Schriftsteller aus dem Iran neuer Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat

Pressemitteilung, Darmstadt, 8. März 2022. Der in seiner Heimat verfolgte Schriftsteller und Journalist Pezhman Golchin wird neuer Stipendiat des PEN Zentrums und der Wissenschaftsstadt Stadt Darmstadt. Golchin war bis zu seiner Flucht aus dem Iran im Jahr 2018 Repressionen durch den Staatsapparat ausgesetzt. Seine Arbeiten wurden von der iranischen Führung zensiert.

Pezhman Golchin (Foto: privat)

„Die Wissenschaftsstadt Darmstadt zeichnet sich durch Weltoffenheit aus, die sich unter anderem im friedlichen Zusammenleben von Menschen, die aus mehr als 140 Nationen stammen, spiegelt. Toleranz, Respekt, Antirassismus sind Leitwerte unserer Gesellschaft, die wir gerade in diesen Tagen besonders beweisen müssen“, betont Oberbürgermeister Jochen Partsch. „Mit der Einladung von Pezhman Golchin leisten wir gemeinsam mit dem deutschen PEN-Zentrum einen Beitrag für den Erhalt der Freiheit des Wortes und des Rechts auf freie Meinungsäußerung.“

„Pezhman Golchin befindet sich derzeit in Istanbul und wird am 10. März in Darmstadt erwartet. Ihm drohte die Ausweisung. Wir hatten die Befürchtung, dass er im Iran inhaftiert und weiteren Repressalien ausgesetzt wird. Deshalb sind wir sehr froh, dass er seine schriftstellerische Arbeit in Darmstadt frei von Bedrohung ausüben kann“, erklärt Astrid Vehstedt, Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftragte des deutschen PEN.

Golchin setzt sich in seinen Werken kritisch mit der iranischen Gesellschaft auseinander. Er ist Mitbegründer der iranischen Literaturvereinigung Kandooye Chare Iran. Im Jahr 2002 veröffentlichte Golchin seinen ersten Gedichtband, Marnag, zwei Jahre später publizierte er die Literaturzeitschrift Saad und im Jahr 2006 die Zeitschrift Dal. Bereits nach der ersten Ausgabe von Dal wurde Golchin und weiteren Verlegern der Prozess gemacht und die Zeitschrift 2009 verboten. Golchin stellte seine schriftstellerische Arbeit trotz Repressalien und mehreren Verhören durch die Iranische Revolutionsgarde (IRGC) nicht ein. Als im Oktober 2018 ein enger Freund und Mitglied von Kandooye Char ermordet wurde, spitzte sich die Sicherheitslage für Golchin zu und er reiste zunächst zu seinem Bruder nach Thailand. Um in Thailand ein Arbeitsvisum zu erhalten, hätte Golchin wieder in den Iran einreisen müssen. Daher war er gezwungen, Thailand zu verlassen.

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt und das PEN-Zentrum Deutschland errichteten im Jahr 2004 ein Stipendium, um einer Schriftstellerin bzw. einem Schriftsteller die Möglichkeit zu geben, in Ruhe und ohne wirtschaftliche Not ihrer bzw. seiner schriftstellerischen Tätigkeit nachzugehen. Das Stipendium, das für die Dauer eines Jahres vergeben wird, ist benannt nach der 2002 verstorbenen Schriftstellerin Elsbeth Wolffheim, die viele Jahre die deutschen PEN-Aktivitäten für politisch verfolgte Autorinnen und Autoren organisiert hat.

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Pressekontakt:
Hilmi Tozan
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Fiedlerweg 20, 64287 Darmstadt
Tel.: 06151/62708 26; Fax.: 06151/293414
E-Mail: h.tozan [at] pen-deutschland [dot] de

08.05.2018, 19:30 Uhr – „Meinungsfreiheit!“ Vernissage, Lesung und Gespräch u. a. mit Enoh Meyomesse in Frankfurt

„Hinter den Worten“: Die Reihe des Hessischen Literaturrats 2018

Enoh Meyomesse
Foto: © Roland Baege

Neben dem kamerunischen Lyriker und Elsbeth-Wolffheim-Stipendiaten Enoh Meyomesse sind der Historiker Lutz Becht, die Autorin Aslı Erdoğan, der ehemalige Writers-in-Exile Stipendiat Jovan Nikolić zu Gast im Haus am Dom in Frankfurt.

Sie lesen ihre literarischen Texte, in denen sich die Erfahrungen mit Kritik, Verfolgung und Exil niederschlagen, sprechen mit dem Publikum über Heimat, Widerstand, Toleranz und die Verhältnisse in Deutsch land, 85 Jahre nach der Bücherverbrennung auf dem Römerberg.

 

Mit:

  • Lutz Becht, Historiker
  • Aslı Erdoğan, Schriftstellerin, Physikerin
  • Enoh Meyomesse, Elsbeth-Wolffheim-Stipendiaten der Wissenschaftsstadt Darmstadt
  • Jovan Nikolić, Gründungsmitglied des Internationalen Romani Schriftstellerverbandes (IRWA) und ehemaliger Writers-in-Exile Stipendiat des deutschen PEN

Moderation: Lisa Straßberger

Der Eintritt ist frei.

Eine Veranstaltung des Hessischen Literaturrats e.V. mit der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und hr2-kultur

Das Gesamtprogramm der Lyrikreihe können Sie der Haus am Dom-Internetseite entnehmen.