Arpita Roychoudhury †

Arpita Roychoudhury (Pseudonym), Bloggerin und Aktivistin, wurde 1995 in Bangladesch geboren. Aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit wurde sie als Mitglied einer hinduistischen Minderheit früh mit Diskriminierung konfrontiert. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber
Foto: Stefanie Silber

Die bengalische Bloggerin Arpita Roychoudhury wurde aufgrund ihres Geschlechts und der Tatsache, dass sie der hinduistischen Minderheit entstammt, schon früh mit Diskriminierung konfrontiert. Sie schrieb darüber in ihrem 2012 gegründeten Blog und bekannte sich öffentlich als Atheistin. Daraufhin wurde sie von radikal-islamistischen Gruppen bedroht, misshandelt und es blieb ihr nur die Flucht.

 

Aus einem glühenden Ofen die Freiheit suchen
 
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Auch wir könnten mit dem Strom schwimmen und schweigen, obwohl wir das Unrecht und die Rechtsbrüche sehen, und ein ruhiges Leben haben. Aber für einen freiheitlich gesinnten  Menschen ist das schlimmer als Selbstmord. All das, was ich zu akzeptieren gezwungen war, drohte mich zu ersticken. Es war unmöglich für mich, wie irgendein Bürger zweiter Klasse zu leben; ich konnte nicht die Ungerechtigkeiten, die vor meinen Augen geschahen, ertragen und einfach wegsehen. Ich konnte nie glauben, dass es zwischen Frau und Mann einen wirklichen Unterschied geben kann; nie habe ich gedacht, dass der religiöse Glaube die Menschen trennen und verfeinden müsse.

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Unsere Gesellschaft, die meisten Menschen meines Heimatlandes, haben vielleicht nie nachgedacht, ob das, was ich sage, zu ihrem Nutzen oder ihrem Schaden gereicht. Sie sehen nur, dass ich – obwohl ich einer Minderheit angehöre und noch dazu eine Frau bin – ihren tradierten und verbreiteten Regeln, Gesetzen und Konventionen widerspreche, dass ich gleiche Rechte für Frau und Mann sowie Freiheit fordere, dass ich die negativen Seiten der Religion kritisiere. Aber warum ich das tue – das haben die meisten Menschen noch nie überlegt. Täten sie es, dann könnten sie sich niemals so aggressiv verhalten.

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Ich war nie an Denkmuster wie ‚mein eigenes Land‘ oder ‚ein fremdes Land‘ gebunden. Für mich ist diese ganze Welt mein Land, alle Länder sind meine Heimat.

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Ich weiß überhaupt nicht, ob alles gut wird oder nicht oder welchen kleinen Teil ich zum Kampf für die Veränderung der Gesellschaft beizutragen in der Lage sein werde. Ich weiß nicht, was aus meinem Studium wird, wenn das PEN-Stipendium zu Ende ist, und ob ich, nachdem ich Deutsch gelernt habe, mein Studium wiederaufnehmen kann. Wie weit ich all meine Albträume vergessen und weitergehen und überhaupt zu einem normalen Leben zurückkehren kann. Das alles weiß ich nicht, aber ich habe nie aufgegeben. Diesen Kampf werde ich bis zum Ende meines Lebens führen.
Viele sagen, dass ich eine mental sehr starke Frau bin.  Aber ich weiß, mir steht kein anderer Weg offen als der, mich selbst stark zu machen. Wie viele andere Menschen träumte auch ich von einem normalen Leben. Aber ich hatte nur die Wahl, entweder diesen Kampf weiterzukämpfen oder bis zu meinem Tod immer wieder unterdrückt und erniedrigt zu werden. Mein Leben, das ich mir so nicht gewünscht hatte, hat mich gezwungen, mutig zu sein.

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