Fatuma Yimam

Fatuma Nurye Yimam wurde 1991 in Äthiopien geboren. Die Journalistin, Autorin und Aktivistin studierte von 2008 bis 2010 Marketing Management am Royal University College in Addis Abeba (Diplom) und anschließend ein Jahr Journalistik und Kommunikation an der Unity University. 2011 begann Yimam eine umfangreichen Recherche zu illegalen Migrationsrouten, die von Äthiopien in den Sudan oder nach Dschibuti führen. Portraits der Writers-in-Exile-Stipendiaten am 28.4.2018 im Hotelzimmer 250 des Romantikhotel Gebhards im Rahmen der PEN-Jahrestagung 2018 vom 26. bis 29.4.2018 in Göttingen. Foto: Stefanie Silber
Foto: Stefanie Silber

Die äthiopische Journalistin und Aktivistin Fatuma Nurye Yimam recherchierte über illegale Migrationsrouten nach Dschibuti und andere Nachbarländer Äthiopiens. Sie gründete die Zeitung „Fact“, in der sie Missstände kritisierte. Die Regierung erhob daraufhin Anklage gegen sie, woraufhin sie zunächst in benachbarten Ländern Zuflucht suchte, bevor sie schließlich nach Deutschland kam.

 

Als ich in Kenia war, gab es nicht einen Tag, an dem ich mich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sicher fühlte. Es war undenkbar, sich bei offener Wohnungstür in der Wohnung aufzuhalten. Falls die Polizei überraschend aufgetaucht wäre, hätten sie sämtliche Zimmer von oben bis unten durchwühlt und uns unser Geld abgenommen. Wenn sie dabei auf Informationen gestoßen wären, die unsere Identität preisgeben, würden sie nicht zögern, sich direkt mit der äthiopischen Botschaft in Verbindung zu setzen und uns dorthin auszuliefern. Auf diese Weise haben sie viele Flüchtlinge an die äthiopischen Sicherheitsdienste verkauft. Einmal hatte ich die Tür offen gelassen. Plötzlich stürmten Polizisten herein und nahmen uns unser gesamtes Geld ab. An diesem Tag sind wir nur davon gekommen, weil sie bloß das Geld, nicht aber unsere Papier finden konnten, obwohl sie überall danach suchten.

In Deutschland habe ich keine Angst, meine Tür zu öffnen, weil die Polizei kommen könnte, sondern weil ich befürchte, dass mein Kind sonst die Treppe hinunterfällt.

An unserem Ankunftstag in Deutschland waren wir in Frankfurt im Transit. Unsere Pässe waren Reisedokumente für Flüchtlinge, die die Personen bei der Passkontrolle nicht kannten, so dass sie zur Klärung die Polizei riefen. Die Polizeibeamtin nahm uns mit zu einem Polizeirevier am Flughafen. Als wir die Polizeiwache sahen, bekamen wir ein wenig Angst. Denn wir kamen von einem Ort, an dem uns die Polizei belästigt und verfolgt hatte. Aber die Polizeibeamtin versuchte uns zu beruhigen und uns die Angst zu nehmen. Diese Behandlung versetzte uns in völliges Erstaunen. Für unsereins war es völlig ungewöhnlich, Polizisten zu sehen, die auf der Seite der Menschen und der Gerechtigkeit standen.

Übersetzt aus dem Amharischen von Daniel Salvi und Dr. Andreas Wetter.