Arpita Roychoudhury †

Arpita Roychoudhury (Pseudonym), Bloggerin und Aktivistin, wurde 1995 in Bangladesch geboren. Aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit wurde sie als Mitglied einer hinduistischen Minderheit früh mit Diskriminierung konfrontiert. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber
Arpita Roychoudhury Foto: Stefanie Silber

Die Bloggerin und Aktivistin Arpita Roychoudhury (Pseudonym) wurde 1995 in Bangladesch geboren. Aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit wurde sie als Mitglied einer hinduistischen Minderheit früh mit Diskriminierung konfrontiert. 2012 begann Arpita Roychoudhury, auf Facebook und bengalischen Blogs unter ihrem wahren Namen über die Diskriminierung von Frauen, Kindern und Minderheiten zu schreiben. Nachdem ihr Profil mehrfach gesperrt und ihr gedroht wurde, schrieb sie unter dem Pseudonym Arpita Roychoudhury.

In 2013 begann die bengalische Regierung auf Druck radikal-islamistischer Gruppen, Beiträge humanistischer und islamkritischer Autoren durch eine Änderung der Sektion 57 des Information & Communication Acts zu zensieren. Mehrere Blogger wurden auf grausame Weise ermordet, viele flohen ins Ausland und waren gezwungen, ihre Texte aus dem Internet zu löschen. Unter diesen Verschärfungen der Gesetze litt auch Roychoudhury, die Drohungen gegen sie verschärften sich zunehmend, ohne dass die Behörden etwas dagegen unternahmen.

Seit 2014 ist Roychoudhury für den Blog „Nobojug“ (übersetzt: Neues Zeitalter) tätig, wo sie eine leitende Position einnahm. Als exponiertes Mitglied der feministischen, säkularen Blogger-Szene wurde sie in ihrer Heimat öffentlich belästigt, bedroht und misshandelt. Eine Gruppe Jugendlicher drang in ihr Elternhaus ein und bedrohte die ganze Familie. Roychoudhury wurde von einer Gruppe aggressiver Männer durch Vergewaltigung bedroht, außerdem gab es Morddrohungen. Nichtsdestotrotz begann sie einen Bachelor of Science in Botanik an der National University of Bangladesh, in der Hoffnung, auf dem Campus sicherer zu sein. Sie schrieb weiterhin kritische Blogbeiträge, bevor sie entführt, tagelang gedemütigt und gefoltert wurde. Auch die staatlichen Behörden verweigerten ihr die Unterstützung, selbst als Roychoudhury nach eigenen Angaben nur knapp einem Mordanschlag auf offener Straße entging.

Schließlich brach sie ihr Studium ab und floh mithilfe eines Stipendiums von Frontline Defenders (FLD), Center of Inquiry (CFI), Protecting Belief Asia Region und Forum Asia, gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester nach Indien. 2017 wurde sie als Stipendiatin des Writers-in-Exile Programms nach Berlin eingeladen, nach längerem Visumverfahren konnte sie im Dezember 2017 endlich nach Deutschland ausreisen.