Pinar Selek


Pınar Selek ©privat

Pinar Selek wurde 1971 in Istanbul geboren. Sie besuchte dort das französische Gymnasium und studierte Soziologie an der Mimar Sinan University. Sie beteiligte sich an der Organisation verschiedener Aktionen der Frauenbewegung und gründete das feministische Netzwerk Amargi, für dessen Magazin sie als Herausgeberin tätig ist. In ihren publizistischen Arbeiten beschäftigt sie sich mit Themen wie der Friedensbewegung, der Ausgrenzung von Minderheiten sowie den Zusammenhängen zwischen Militarismus und der Entwicklung der Geschlechtsidentität. Ihre soziologische Studie zur Kurdenfrage war manchen Kreisen in der Türkei ein Dorn im Auge. Um sie aus dem Weg zu räumen, wurde sie 1998 zu Unrecht beschuldigt, einen Anschlag verübt zu haben. Sie kam für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis und wurde schwer gefoltert. Aus der Untersuchungshaft entlassen, verbrachte sie den größten Teil des über sechzehn Jahre dauernden Verfahrens auf freiem Fuß und setzte ihre Arbeit fort. Schließlich wurde sie in drei aufeinanderfolgenden Verfahren freigesprochen. Ungeachtet dessen fordert die Staatsanwaltschaft weiterhin die Höchststrafe, „lebenslänglich unter verschärften Bedingungen“. Im Sommer 2009 kam sie nach Deutschland, von Dezember 2009 bis November 2011 war Pinar Selek Stipendiatin im Writers-in-Exile Programm des PEN. Sie hat mehrere Sachbücher mit soziologischer Thematik geschrieben und zahllose Artikel in türkischen und kurdischen Zeitungen veröffentlicht. Im Frühjahr 2010 erschien ihr Buch Zum Mann gehätschelt – zum Mann gedrillt und im Dezember 2011 ihr erster Roman Halbierte Hoffnungen. Im Frühjahr 2014 gab das Gericht in Ankara der Berufung endlich statt und der Prozess wurde noch einmal neu aufgerollt, schließlich wurde sie im Dezember 2014 zum vierten Mal freigesprochen. Am 25. Januar 2017 verkündete der Oberste Gerichtshof in der Türkei zum fünften Mal die Aufhebung des Freispruchs. Er fordert die erneute Verurteilung zu lebenslänglicher Haft. Seit 2012 lebt Pinar Selek in Straßburg, wo sie promovierte.