Umar Abdul Nassers Lyrik machte ihn zur Zielscheibe

Als Künstler in einer Welt, in der der Islamische Stast alles Künstlerische zerstört, musste Umar Abdul Nasser stets um sein Leben fürchten. Diese harte Zeit war jedoch ebenso fruchtbar: Der Writers in Exile-Stipendiat schafft durch seine poetische Texte, mithilfe von Bildern und Musik, welche ebenfalls seiner Kreativität entspringen, multimediale Kunstwerke. Abdul Nassers Arbeit wird vom IS allerdings als unvereinbar mit dem islamischen Recht angesehen.

In „Kultur am Mittag“ auf WDR 3 stellt Cornelia Wegerhoff den Poeten aus Mossul vor und spricht mit ihm über die Vergangenheit, ebenso wie über die Gegenwart.

Foto: Aleksandra Bielak

Umar Abdul Nasser ist ein irakischer Dichter und Filmemacher. Er lebte mehr als zwei Jahre lang versteckt vor dem IS, bevor er es schaffte, das Land 2016 für einen Stipendien-Aufenthalt bei ICORN in Breslau zu verlassen. Seine Gedichte reflektieren die Themen Frieden und Freiheit. Seit Juli 2019 ist Abdul Nasser Stipendiat des gemeinsamen Stipendienplatzes des PEN-Programms „Writers in Exile“ und des Vereins „Weimar – Stadt der Zuflucht“.

PEN-Stipendiatin Şehbal Şenyurt Arınlı in der Räuberhöhle Ravensburg

Gut gefüllt war die Gaststätte Räuberhöhle in Ravensburg am 9. Februar 2020. Dort fand die 2. Lesung aus dem Writers in Exile-Programm des PEN-Zentrums statt. Im Mittelpunkt stand die 1962 in Giresun / Türkei geborene Autorin Şehbal Şenyurt Arınlı, deren Briefwechsel mit der ebenfalls geflüchteten Terézia Mora in dem Buch „Zwei Autorinnen im Transit“ veröffentlicht wurde. 

Foto: Made Höld

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin Şenyurt Arınlı ist Dokumentarfilmerin und -produzentin, außerdem ist sie die erste Kamerafrau der Türkei. Als Gründerin des Dokumentarfilmerverbands BSB engagierte sie sich für die Präsenz von Frauen in der Filmbranche, entwickelte Workshops und Hochschulseminare und arbeitete intensiv zu den Themenkomplexen Genozid, Bevölkerungsaustausch, Exil / Verbannung. Sie engagierte sich in verschiedenen NGOs, besonders zur demokratischen Lösung des Kurdenkonflikts. Als Gründungsmitglied der Frauennachrichtenagentur JINHA widmete sie sich den Themen Minderheitsrechte, Antimilitarismus, Kampf für Frauenrechte oder der Entwicklung alternativer ökologischer Lebensmodelle. Wegen ihres Einsatzes für eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts wurde Şenyurt Arınlı wie hunderte andere Journalisten im Juli 2017 vom AKP-Regime inhaftiert. Nur durch einen Zufall kam sie frei und konnte nach Deutschland fliehen.

Doch der lange Arm der AKP reicht bis nach Deutschland. Für die Veranstaltung war es beinahe unmöglich, eine Dolmetscherin zu finden, wie Made Höld zu Beginn der Veranstaltung berichtete. Viele türkisch-stämmige Ravensburger fürchten, wegen häufiger Denunziationen durch AKP-Mitglieder, Probleme bei der Einreise in die Türkei, wenn sie bei systemkritischen Veranstaltungen in Erscheinung treten.

Foto: Made Höld

Nach Vorstellung der Autorin und ihres bisherigen Lebenswerkes führte Micha Matschinski (Bündnis für Bleiberecht) thematisch in die verschiedenen Themenschwerpunkte der einzelnen Briefe ein. Die Briefe erzählen von Privatem, Politischem, Gesellschaftlichem, teils aus ganz persönlicher Sichtweise, teils scheren sie aus in die Historie des Landes, aus dem sie gekommen sind. Dabei stellen die Autorinnen einander Fragen über das Sein und das Leben, über den Alltag, über Träume und Visionen für die Zukunft, über ihr persönliches Leben im Rückblick. So beschreibt Şenyurt Arınlı die Motivation für ihre Arbeit aus ihrer Lebenssituation in der Türkei, beschreibt ihre Eindrücke als Geflüchtete bei ihrer Ankunft in der BRD und gibt Auskunft über ihre politischen Visionen für ein friedliches Zusammenleben der Völker. In allen Textpassagen traf Regina Liberatore (Verein Nätwörk Süd) als Vorleserin exakt den warmen, nachdenklichen und auch hoffnungsvollen Ton, der eine vertraute, ja enge Verbindung zwischen der Autorin und dem Publikum herstellte. Abschließend konnte das Publikum dank des kurzfristig eingesprungenen Grünen-Stadtrat Ozan Önder als Dolmetscher noch weitere Fragen an die sympathische Autorin stellen. Auch die zweite Veranstaltung dieser Reihe bot sehr einfühlsame Ansichten in die Gefühlswelt von Menschen, die ins Exil gezwungen wurden. Die Veranstalter, die maßgeblich von der Buchhandlung Ravensbuch unterstützt werden, hoffen auf ein erneutes Wiedersehen mit Şehbal Şenyurt Arınlı, dann vielleicht in Zusammenhang mit einem ihrer vielen Dokumentarfilme.

Von Frank Matschinski

Aslı Erdoğan: Anklage gegen Writers in Exile-Stipendiatin des PEN

Die türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan lebt seit zweieinhalb Jahren im deutschen Exil. Der Prozess gegen sie geht in der Türkei jedoch weiter. Mit der staatsanwaltlichen Forderung nach einer Haftstrafe von insgesamt neun Jahren und vier Monaten, die sich einzig gegen literarische Texte Erdoğans richten, hat die türkische Justiz wiederholt jedes Maß verloren!

3sat Kulturzeit berichtet über über die starke Stimme, welche die Türkei verstummen lassen möchte.

25.02.2020, 19:00 Uhr – Tomislav Kezharovski stellt sich als Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat vor

Das Darmstädter Literaturhaus öffnet seine Türen am 25. Februar für spannende Texte und Gespräche. Der nordmazedonische Autor und Journalist Tomislav Kezharovski berichtet von seinen Erfahrungen von Verfolgung, Gefangenschaft und Exil.

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch und Writers in Exile-Beauftragter Leander Sukov diskutieren im Anschluss mit dem Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat Kezharovski über Themen wie Politik und Migration.

Tomislav Kezharovski
Foto: Stefanie Silber

Kezharovski recherchierte als investigativer Journalist zu Korruption und organisierter Kriminalität in Regierungskreisen und fiel der mazedonischen Justizwillkür zum Opfer. In seiner Heimat Mazedonien galt er als einziger politischer Gefangener Südosteuropas. Er wurde 2013 zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, auf internationalen Druck konnte er bereits nach der Hälfte der Zeit freikommen. In seinem Buch „Life in the box“ (englische Übersetzung) verarbeitet er die Zeit im Gefängnis – unter anderem die skandalösen Zustände sowie die unmenschliche Behandlung.

Eintritt 6 € / ermäßigt 4 €

30.01.2020, 19:30 Uhr – Şehbal Şenyurt Arınlı liest aus literarischem Briefwechsel

Mehrere Monate lang schickten sich Terézia Mora und Şehbal Şenyurt Arınlı, Writers in Exile-Stipendiatin des deutschen PEN, Texte, in denen es um ihren Alltag geht, ihre Ängste und Verunsicherungen, ihre Träume und Visionen für die Zukunft. Nun liest Arınlı  aus dem Briefwechsel „Zwei Autorinnen im Transit“.

Şehbal Şenyurt Arınlı
Foto: Christian Thiel

Şehbal Şenyurt Arınlı ist eine türkische Dokumentarfilmerin, Menschenrechtsaktivistin und Journalistin. Als erste Frau hinter der Kamera in ihrem Heimatland engagierte sie sich vor allem für die Rechte von Frauen und Minderheiten. Ihr politisches Engagement und ihre Verbindungen zu kurdischen Medien führten schließlich zu einer Anklage und Inhaftierung. Nur durch einen Zufall kam sie frei und konnte nach Deutschland ausreisen.

Gestaltung: Marc Berger

 

Der Eintritt ist frei.

Eine Veranstaltung der Fritz Hüser-Gesellschaft e.V. und des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt mit dem PEN-Zentrum Deutschland.