Writers-in-Exile

Das Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN-Zentrums ist gelebte Solidarität mit verfolgten KollegInnen. Es wird aus dem Bundeshaushalt finanziert. Derzeit ermöglicht es neun Exil-SchriftstellerInnen sicher und frei von existentieller Not in Deutschland zu leben und literarisch zu arbeiten. Neun, das sind wenige im Hinblick auf die große Zahl weltweit verfolgter Schreibender. Jedes einzelne in die Obhut der Solidarität genommene Leben aber ist unendlich wertvoll.

Die Writers-In-Exile-Stipendiaten 2018/2019  Şehbal Şenyurt Arınlı/Sehbal Senyurt Arınlı, Aleksei Bobrovnikov, Fatuma Yimam, Zobaen Sondhi, Sajjad Jahan Fard, Yirgalem Fisseha Mebrahtu und Tomislav Kezharovski (v.l.n.r.) Foto: Stefanie Silber

Knapp sechzig Exil-SchriftstellerInnen seit das Programm begonnen hat. Das klingt nach viel; und doch ist es nur ein Tropfen auf einem glühenden Stein. 57 Leben! 57 mal Schrecken, 57 mal ein Verlassen von allem Vertrauten, von allen Lieben, von den viel gegangenen Straßen; 57 mal ein hilfloses Weggehen, 57 mal Flucht. Wie viele von ihnen brauchten psychologische Hilfe gegen die Bilder im Kopf, die Bilder von Krieg und Mord und Folter, von der Enge der Gefängniszellen und der Weite der zerbombten Städte? Wie viele von ihnen brauchten medizinische Hilfe, weil die Folter ihre Körper, manchmal dauerhaft, verletzt hat.

Die KollegInnen, die wir in das Programm aufnehmen konnten, erhalten für maximal drei Jahre eine möblierte Wohnung, derzeit in Berlin, Nürnberg, Darmstadt, Weimar und München, sowie eine monatliche Zuwendung zur Lebensführung. Sie werden krankenversichert und mit nötigen Arbeitsmitteln ausgestattet.

Wir versuchen, die KollegInnen im Exil mit hier ansässigen AutorInnen in Kontakt zu bringen, mit VerlegerInnen und VeranstalterInnen, auch mit dem Publikum. Die KollegInnen im Exil sind ja zuerst und vor allem SchriftstellerInnen. Nicht nur das Leben im Exil, das sie ohnehin stets umgibt, soll sie kennzeichnen, sondern vor allem ihre literarische Arbeit.

Viele der SchriftstellerInnen haben Schreckliches erlebt. Folter und Demütigung, Inhaftierung und Verarmung, Ausgrenzung und Verfolgung. Manche haben den Tod von FreundInnen und Familienangehörigen erleben müssen. Wir versuchen ihnen mit Hilfe von PsychologInnen, aber auch durch Hilfe in ganz alltäglichen Dingen das Leben zu erleichtern. Persönliche BetreuerInnen, RechtsanwältInnen, ehrenamtliche HelferInnen stehen unseren KollegInnen zur Seite.

Leander Sukov Foto © Stefanie Silber

Unsere Mitglieder helfen uns dabei. Vor Ort, in den Regionen und Städten entsteht ein Netzwerk von helfenden Händen. Sie öffnen den StipendiatInnen den Weg zu lokalen Literaturereignissen, regionalen Anthologien, laden sie ein zu Diskussionsrunden und geben ihnen das Gefühl, aufgehoben zu sein zwischen Menschen, die, wie sie, Literatur schaffen.

Viele der hier ansässigen AutorInnen erinnern sich vielleicht an die Geschichte ihrer eigenen Familie: an Flucht und Leid, Verfolgung und Tod. Vor dem geschichtlichen Hintergrund der europäischen Erfahrungen und der deutschen Schuld ist unsere Solidarität auch ein Hinweis auf unseren Willen, uns Hass und Diktatur, Rassismus und der Verfolgung Andersdenkender entgegenzustellen.

Der Boden, auf dem wir stehen, ist dünn. Die Schale von Demokratie, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit ist stets brüchig. Wir alle kämpfen darum, dass nicht auch wir eines Tages wieder fliehen müssen. Die Erinnerung an das Exil der deutschen Literatur in der Nazizeit ermahnt uns zur weltweiten Solidarität.

Leander Sukov
Vizepräsident und Writers in Exile-Beauftragter

Sponsoren

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Landeshauptstadt München Kulturreferat

Aus dem Alltag eines Writer in Exile -Yirgalem Fisseha Mebrahtu

© PEN-Zentrum Deutschland

Wie viele Leute notwendig sind, um nur einem verfolgten Schreibenden eine Zuflucht in Deutschland zu bieten, fand Journalistin Cornelia Wegerhoff in einem spannenden Radio-Feature heraus. Wegerhoff gibt somit einen Einblick in das Leben aller Beteiligten und in die Arbeit des Writers in Exile-Programms. Weiterlesen

13.02.2020, 19 Uhr – Autorinnen-Gespräch in Regensburg: Leben im Exil, Schreiben im Exil

Sehbal Senyurt Arınlı und Yirgalem Fisseha Mebrahtu Foto: Stefanie Silber

Lesung und Gespräch mit Writers in Exile-Stipendiatinnen des deutschen PEN-Zentrums im Evangelischen Bildungswerk Regensburg: Yirgalem Fisseha Mebrahtu aus Eritrea, Schriftstellerin, Journalistin und Lyrikerin, sowie Şehbal Şenyurt Arınlı aus der Türkei, Dokumentarfilmerin, Journalistin, Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Weiterlesen

Zwei Autorinnen im Transit: Lesung eines literarischen Briefwechsels – Impressionen

Terézia Mora und Şehbal Şenyurt Arınlı Foto: Christian Thiel

Mehrere Monate lang schickten Terézia Mora und Şehbal Şenyurt Arınlı Texte, in denen es um ihren Alltag geht, ihre Ängste und Verunsicherungen, ihre Träume und Visionen für die Zukunft. Am 28. November 2019 standen sie sich zum ersten Mal in der Akademie der Künste in Berlin gegenüber. Weiterlesen

28.11.2019, 19 Uhr – Zwei Autorinnen im Transit – Lesung eines literarischen Briefwechsels in Berlin

Gestaltung: Marc Berger

Zwei Schriftstellerinnen korrespondieren über Wochen und stehen sich jetzt zum ersten Mal gegenüber: Terézia Mora, Büchner-Preisträgerin, und Şehbal Şenyurt Arınlı, Schriftstellerin, Dokumentarfilmerin und Stipendiatin des PEN-Exilprogramms. In der Akademie der Künste lesen sie aus ihren Briefen und lassen sich vom ehemaligen PEN-Präsidenten, dem Schriftsteller Gert Heidenreich, zu ihren Texten befragen. Weiterlesen

Zwei Autorinnen im Transit – Lesung eines literarischen Briefwechsels zwischen Terézia Mora und PEN-Stipendiatin Şehbal Şenyurt Arınlı

Gestaltung: Marc Berger

Pressemitteilung, Darmstadt, 5. November 2019. Im Rahmen der literarischen Reihe des Writers in Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums ist ein Briefwechsel der besonderen Art entstanden. Die zwei Schriftstellerinnen korrespondierten über Wochen und stehen sich zum ersten Mal kurz vor der Abschlusslesung ihrer Briefe gegenüber. Weiterlesen