I Subscribe: Kampagne für die Pressefreiheit in der Türkei

Pressemitteilung, Darmstadt, 2. Juli 2018

I Subscribe: Kampagne für die Pressefreiheit in der Türkei

Das PEN-Zentrum Deutschland unterstützt die vom „International Press Institute“ (IPI) initiierte weltweite Kampagne für die Pressefreiheit in der Türkei. Zusammen mit anderen internationalen Organisationen, die sich für Meinungsfreiheit einsetzen, fordert das deutsche PEN-Zentrum: „I Subscribe“– („Ich abonniere“).

Ziel der Kampagne ist es, möglichst viele Menschen oder Institutionen dazu zu bewegen, ein Abo für eine der wenigen noch unabhängigen türkischen Zeitschriften abzuschließen. Dadurch soll die Meinungsfreiheit und die unabhängige Medienlandschaft in der Türkei gestärkt werden. Auf dem weltweiten Index der Pressefreiheit rangiert das Land im Jahr 2018 auf einem unrühmlichen Platz 157 von 180 Staaten. Und die Tendenz zeigt weiter nach unten. Es wird geschätzt, dass 90 Prozent der Medienagenturen des Landes von der Regierung beeinflusst werden. Mehr als 180 Nachrichtenagenturen mussten seit dem gescheiterten Staatsstreich von 2016 schließen. Seit dem 1. Juni 2018 befinden sich mindestens 153 Journalisten in der Türkei in Haft, hunderte weitere müssen sich vor Gericht verantworten.

Zuerst steht bei der „I Subscribe“- Kampagne mit Cumhuriyet eine der ältesten und renommiertesten Tageszeitung des Landes im Fokus, deren ehemaliger Chefredakteur Can Dündar im Berliner Exil lebt und Ehrenmitglied des deutschen PEN-Zentrums ist. Den Mut, die Tapferkeit und die Arbeit der Journalisten und Redakteure von Cumhuriyet kann man nicht genug würdigen, wenn man bedenkt, dass mehrere führende Mitarbeiter der Zeitung unter fadenscheinigen Gründen bereits zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden sind. Die zahlreichen Repressalien der letzten Jahre haben dazu geführt, dass die Zeitung auch wirtschaftlich ums Überleben kämpft. Um international mehr wahrgenommen zu werden, will Cumhuriyet über die nächsten Monate die Berichterstattung auf Englisch weiter ausbauen.

Seit dieser Woche gibt es eine eigene deutsche Homepage der „I Subscribe“- Kampagne. Mit wenigen Klicks kann man online auf www.bit.ly/2KyvB7Y ein Abo der Zeitschrift Cumhuriyet abschließen und sich dadurch mit den unabhängigen türkischen Medien solidarisieren.

Bitte helfen Sie mit, dass es dem gegenwärtigen türkischen Regime nicht gelingt, das Recht auf freie Meinungsäußerung dauerhaft zu unterdrücken! Setzen Sie ein Zeichen. Unterstützen Sie die Kampagne „I Subscribe“!

 

Ralf Nestmeyer
PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter

Pressekontakt:

Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151 / 23120
Mobil: 0157 / 31382637
E-Mail: presse@pen-deutschland.de

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

Türkei will ehemaligen „Cumhuriyet“-Chefredakteur Can Dündar auf Interpol-Liste setzen

Can Dündar
Foto: PEN-Zentrum Deutschland

Der deutsche PEN ist fassungslos: Die türkische Regierung will den ehemaligen „Cumhuriyet“-Chefredakteur Can Dündar ein weiteres Mal vor Gericht stellen und ihn deshalb mit Hilfe von Interpol international suchen lassen. Zudem ist ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden.

2016 war Can Dündar in Zusammenhang mit einem Artikel über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Vom Vorwurf der Spionage wurde er damals freigesprochen. Ein Berufungsgericht nahm jedoch Anfang März das Urteil zurück und entschied, dass sich Dündar in einem neuen Verfahren auch wegen Spionage zu verantworten habe.

Can Dündar lebt derzeit im Exil in Deutschland. 2016 ernannte das deutsche PEN-Zentrum ihn und seinen Kollegen Erdem Gül zu PEN-Ehrenmitgliedern und zeichnete sie mit dem Hermann Kesten-Preis aus. Die dem Rechtsstaat, der Freiheit und der Demokratie verpflichteten Staaten haben sich im Zusammenhang mit der angestrebten Auslieferung kritischer Autoren und Journalisten wie Can Dündar auf keinen Fall zu Handlangern des gegenwärtigen türkischen Regimes zu machen!