mazedonien zum Symbol der Rede- und Meinungsfreiheit. In seinem Buch „Life in the Box“ verarbeitet er seine traumatische Zeit im Gefängnis.

 

Şehbal Şenyurt Arınlı Foto: Stefanie Silber

(Foto: © Stefanie Silber)

Şehbal Şenyurt Arınlı ist eine türkische Dokumentarfilmerin, Menschenrechtsaktivistin und Journalistin. Als erste Frau hinter der Kamera in ihrem Heimatland engagierte sie sich vor allem für die Rechte von Frauen und Minderheiten. Ihr politisches Engagement und ihre Verbindungen zu kurdischen Medien führten schließlich zu einer Anklage und Inhaftierung. Nur durch einen Zufall kam sie frei und konnte nach Deutschland ausreisen. Momentan schreibt Şenyurt Arınlı an ihrem „Leben aus dem Koffer“, darin beschreibt sie die existentielle Verlorenheit in der Fremde, die Sehnsucht nach der ihr nun versperrten Heimat und die mühevollen Versuche, Ordnung in die aus den Fugen geratene Existenz zu bringen.

 

Fatuma Nurye Yimam wurde 1991 in Äthiopien geboren. Die Journalistin, Autorin und Aktivistin studierte von 2008 bis 2010 Marketing Management am Royal University College in Addis Abeba (Diplom) und anschließend ein Jahr Journalistik und Kommunikation an der Unity University. 2011 begann Yimam eine umfangreichen Recherche zu illegalen Migrationsrouten, die von Äthiopien in den Sudan oder nach Dschibuti führen. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber

(Foto: © Stefanie Silber)

Fatuma Nurye Yimam, äthiopische Journalistin und Aktivistin, recherchierte über illegale Migrationsrouten nach Dschibuti und andere Nachbarländer Äthiopiens. Sie gründete die Zeitung „Fact“, in der sie Missstände kritisierte. Die Regierung erhob daraufhin Anklage gegen sie, woraufhin sie zunächst in benachbarten Ländern Zuflucht suchte, bevor sie schließlich nach Deutschland kam.

 

 

Über das Writers in Exile-Programm des deutschen PEN-Zentrums

Das Writers in Exile-Programm ist ein Stipendienprogramm für verfolgte Autorinnen und Autoren, das von der Bundesregierung finanziert wird. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien fördert die WiE-Arbeit vollständig mit umfangreichen Mitteln. Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist eine starke Verbündete unserer Solidaritätsarbeit. Unsere Arbeit wird gestützt durch Städte wie Darmstadt, München, Nürnberg und anderen, nicht nur in der Frage der Behausung und der Ausstattung, sondern auch hinsichtlich der kulturellen Möglichkeiten, die eröffnet werden. Najet Adouani, Swetlana Alexijewitsch (Literaturnobelpreisträgerin 2015), Zaza Burchuladze, Yamen Hussein, Maynat Kurbanova, Itai Mushekwe, Ana Lilia Pérez, Pınar Selek, Amir Valle und Zhou Qing zählen zu den mittlerweile über 50 Autorinnen und Autoren, die Stipendiatinnen oder Stipendiaten waren. Der damalige Staatsminister für Kultur und Medien, Michael Naumann, begründete das besondere Engagement damit, dass es für uns in Deutschland eben auch darum gehe, einen Teil jener „Dankesschuld“ abzutragen, die sich aus der Tatsache herleite, dass während der Nazi-Diktatur so viele deutsche Intellektuelle in anderen Ländern Aufnahme fanden. Die geflüchteten Schriftstellerinnen und Schriftsteller sollen mithilfe des Exilprogramms in Deutschland die Ruhe und Konzentration finden, um wieder ihrem Beruf, dem Schreiben, nachgehen zu können. Bis zu drei Jahre stellt ihnen das deutsche PEN-Zentrum eine möblierte Wohnung in einer der größeren deutschen Städte zur Verfügung, dazu ein monatlich ausbezahltes Stipendium. Die Kolleginnen und Kollegen vom deutschen PEN bringen sie in Kontakt mit Redakteurinnen, Verlegern sowie den Kolleginnen und Kollegen in ihrer Umgebung.

Informationen zur Struktur und Organisation des Writers in Exile-Programms lassen sich der digitalen Broschüre entnehmen unter www.bit.ly/2ybxIh3.

 

Pressekontakt:
Susann Franke
PEN-Zentrum Deutschland e.V.
Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 26; Fax.: 06151/293414
E-Mail: s.franke [at] pen-deutschland [dot] d

Das deutsche PEN-Zentrum ist mit seinem Geschäftssitz in Darmstadt eine von weltweit über 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Der deutsche PEN begleitet mit Initiativen und Veranstaltungen das literarische Leben in der Bundesrepublik. Er bezieht Stellung, wenn er die Meinungsfreiheit, gleich wo, in Gefahr sieht. Er mischt sich ein, wenn im gesellschaftlichen Bereich gegen den Geist seiner Charta verstoßen wird.

Zwei Autorinnen im Transit. Ein Dialog.

Im Rahmen der literarischen Reihe des Writers in Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums ist ein Briefwechsel der besonderen Art entstanden. Terézia Mora, seit kurzem Büchner-Preisträgerin, und Şehbal Şenyurt Arınlı, Schriftstellerin, Dokumentarfilmerin und Stipendiatin des PEN-Exilprogramms, schreiben über Verluste, Einsamkeit, Außenseitertum, bedrohte Existenz. Sie schreiben von Privatem, Politischem und Gesellschaftlichem aus sehr persönlicher Sicht, hie und da scheren sie aus in die Historie ihrer Herkunftsländer: Türkei und Ungarn.

  • Zwei Autorinnen im Transit                                      (Şehbal Şenyurt Arınlı, Terézia Mora)
  • Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe,                     aus dem Deutschen von Cemal Ener
  • binooki Verlag
  • Erscheinungstermin: Oktober 2019
  • ISBN 978-3943562682
  • Preis: € 18,- (D)

 

PEN-Stipendiatin Şehbal Şenyurt Arınlı in der Räuberhöhle Ravensburg

Gut gefüllt war die Gaststätte Räuberhöhle in Ravensburg am 9. Februar 2020. Dort fand die 2. Lesung aus dem Writers-in-Exile Programm des PEN-Zentrums statt. Im Mittelpunkt stand die 1962 in Giresun / Türkei geborene Autorin Şehbal Şenyurt Arınlı, deren Briefwechsel mit der ebenfalls geflüchteten Terézia Mora in dem Buch „Zwei Autorinnen im Transit“ veröffentlicht wurde. 

Foto: Made Höld

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin Şenyurt Arınlı ist Dokumentarfilmerin und -produzentin, außerdem ist sie die erste Kamerafrau der Türkei. Als Gründerin des Dokumentarfilmerverbands BSB engagierte sie sich für die Präsenz von Frauen in der Filmbranche, entwickelte Workshops und Hochschulseminare und arbeitete intensiv zu den Themenkomplexen Genozid, Bevölkerungsaustausch, Exil / Verbannung. Sie engagierte sich in verschiedenen NGOs, besonders zur demokratischen Lösung des Kurdenkonflikts. Als Gründungsmitglied der Frauennachrichtenagentur JINHA widmete sie sich den Themen Minderheitsrechte, Antimilitarismus, Kampf für Frauenrechte oder der Entwicklung alternativer ökologischer Lebensmodelle. Wegen ihres Einsatzes für eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts wurde Şenyurt Arınlı wie hunderte andere Journalisten im Juli 2017 vom AKP-Regime inhaftiert. Nur durch einen Zufall kam sie frei und konnte nach Deutschland fliehen.

Doch der lange Arm der AKP reicht bis nach Deutschland. Für die Veranstaltung war es beinahe unmöglich, eine Dolmetscherin zu finden, wie Made Höld zu Beginn der Veranstaltung berichtete. Viele türkischstämmige Ravensburger fürchten, wegen häufiger Denunziationen durch AKP-Mitglieder, Probleme bei der Einreise in die Türkei, wenn sie bei systemkritischen Veranstaltungen in Erscheinung treten.

Foto: Made Höld

Nach Vorstellung der Autorin und ihres bisherigen Lebenswerkes führte Micha Matschinski (Bündnis für Bleiberecht) thematisch in die verschiedenen Themenschwerpunkte der einzelnen Briefe ein. Die Briefe erzählen von Privatem, Politischem, Gesellschaftlichem, teils aus ganz persönlicher Sichtweise, teils scheren sie aus in die Historie des Landes, aus dem sie gekommen sind. Dabei stellen die Autorinnen einander Fragen über das Sein und das Leben, über den Alltag, über Träume und Visionen für die Zukunft, über ihr persönliches Leben im Rückblick. So beschreibt Şenyurt Arınlı die Motivation für ihre Arbeit aus ihrer Lebenssituation in der Türkei, beschreibt ihre Eindrücke als Geflüchtete bei ihrer Ankunft in der BRD und gibt Auskunft über ihre politischen Visionen für ein friedliches Zusammenleben der Völker. In allen Textpassagen traf Regina Liberatore (Verein Nätwörk Süd) als Vorleserin exakt den warmen, nachdenklichen und auch hoffnungsvollen Ton, der eine vertraute, ja enge Verbindung zwischen der Autorin und dem Publikum herstellte. Abschließend konnte das Publikum dank des kurzfristig eingesprungenen Grünen-Stadtrat Ozan Önder als Dolmetscher noch weitere Fragen an die sympathische Autorin stellen. Auch die zweite Veranstaltung dieser Reihe bot sehr einfühlsame Ansichten in die Gefühlswelt von Menschen, die ins Exil gezwungen wurden. Die Veranstalter, die maßgeblich von der Buchhandlung Ravensbuch unterstützt werden, hoffen auf ein erneutes Wiedersehen mit Şehbal Şenyurt Arınlı, dann vielleicht in Zusammenhang mit einem ihrer vielen Dokumentarfilme.

Von Frank Matschinski

30.01.2020, 19:30 Uhr – Şehbal Şenyurt Arınlı liest aus literarischem Briefwechsel

Mehrere Monate lang schickten sich Terézia Mora und Şehbal Şenyurt Arınlı, Writers-in-Exile Stipendiatin des deutschen PEN, Texte, in denen es um ihren Alltag geht, ihre Ängste und Verunsicherungen, ihre Träume und Visionen für die Zukunft. Nun liest Arınlı  aus dem Briefwechsel „Zwei Autorinnen im Transit“.

Şehbal Şenyurt Arınlı
(Foto: Christian Thiel)

Şehbal Şenyurt Arınlı ist eine türkische Dokumentarfilmerin, Menschenrechtsaktivistin und Journalistin. Als erste Frau hinter der Kamera in ihrem Heimatland engagierte sie sich vor allem für die Rechte von Frauen und Minderheiten. Ihr politisches Engagement und ihre Verbindungen zu kurdischen Medien führten schließlich zu einer Anklage und Inhaftierung. Nur durch einen Zufall kam sie frei und konnte nach Deutschland ausreisen.

Gestaltung: Marc Berger

 

Der Eintritt ist frei.

Eine Veranstaltung der Fritz Hüser-Gesellschaft e.V. und des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt mit dem PEN-Zentrum Deutschland.

Zwei Autorinnen im Transit – Lesung eines literarischen Briefwechsels zwischen Terézia Mora und PEN-Stipendiatin Şehbal Şenyurt Arınlı

Pressemitteilung, Darmstadt, 5. November 2019. Im Rahmen der literarischen Reihe des Writers in Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums ist ein Briefwechsel der besonderen Art entstanden. Zwei Schriftstellerinnen korrespondieren über Wochen und stehen sich zum ersten Mal kurz vor der Abschlusslesung ihrer Briefe gegenüber: Terézia Mora, seit kurzem Büchner-Preisträgerin, und Şehbal Şenyurt Arınlı, Schriftstellerin, Dokumentarfilmerin und Stipendiatin des PEN-Exilprogramms. Zum dritten Mal wurde nun eine literarische Korrespondenz zwischen zwei AutorInnen durchgeführt. Die Initiatorin und Herausgeberin des Buches „Autorinnen im Transit“ ist Franziska Sperr (ehemalige Vizepräsidentin und WiE- Beauftragte). Die zweisprachige Publikation ist im binooki-Verlag, Berlin, erschienen.

Am 28. November 2019 in der Berliner Akademie der Künste werden sich die beiden Autorinnen zum ersten Mal gegenüber stehen, aus ihren Briefen lesen und sich vom ehemaligen PEN-Präsidenten, dem Schriftsteller Gert Heidenreich zu ihren Texten befragen lassen.

Obwohl sie sich nie begegnet sind, wissen sie viel übereinander: die bekannte, mit Literaturpreisen überhäufte Terézia Mora und die vor einem Jahr in Deutschland angekommene, in der deutschen Literaturszene noch unbekannte Şehbal Şenyurt Arınlı. Mehrere Wochen lang schickten sie einander Texte, in denen es um ihren Alltag geht, ihre Ängste und Verunsicherungen, ihre Träume und Visionen für die Zukunft.

Terézia Mora ist hier seit Jahren sehr bekannt. Ihre Briefpartnerin steht erst am Anfang ihrer schriftstellerischen Existenz in Deutschland. Sie wurde 2017 wegen ihres Engagements für die kurdische Minderheit in der Türkei festgenommen und konnte nur durch einen Zufall fliehen und bei uns Zuflucht finden.

Trotz der Unterschiedlichkeit ihrer Lebensläufe kreisen die Briefe nicht nur um das Thema Schreiben, sondern auch um Verluste, Einsamkeit, Außenseitertum, bedrohte Existenz. Sie schreiben von Privatem, Politischem und Gesellschaftlichem aus sehr persönlicher Sicht, hie und da scheren sie aus in die Historie ihrer Herkunftsländer: Türkei und Ungarn.

28. November 2019, „Autorinnen im Transit – Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Terézia Mora und Şehbal Şenyurt Arınlı“

in der Akademie der Künste, Pariser Platz in Berlin, 19 Uhr

 mit:

  • Şehbal Şenyurt Arınlı, Writers in Exile-Stipendiatin, Dokumentarfilmerin, Menschenrechtsaktivistin und Journalistin
  • Terézia Mora, Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Übersetzerin
  • Gert Heidenreich, Schriftsteller und Journalist, ehem. PEN-Präsident
  • Franziska Sperr, Autorin, ehem. Writers in Exile-Beauftragte und Vizepräsidentin des deutschen PEN-Zentrums
  • Helene Grass, Schauspielerin
  • Die Lyrischen Saiten (Musik)
  • Elif Amberg (Dolmetscherin)

 

Presseexemplare sind auf Anfrage beim binooki Verlag [presse [at] binooki [dot] com] erhältlich. Gerne stellen wir Ihnen auch die Druckfahnen für Ihre Berichterstattung zur Verfügung. Weitere Informationen und Interviewanfragen gerne per E-Mail an presse [at] pen-deutschland [dot] de.

 

Pressekontakt:

Susann Franke
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/627 08 26; Fax.: 06151/293414
E-Mail: s.franke [at] pen-deutschland [dot] de

28.11.2022 – Wer rettet Erdoğan diesmal, und wie?

Şehbal Şenyurt Arınlı

Wer rettet Erdoğan diesmal, und wie?

Wie es aussieht, werden alle Befürchtungen wahr.

Es erreichen uns Informationen, wonach mit der Besetzung an der nordöstlichen Grenze Syriens durch die türkische Erdoğan-Diktatur schlummernde Zellen des IS begonnen haben, in Aktion zu treten, es aufgrund der Schwächung der Sicherheit in den IS-Lagern durch deren Bombardierung zu Fluchtversuchen aus diesen Lagern kommt und IS-Kämpfer verstärkt Versuche unternehmen, ihre Mitstreiter aus den Lagern zu befreien. Und es ist gerade einmal der vierte Tag der Besetzung.

Ein junger Mensch, der heute in der Türkei siebzehn Jahre alt ist, kennt keinen anderen Minister-/Staatspräsidenten als Tayyip Erdoğan. Diese junge Generation hat ihr Leben einzig und allein in einer vom Erdoğan-Regime gelenkten Türkei verbracht. Seit er als Stimme der unter dem Laizismus der Republik Türkei benachteiligten islamischen Bevölkerungsgruppe an die Macht gelangt ist, hat er Schritt für Schritt mit Tausenden von politischen Manövern seine Existenz aufrechterhalten. Wobei er stets diesen islamischen Boden nährte, der Erdoğan zu Erdoğan gemacht hat. Am meisten aber die alte und heimlich oder offen chronisch gewordene Angst der Türken vor der Spaltung nutzte, die ihren Ursprung im Niedergang des osmanischen Reiches, ja eigentlich in noch früheren Zeiten, in der Massenflucht von der Balkanhalbinsel vor dem Ersten Weltkrieg hatte. Die Opposition mit dieser tiefen Angst lähmte; die berechtigten Forderungen der Kurden in die Soße dieser Angst tunkte und so die Opposition dazu brachte, zu kapitulieren. Eine sehr alte und in die Tiefe gehende Geschichte … Vielleicht ist das hier inmitten des heißen Krieges nicht der richtige Ort. Kurzgefasst setzt er bekanntlich so oder so als der letzte starke Mann in der Türkei seine Diktatur fort. Aus der Weltgeschichte wissen wir, dass sich Diktaturen an ihrem nahenden Ende vom Krieg nähren. Seit in der Kurdenfrage der mit unendlichen Bemühungen aufgebaute Friedenstisch umgeworfen wurde, erlebt die Türkei einen nicht endenden Krieg. In jeder Hinsicht. De facto und physisch. Mit der ohnehin problematischen und nun völlig abgeschafften Gedanken- und Redefreiheit, dem fehlenden Recht auf einen fairen Prozess, mit der Verletzung aller anderen bekannten Rechte erleben wir einen wahren Krieg. Von dem Moment an, als während der Wiederholung der letzten Istanbuler Wahlen die Möglichkeit einer Gegenkraft in Form einer vereinten Opposition aufkam, gewann das alte Spiel wieder an Kraft. Nämlich die Solidarität zwischen der HDP-Basis und anderen oppositionellen Gruppierungen in der Türkei, die entschlossen ihre Politik für eine demokratische Lösung der Kurdenfrage fortführten, abzuschaffen. Als Erdoğan diesen Besatzungskrieg begann und ihn präsentierte, als handelte es sich um eine „nationale“ Angelegenheit, stellte sich wieder ein Großteil der Opposition, allen voran die Führung der CHP, hinter Erdoğan. Wie bei vielen anderen Anlässen zuvor haben sie, wie es aussieht, noch einmal beschlossen, Erdoğan zu retten. Denn irgendwie ist Erdoğan nunmehr der derzeitige Fortführer jener alten und tiefen Ideologie des „türkischen Staats“. So ist es, ob er stiehlt oder betrügt, ob es von allen Seiten heißt, er nähre ein Monster wie den IS; und wenn das Problem als „nationales“ präsentiert wird, ist alles andere vergessen. Man kann kaum noch zählen, wie oft die CHP unter dem Parteivorsitz von Kemal Kılıçdaroğlu Erdoğan gerettet hat. Bedauerlicherweise kann man unter dem Schutzschirm der Angst vor der Teilung sich sogar Seite an Seite mit dem IS stellen, um gegen die Kurden zu sein.

Andererseits ist es fraglich, wie lange diese Erdoğan-Rettungen noch weiter gehen werden, die über Waffenhandel und andere Handelsbereiche laufen und, schlimmer noch, über das Erpressungsinstrument „Senden der syrischen Flüchtlinge nach Europa, Öffnung der Grenzen“. Wer kann garantieren, dass die Erpressungen eines Diktators, der es gewohnt ist, jede Art von Schritten jenseits jeglicher Ethik zu unternehmen, um sein Regime/Sultanat fortzuführen, sich dank dieser Besetzung nicht demnächst in ein „Eyyy Europa, der IS ist unter meiner Kontrolle, ich schicke seine Leute nach Europa, haaa!“ verwandeln?

Handelsbeziehungen, die für normale demokratische Staaten natürliche Prozesse sind, darunter insbesondere der zur Rüstungsindustrie gehörende Waffenhandel, wurden unter dem Erdoğan-Regime wahrhaft zu einem Bestechungsinstrument, beinahe zu tragikomischen Alltagsgesprächen an Esstischen. Dasselbe gilt auch für die Flüchtlingsproblematik. Ja, und neues Thema werden nun die IS-Kämpfer werden. Sind nicht unzählige Journalisten, Autoren, Intellektuelle, Akademiker und Reporter ins Gefängnis gegangen oder waren gezwungen, ins Ausland zu gehen, weil sie neben zahlreichen Rechtsverletzungen aufgedeckt haben, dass der IS mit Waffen unterstützt wurde? Das alles sind nunmehr bekannte Themen. Aus dem Blickwinkel der europäischen Länder sieht es so aus, als könne man dieses Thema, bei dem man eh zu spät gehandelt hat, nicht mehr allzu sehr auf die lange Bank schieben. Die IS-Kämpfer können jeden Moment aus den Lagern freigelassen werden, und bekanntermaßen ist völlig unklar, wo sie wieder auftauchen werden. Wie kann man die Diskussionen darüber vergessen, dass die in Europa explodierten Bomben über die Türkei hereingekommen sind? Vielleicht hat es sogar, während diese Zeilen geschrieben werden, Flüchtende und Befreite aus den Lagern gegeben, die dank der Bomben der türkischen Armee zerstört worden sind.

Die Welt schuldet dem kurdischen Volk unendlich viel. Seit Jahren haben sie auf Kosten vieler Hunderte Menschenleben dem IS den Durchgang verweigert; wieder waren es die Kurden, die jahrelang trotz ihrer lauten Hilferufe mit dem Problem der in Lagern internierten IS-Kämpfern allein gelassen wurden. Wenn Europa ein wenig atmen kann, dann dank dieses Widerstands, dieser Umsicht der Kurden. Und das weiß jeder. Ist die Begleichung dieser Schuld nicht längst überfällig?

Finnland, Norwegen, Schweden und die Niederlande haben jeweils einen Schritt unternommen. Sie kündigten an, ihre Waffenlieferungen an die Türkei auszusetzen. Auch andere Länder ergreifen ähnliche, Hoffnung erweckende Maßnahmen. Diese und ähnliche Schritte mit Entschiedenheit zu tun und noch effektivere Schritte hinzuzufügen, diese Maßnahmen bis zum Ende zu verfolgen, ohne vor Erpressungen zu kapitulieren, und tatsächlich echte, langfristige Lösungen für das Problem zu finden, wird auch die anderen, in der ganzen Welt aufkommenden autoritären Bestrebungen in hohem Maße eindämmen.

Nicht nur im Nordosten Syriens, oder in der Türkei, überall in Europa und in anderen Ländern der Erde gehen die demokratischen Volksmassen auf die Straßen. Schenkt den Antikriegsforderungen der Völker Euer Ohr!

Gestattet Erdoğan nicht, diesmal den IS zu retten! Denn diese Erlaubnis bleibt im Gedächtnis der Völker auf ewig haften wie eine düstere Medaille am Hals der derzeitigen Entscheidungsträger!

Nürnberg, 12.10.2019

Şehbal Şenyurt Arınlı: Nach fast zwei Jahren in Nürnberg

Şehbal Şenyurt Arınlı, türkische Journalistin, Menschenrechtsaktivistin und Dokumentarfilmerin, wurde 1962 in Giresun/Türkei geboren. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber

Şehbal Şenyurt Arınlı
Foto: Stefanie Silber

Nach fast zwei Jahren in Nürnberg

Eine Stadt kennenlernen … sich in dieser Stadt selbst neu entdecken …

Eine Silhouette betrachten … als würde man die eigene Vergangenheit betrachten …

Mit jedem neuen Ort erneuerst du dich, mit jedem Neuankömmling wird aus einer Stadt etwas Neues!

Straßen betreten, schon bekannte, dann unbekannte … anschauen … erleben …. empfinden … ins Leben eintauchen … zulassen, dass sie dich berühren.

Dass man die Spuren der Vergangenheit so sorgfältig bewahrt, ist wunderbar! Dies mag einem in Europa aufgewachsenen Menschen ganz normal vorkommen und kann mit der Begründung, dass das Leben schließlich ja weitergeht, auch heftig kritisiert werden. Wenn Sie aber aus Anatolien oder dem Nahen Osten kommen, wo man Spuren der Vergangenheit wie Sünden verhüllt oder tilgt und den Gedanken der Bewahrung – sei es bewusst oder unbewusst –geistig ganz grundsätzlich ablehnt, die Vergangenheit entwertet und unbarmherzig ausradiert … ja, dann ist dies außerordentlich!

Was Sie bei der Ankunft in Nürnberg zunächst empfängt, ist diese im Anklang an die Vergangenheit wieder erstandene Silhouette. Das Wichtigste dabei ist, dass die Bevölkerung das Zerstörte im Streit mit den Entscheidungsträgern wieder aufbauen ließ! Wenn es auch im Schulterschluss mit Leutengeschehen ist, die sagten, „Wir haben es zerstört, baut ihr es wieder auf“, so waren es doch Menschen, die quasi einem instinktivem Drang zur Selbstheilung folgten: „Dies ist mein Leben!“ Mit jedem Tropfen Schweiß, der in diesen Steinen steckt …

Sich in einer neuen Stadt selbst neu entdecken … Den Spuren der Erfahrungen nachgehen, die eine Stadt zur Stadt machen … Anknüpfungspunkte finden. Noch einmal in Frage stellen, was dich selbst ausmacht. Frei von Aufregung sein, innerliche Ruhegenießend.

Stimmen aus vergangenen Jahrhunderten … der Musik der Stadt zuhören!

Jede Stadt hat ihre Musik. Was könnte die Musik dieser Stadt sein?

Vielleicht die Pegnitz. Vielleicht all die Brücken über die Pegnitz … die Museumsbrücke, die Karlsbrücke … Vielleicht – nein, ganzsicher – Hans Sachs. Albrecht Dürer, der dieser Stadt seinen Stempel aufgedrückt hat, kann ich aus irgendeinem Grunde nicht erspüren! Vielleicht, weil ich seine Werke in Museen anderer Länder gesehen habe, sie aber bis auf ein paar Ausnahmen hier nicht zu sehen sind? Vielleicht habe ich sie aber auch nur noch nicht gefunden. Der Trödelmarkt, der Hauptmarkt? Der Handwerkerhof! Die Trümmerfrauen, die die Stadt wiederaufgebaut haben? Vielleicht die Spitäler. Vielleicht die nur noch auf Fotos und Zeichnungen erhaltene Große Synagoge, an die heute eine Plakette erinnert … der Leo Katzenberger Weg. Vielleicht… die Menschen, die aus Afrika, Anatolien, Asien, dem Nahen Osten oder Lateinamerika gekommen und ohne Aussicht auf Rückkehrhiergeblieben sind …  Migranten, die sich an einen Hauch von Leben in Ruhe und Sicherheit zu klammern versuchen … Wanderarbeiter, die das Rad am Laufen halten? Jene, die Tag für Tag gegen Krieg, Zerstörung und Vernichtung in ihren Herkunftsländern auf die Straße gehen? St. Johannis … oder die Südstadt! Dort gibt es einen Rüstungsbetrieb, nicht wahr? Was soll man zu den Hinterlassenschaften der Nationalsozialisten sagen? Lindenbäume, die sich im Wind wiegen … Eichhörnchen, die morgens auf meinen Balkon klettern … Überraschend und mitten in der Stadt, der Blickwechsel mit einer Eule! Ehrenamtliche, die zur Versorgung eines verletzten Zugvogels ins Haus kommen … Der Mann aus dem postkolonialen Togo mit seinen Gedichten in der Tasche? Die Friedhofsbesucher? Die Kinder unter der Brücke … oder jene glücklichen Kinder, die sich im Spiel ihre und unsere Zukunft ausdenken?

Die Melodie Nürnbergs

Welcher Komposition folgt sie? Nürnberg, was ist das für ein Ort? Welcher Sturm hat mich in diese Stadt geweht, die Stürme erlebt und ihnen standgehalten hat?

Vom Hauptmarkt zur Burg, ein kleiner Anstieg. Ich steige gemächlich nach oben, an der Ecke ein kleines Schild: „Antiquitäten“. Souterrain eines Altbaus, kleine Fenster. Nicht klar, was drinnen ist. Eine Tür mit kleinen und größeren Plakaten verhängt und zu. Eine Stimme: „Komm rein“.

Beim Drücken der Klinke ertönt eine Glocke. Im Halbdunkel ein zwei Stufen runter. Alles voller Bilder, manche mit, manche ohne Rahmen, überwiegend naive Kunst. Bayern im Klein- und Großformat! Menschen, Natur, Häuser, Straßen, Schlösser … Jagdszenen, Handwerk, Feste und Tafelrunden … Bayern! Ein alteingesessener Zuwanderer aus Jugoslawien sammelt Bayern und überliefert so den Bayern Geschichtchen aus Bayern. Einfache Leute, das ganz normale Leben … in ihren Lederhosen oder Dirndln schaut der oder die Abgebildete stolz, streng oder verzweifelt ihren Maler an und damit Sie als Betrachter. „Gut, dass ich gekommen, gut, dass ich hier lebe“, sagt der Einwanderer. Und fügt hinzu: „Wir haben auch viel durchgemacht. Und es hat Jahre gedauert, bis ich das akzeptiert habe.“

Dann ein Gemälde … im Germanischen Nationalmuseum … Jahr 1649. Ein Tisch, an dem über die Umsetzung der Verträge von Münster und Osnabrück verhandelt und beschlossen wurde, die den Dreißigjährigen Krieg beendeten … von Menschen umringt … Ort des Geschehens, Nürnberg. Verträge, die den Grundstein für eine Transformation der Reiche in Nationalstaatenlegten, die sich noch Jahrhunderte hinziehen sollte.

Und natürlich gehen mir die Nürnberger Prozesse durch den Kopf, eine der ersten ernsthaften Auseinandersetzungen der schriftlich überlieferten Geschichte. Die Ohrfeige zum Aufwachen aus Lügengeschichten – knallhart.

Warum verbindet man mit manchen Städten Krieg, mit anderen Frieden? Warum und wie dringen Krieg und Frieden in das Gewebe jener Menschen ein, die dort leben? Wie stark werden die Menschen in diesen Städten von jenen Geschichten geprägt, die dort die Luft, das Wasser und die Atmosphäre durchweben?

Ich komme aus einem Land, in dem man – meist unter dem Vorwand der Modernisierung – die Umwelt zerstört, in dem man Menschen tötet, ihre Leichen auf der Straße liegen lässt, die meisten Kinder von staatlich Bediensteten getötet werden und Babys in Gefängnissen aufwachsen. Mein zweites Jahr hier geht zu Ende. Was hat sich in diesen zwei Jahren in dem Land geändert, das ich hinter mir lassen musste? Auch wenn hin und wieder ein Schimmer Hoffnung aufflackert, im Grunde nichts! Noch immer landen tausende von Menschen im Gefängnis, weil sie ihre Meinung gesagt haben; Selahattin Demirtaş, Gültan Kışanak, Osman Kavala, Nedim Türfend, Ahmet Altan… und viele uns vom Namen her mehr oder weniger bekannte Leute. Die Flutung von Hasankeyf, der Bergbau beim Naturschutzgebiet im Ida-Gebirge, das Kernkraftwerk am erdbebengefährdeten Standort Mersin-Akkuyu, Eingriffe auf den Almen an der Schwarzmeerküste, das Wasserkraftwerk am Munzur…hunderte Hektar gerodete oder abgebrannte Waldflächen … ausgetrocknete Flussbette … Mögen die Paläste bestimmter Leute immerdar ihren Glanz verbreiten – immer schneller schreitet die Naturzerstörung voran, so wie es seit Jahrhunderten und auch in anderen Ländern der Fall ist. Militärische Einfälle in Nordsyrien werden in zwischenstaatlicher Absprache ausgeweitet, die Zypern-Problematik spitzt sich wieder zu … Folter in Gefängnissen und die Probleme der erkrankten Gefangenen halten an, wichtiger noch, die Zahl der Kinder in den Gefängnissen nimmt ständig zu. Wegen Überfüllung der Zellen schlafen Häftlinge in Tag- und Nachtschichten und viele neue Gefängnisse werden gebaut. Was soll man noch sagen? Wenn auch nicht im Detail, geht es dabei um hier bekannte Geschichten.

Mein Leben in Nürnberg wird von all diesen Dingen und noch vielen anderen überschattet.

Nürnberg ist eine Stadt, die sich in Menschenrechtsdingen als sensibel präsentiert. Tausende Migranten aus dutzenden Ländern. Jede einzelne Gemeinschaft mit großen Problemen, ein gemeinsames Zusammenleben aufzubauen ist schwer. Es gibt ernsthafte Bemühungen. Ob im institutionellen Sinne lautstarke Stimmen dahingehend zu vernehmen sind, dass man die Probleme gemeinsam lösen muss, weiß ich noch nicht.

Stimmen … Worte … Geschichten

Eine Kaffeepause am Hauptmarkt. Ein Tag mit Hochbetrieb, alle Tische besetzt. Unter den Passanten ein betagtes Ehepaar, Hand in Hand. Er mit Hosenträgern und Panamahut, die Dame mit lilafarbenem Handtäschchen und farblich passendem Federhut. Gebückt und mühsam gehend suchen sie einen Platz. Unsere Blicke treffen sich. Ich sitze allein am Tisch, sie kommen heran und fragen:

„Dürfen wir uns dazusetzen?“

„Natürlich!“, antworte ich und sammle meine Sachen zusammen, um Platz zu machen.

Schnell kommen wir ins Gespräch, ich mit meinem holprigen Dreizehnmonatsdeutsch. Die Frau zwinkert mir mit ihren meergrünen Augen zu während sie langsam und deutlich redet, wohl, damit ich sie verstehe. Es hat sie aus Polen hierhin verschlagen. Eine von denen, die dem Lager lebend entkommen sind. Sie war Jahre, Jahrzehntelang auf der Suche nach ihrer „kleinen, unschuldigen“ Schwester. Auf einer dieser Spurensuchen hatte sie die Bekanntschaft mit diesem Nürnberger Herren gemacht. Zusammen haben sie weitergesucht. Wieder jahrelang. Vor fünf Jahren hatten sie die Schwester in Russland ausfindig gemacht. Zwei Wochen vor ihrem Tod! Nur fünf Mal konnten sie noch miteinander telefonieren. Nur zur Beerdigung konnten sie noch kommen.

Entscheidungen von Machthabenden und das Leben der einfachen Leute … im Gestern und heute … Unglück nimmt andernorts in anderer Form seinen Lauf. Stimmen … Worte … Geschichten – Auch ich werde langsam Teil dieser Geschichten. Als Geschichtenerzählerin würde ich gerne auch die Geschichten dieser Menschen übermitteln. Die Musik der Stadt, in der ich lebe.

Manchmal beschäftigen mich auch die in der Türkei entstandenen Werke jener deutschen Künstler und Wissenschaftler, die der Zeit des 2. Weltkriegs ins Exil gehen mussten: Viktor Ullman, Paul Hindemith, Carl Ebert, Prof. Albert Malche, Philippe Schwartz, Ernst Reuter Alexander Rüstow, Gerhard Kessler, Curt Kosswig, Ernst Eduard Hirsch und viele mehr. Manche von ihnen sind zurückgekehrt, einige blieben und haben als „Heimatlose“ Spuren auf ihrem neuen Fleck Erde hinterlassen.

Handlungsorte und Rollenverteilung dieser wohl tausendfach erlebten Geschichte haben sich geändert. Mögen die Auflehnung gegen Ungerechtigkeit und der solidarische Zusammenhalt stets fortbestehen!

Nürnberg, der Lebensmittelpunkt meines Lebens im Exil! Mein jetziger Zufluchtsort! Meine sprachlosen Begrüßungen! Meine warmherzigen Nachbarn, die mich zu verstehen versuchen. Meinen den alten hinzugefügten neuen Freunden!

Vom Westfriedhof noch eine kleine Notiz: „Wenn die Zeit endet, beginnt die Ewigkeit“.

Şehbal Şenyurt Arınlı

Nürnberg, im August 2019

 

Übersetzung – Harald Schüler & Susanne Schneehorst

Erstveröffentlichung in gekürzer Form bei den Nürnberger Nachrichten:‘ ‚.((strlen(‚https://www.nordbayern.de/was-ist-der-klang-von-nurnberg-1.9307116‘)>40) ? substr(‚https://www.nordbayern.de/was-ist-der-klang-von-nurnberg-1.9307116′,0,40).’…‘ : ‚https://www.nordbayern.de/was-ist-der-klang-von-nurnberg-1.9307116′).‘

Das PEN-Zentrum Deutschland auf der Frankfurter Buchmesse 2018 – Impressionen

Zum 70. Mal fand dieses Jahr vom 10.10.-14.10. die Buchmesse auf dem Messegelände Frankfurt statt. Als Teil der größten internationalen Buchmesse stellte sich das PEN-Zentrum Deutschland mit einem Stand vor und informierte die Besucher über die Schriftstellervereinigung, das Writers-in-Exile-Programm und die Writers-in-Prison-Arbeit.

Impressionen

Podiumsdiskussion "Bilder bauen Welten: die Macht des (un)sichtbaren Narrativs“ mit PEN-Präsidiumsmitglied Nina George, der Grimmer-Preisträgerin Maren Kroymann und Prof. Dr. Elizabeth Prommer Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Podiumsdiskussion „Bilder bauen Welten: die Macht des (un)sichtbaren Narrativs“ mit PEN-Präsidiumsmitglied Nina George, der Grimme-Preisträgerin Maren Kroymann und der Direktorin des Instituts für Medien­forschung an der Universität Rostock, Prof. Dr. Elizabeth Prommer
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

V. l. n. r.: PEN-Generalsekretär Carlos Collado Seidel, Prof. Dr. Elizabeth Prommer und Journalist Günter Wallraff während der Podiumsdiskussion „Das freie Wort unter Druck? Selbstzensur in Deutschland“
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse stellte der deutsche PEN eine Studie vor, die das Institut für Medienforschung der Universität Rostock in seinem Auftrag durchgeführt hat. Es diskutierten u. a. der Journalist Günter Wallraff (li.) und der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis (re.)
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Stand des deutschen PEN auf der Frankfurter Buchmesse
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Der georgische Autor und ehemalige Writers in Exile-Stipendiat Zaza Burchuladze (li.) stellte unter Moderation von PEN-Präsidiumsmitglied Ilija Trojanow (re.) sein 2018 beim Aufbau Verlag erschienenes Buch „Der aufblasbare Engel“ am Stand des Hessischen Literaturrats e. V. vor. Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

V. l. n. r.: Writers-in-Exile Projektleiterin Sandra Weires-Guia, der ehemalige Writers-in-Exile Stipendiat Zaza Burchuladze und Writers-in-Exile Projektmitarbeiterin Kerstin Martini
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Der kamerunische Autor Enoh Meyomesse (ehemaliger Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat der Wissenschaftsstadt Darmstadt) wurde in Lesung und Gespräch von Franziska Sperr, Vizepräsidentin und Beauftragte für Writers in Exile des deutschen PEN-Zentrums, vorgestellt. Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Der kamerunische Autor Enoh Meyomesse (ehemaliger Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat der Wissenschaftsstadt Darmstadt) wurde in Lesung und Gespräch von Franziska Sperr, Vizepräsidentin und Beauftragte für Writers in Exile des deutschen PEN-Zentrums, vorgestellt.
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Ralf Nestmeyer, Vizepräsidentin und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN, vor der Podiumsdiskussion „Quo vadis Polen?“ Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN, vor der Podiumsdiskussion „Quo vadis Polen?“
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Podiumsdiskussion „Quo vadis Polen?“ Auf der Bühne des Weltempfangs diskutierten unter Moderation des Journalisten und Sachbuchautors Thomas Urban (li.), die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Aleksandra Rybińska, der Historiker Prof. Dr. Martin Schulze Wessel (2. v. r.) und der Historiker und ehemaliger Berater von Donald Tusk, Prof. Dr. Paweł Machcewicz Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Podiumsdiskussion „Quo vadis Polen?“
Auf der Bühne des Weltempfangs diskutierten unter Moderation des Journalisten und Sachbuchautors Thomas Urban (li.), die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Aleksandra Rybińska, der Historiker Prof. Dr. Martin Schulze Wessel (2. v. re.) und der Historiker und ehemaliger Berater von Donald Tusk, Prof. Dr. Paweł Machcewicz
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Historiker Prof. Dr. Martin Schulze Wessel und die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Aleksandra Rybińska während der Podiumsdiskussion „Quo vadis Polen?“
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Prof. Dr. Paweł Machcewicz Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Prof. Dr. Paweł Machcewicz
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

V. l. n. r.: PEN-Präsidentin Regula Venske, Writers-in-Exile Stipendiatin Şehbal Şenyurt Arınlı, Autorin Aslı Erdoğan sowie Lyrikerin und Übersetzerin Pegah Ahmadi während der Podiumsdiskussion „Exil – Hoffnungen und Hindernisse“ auf der Bühne des Weltempfangs
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Şehbal Şenyurt Arınlı ist eine türkische Dokumentarfilmerin, Menschenrechtsaktivistin, Journalistin und seit 2017 Writers-in-Exile Stipendiatin des deutschen PEN. Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Şehbal Şenyurt Arınlı ist eine türkische Dokumentarfilmerin, Menschenrechtsaktivistin, Journalistin und seit 2017 Writers-in-Exile Stipendiatin des deutschen PEN.
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

PEN-Präsidentin Regula Venske
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Podiumsdiskussion über Pressefreiheit in der Türkei mit dem Verleger und Journalist Can Dündar (li.) und dem Welt-Korrespondenten Deniz Yücel (re.) Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Podiumsdiskussion über Pressefreiheit in der Türkei mit dem Verleger und Journalist Can Dündar (li.) und dem Welt-Korrespondenten Deniz Yücel (re.)
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

PEN-Präsidentin Regula Venske Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

PEN-Präsidentin Regula Venske während der Podiumsdiskussion über Pressefreiheit in der Türkei
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe Deniz Yücel
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Michael Roth Staatsminister für Europa und Beauftragter der Bundesregierung für die deutsch-französische Zusammenarbeit (re.) und der Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe Deniz Yücel (li.) Foto: © PEN-Zentrum Deutschland

Michael Roth, Staatsminister für Europa und Beauftragter der Bundesregierung für die deutsch-französische Zusammenarbeit, (re.) und der Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe Deniz Yücel (li.)
Foto: © PEN-Zentrum Deutschland