Writers-for-Peace

Das Writers-for-Peace-Committee besteht seit 1984. Ihm gehören 35 der derzeit insgesamt 145 PEN-Zentren an, darunter das PEN-Zentrum Deutschland. Die Gründung geht auf den slowenischen PEN-Autor Miloš Mikeln zurück, der jetzige Vorsitzende ist Tone Peršak. Der Slowenische PEN ist Gastgeber des jährlichen Treffens des internationalen Komitees in Bled/Slowenien. Ferner versammelt sich das PEN-Komitee während der Jahrestagungen des Internationalen PEN.

Im Rahmen der Bleder Treffen haben Autorinnen und Autoren, deren Obrigkeiten einander bekämpfen, die Gelegenheit zu offenem Meinungsaustausch. So nutzen beispielsweise Mitglieder des Israelischen und Palästinensischen P.E.N. die Mitarbeit im Writers-for-Peace-Committee zur aktiven Begegnung. Auch Delegierte aus neueren Konfliktgebieten nehmen die Treffen des Komitees wahr, etwa Vertreter der P.E.N.-Zentren Somalia und Mexiko und des Uigurischen P.E.N.- Zentrums.

Waren die Bleder Treffen in den ersten Jahren nach der Gründung des Writers-for-Peace-Committees vor allem ein europäisches Friedenstreffen, so hat sich in den letzten Jahrzehnten der Radius des Friedenskomitees beträchtlich ausgeweitet. Delegierte aus der ganzen Welt reisen in den slowenischen Kurort, nicht zuletzt um Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren, die im Umkreis bewaffneter Konflikte begangen werden.

Die Arbeit des Komitees geht jedoch weit über die praktische Friedensarbeit hinaus. Beim 40. Friedenstreffen in Bled im Jahr 2008 wurde eine Erklärung erarbeitet, die die Betätigungsfelder des Komitees absteckt.

Diese Erklärung zeigt die Erweiterung reiner Friedenspolitik zu einer ganzheitlicheren Menschenrechtspolitik, die ökologische Inhalte wie beispielsweise die Themenfelder Erneuerbare Energien und Wasser ebenso mit einschließt wie das grundlegende Recht auf Bildung. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf einen Blog, derzeit verfügbar unter der URL http://permanentwhisper.penclubeportugue… diesem kann man entnehmen, welche Krisengebiete in der Aktivität des Friedenskomitees eine große Rolle spielen.

Natürlich ist auch die aktuelle Konfrontation in der Ukraine Gegenstand für ein Engagement. In einem Aufruf vom 4. März 2014 wendet sich der neue Präsident des Komitees, Tone Peršak, an „alle ukrainischen Schriftsteller und andere Intellektuelle in der Ukraine“ und fordert sie dazu auf, „alles zu tun, damit die Prinzipien des demokratischen Dialogs Anwendung finden, wenn es um die Situation in der Ukraine und ihre Zukunft geht”. In dem Aufruf heißt es weiter: „Das Komitee fordert außerdem alle zuständigen Landesvertreter in Europa, insbesondere in der Russischen Föderation, dazu auf, nicht den Konflikt zu suchen und von jedem Versuch abzusehen, die Situation in der Ukraine zum eigenen Vorteil auszunutzen. Wir appellieren dringend an alle Seiten, jede Gewalt oder militärische Intervention abzulehnen. Wir fordern sie auf, die territoriale Einheit und Souveränität der Ukraine, sowie das Recht der ukrainischen Bevölkerung zu wahren, selbst über seine Zukunft zu entscheiden, und die Meinungsfreiheit aller Menschen in der Ukraine und in ihren eigenen Ländern zu respektieren.“

Die jährlichen Treffen in Bled haben den Charakter von literarischen Fachtagungen, aber auch von Initiativsitzungen eines Friedenskomitees. Den Tagungen wie der gesamten Arbeit der WfPC könnte man als Motto ein Zitat von Roland Barthes voranstellen: Guerre des langues, paix des textes – Krieg der Sprachen, Friede der Texte.

Weitere konkrete Initiativen des WfPCs bestehen in der Teilnahme an zahlreichen Regionalkonferenzen, der Vorbereitung einer Charte sur le Développement durable (Charta zur nachhaltigen Entwicklung) und verschiedenen Friedensaktivitäten überall auf der Welt. Zahlreiche Petitionen, die die Situation in verschiedenen Weltregionen wie etwa Kolumbien, China, Tibet, Burma, Korea, Iran und Russland betrafen, wurden vom WfPC verfasst und öffentlich gemacht. Das WfPC engagiert sich weiterhin für sprachliche Minderheiten und hat verschiedene Projekte in Haifa, Triest und Fernost initiiert. Zu erwähnen ist auch der Okinawa Peace Prize, der vom japanischen P.E.N. vergeben wird.

Die vielfältigen Aktivitäten des Writers-for-Peace-Commitees finden oft im Verborgenen statt. Das steht ursächlich in direktem Zusammenhang mit dem quasi-diplomatischen Charakter mancher Initiativen und der Tatsache, dass das Komitee meist dann tätig wird, wenn die großen Konflikte aus den Weltnachrichten schon wieder verschwunden sind. Allerdings wird es in der Zukunft auch darauf ankommen, dass die Tätigkeit des WfPCs, die ja direkt in den Kernbereich des humanitären P.E.N.-Engagements gehört, eine größere Öffentlichkeit findet.

Hans Thill,

April 2014

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