Enoh Meyomesse

Enoh Meyomesse, mit bürgerlichem Namen Dieudonné Enoh, ist Lyriker, Romanautor, Dramatiker, Historiker und politischer Aktivist. Er wurde 1954 in Kamerun geboren. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber
Enoh Meyomesse Foto: Stefanie Silber

Enoh Meyomesse, mit bürgerlichem Namen Dieudonné Enoh, ist Lyriker, Romanautor, Dramatiker, Historiker und politischer Aktivist. Er wurde 1954 in Kamerun geboren. Meyomesse studierte in Straßburg und Paris Politikwissenschaften, nach dem Abschluss des Studiums kehrte er in seine Heimat zurück. Dort machte er sich als Literat einen Namen und veröffentlichte eine bemerkenswerte Anzahl an Gedichtbänden, Romanen, Theaterstücken und politischen Essays, zudem arbeitet er an einem monumentalen Geschichtswerk über Kamerun. Manche seiner Bücher wurden aufgrund ihrer regierungskritischen Inhalte zensiert, in dem Essay Le Retard de la démocratie en Afrique centrale. Le cas du Cameroun (Die Verspätung der Demokratie in Zentralafrika. Der Fall Kamerun – nicht auf Deutsch erschienen) klagt er zum Beispiel die faktisch diktatorischen Strukturen in Kamerun an, da weder die Pressefreiheit noch das Mehrparteiensystem sich dort in den Jahren seit der Unabhängigkeit 1960/61 festigen konnten. Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2011 trat Enoh Meyomesse erfolglos gegen den amtierenden Präsidenten Paul Biya an, welcher bereits seit 1982 die Macht als Staatsoberhaupt des Landes innehat. Meyomesses gesellschaftliche Analysen und Initiativen führten zu mehrmaligen Verhaftungen, 2011 schließlich zur dauerhaften Inhaftierung im Zentralgefängnis Kondengui, das in Kameruns Hauptstadt Yaoundé liegt. Als der inhaftierte Meyomesse 2013 den Oxfam Novib/PEN Freedom of Expression Award erhielt, bedankte er sich mit folgenden Worten: „Durch diesen Preis […]haben Sie ihre […] Stimme der meinen hinzugefügt – und denen vieler anderer anonymer Männer und Frauen, die in meinem Land eingekerkert sind, weil ihre Meinungen einigen hochrangigen Würdenträgern nicht gefallen haben […].“ Am 27. April 2015 kam der Autor mithilfe der unermüdlichen Lobbyarbeit internationaler Verbände, insbesondere des PEN-Zentrums Deutschland, aus seiner Haft frei. Meyomesse verbrachte insgesamt 40 Monate im Gefängnis. Schon während der Haft verarbeitete er seine Erfahrungen in dem Lyrikband Gedichte des Häftlings in Kondengui, der auch auf Deutsch erschienen ist (Löcker Verlag 2013). Enoh Meyomesse ist seit Oktober 2015 Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat der Stadt Darmstadt und wird vom deutschen PEN-Zentrum betreut. Seitdem erschienen die Bücher Tagebuch eines afrikanischen Illegalen und Frühling in Deutschland auf Deutsch. 2017 werden Texte Meyomesses in der PEN-Anthologie Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren im S. Fischer Verlag veröffentlicht.

Den hr2-Mitschnitt der Begegnung zwischen PEN-Mitglied Feridun Zaimoğlu und Enoh Meyomesse, die am 10. Mai 2016 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Autoren im Transit“ stattfand, können Sie hier herunterladen.

Die Veranstaltungsreihe initiierten hr2-kultur und der Kulturfonds Frankfurt RheinMain in Kooperation mit der KulturRegion FrankfurtRheinMain und dem PEN-Zentrum Deutschland.

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