Yamen Hussein


Yamen Hussein Foto: © Roland Baege

Der syrische Dichter und Journalist Yamen Hussein wurde 1984 in Homs geboren. Er verfasste zahlreiche regimekritische Artikel, durch die er schon früh ins Visier der syrischen Sicherheitsbehörden geriet. Immer wieder kritisierte er in seinen Artikeln die restriktiven und manipulativen Eingriffe des Staates in Publikations- und Pressefreiheit und protestierte wiederholt gegen die Missachtung der Menschenrechte während des Bürgerkriegs. Bereits 2006, gerade 22 Jahre alt, mockierte er sich öffentlich über das sektenähnliche System an der Universität von Homs und beschuldigte die Regierung der Teilhabe an dem diskriminierenden System, was dazu führte, dass er der Universität verwiesen und für drei Monate in Gewahrsam genommen wurde. 2008 wurde er aufgrund seiner Berichterstattung über die Repressionen der Regierung gegen die Medien verhaftet. Bald hatte er sich unter den mutigen investigativen Journalisten einen Namen über Homs hinaus gemacht. Er wurde leitender Reporter bei Al Dunia TV und berichtete 2011 vor Ort von der Protestbewegung aus Homs und Hama. Doch unter Druck begann der Sender damit, gezielte Falschmeldungen über die Bewegung zu lancieren, da reichte Hussein die Kündigung ein. Kurz darauf vertrieben ihn die Anhänger Assads aus seiner Wohnung in Al Zahra bei Homs. Die Hetze gegen ihn nahm immer bedrohlichere Züge an. Er begann unter Pseudonym zu publizieren, seine Rolle als Gründungsmitglied des „Nabd Bündnis für die Jugend Syriens“, einer friedlichen Protestbewegung, die durch mediale Berichterstattung ihren Widerstand zum Ausdruck brachte, machte ihn aber zur öffentlichen Figur. Er schrieb jetzt wieder unter seinem Namen. Nachdem Hussein 2013 die islamistische Gruppe Jeish Al Islam in einem Artikel angriff, kamen die Drohungen, ihn zu ermorden, aus zwei Richtungen: dem religiös fundamentalistischen Lager sowie aus Kreisen der staatlichen Behörden. Diesen permanenten Morddrohungen fühlte sich Yamen Hussein irgendwann nicht mehr gewachsen, er flüchtete in die Türkei. Von Dezember 2014 lebte bis Dezember 2017 Yamen Hussein als Stipendiat des Writers-in-Exile Programms in München. Seine Flucht von Syrien über Libanon und die Türkei bis nach Deutschland verarbeitete Hussein in einem in Kürze erscheinenden Lyrikband (Arbeitstitel „3439 km“), die Gedichte verfasste er in Damaskus, Beirut, Istanbul und München. Die Produktion wurde ermöglicht durch das Culture Resource’s Production Awards Programm. 2017 erschienen mehrere Gedichte Husseins in der PEN-Anthologie Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren im S. Fischer Verlag.