Zobaen Sondhi


Foto: Stefanie Silber

Zobaen Sondhi, geboren 1974 in Joypurhat, Bangladesch, arbeitete 21 Jahre als Bibliothekar des Dinajpur Textil-Instituts (Textile Institute Dinajpur, DTI), das dem Textil- und Jute-Ministerium Bangladeschs unterstellt ist. An der „Asian University of Bangladesh“ erwarb er einen Master of Science in „Information Science und Library Management“.

Sondhi ist Blogger, Dichter und Online-Aktivist. Er war Herausgeber der vierteljährlich erscheinenden bengalischen Literaturzeitschrift Ongshumali und Redakteur der monatlich erscheinenden Zeitschrift Bastra Jagat. Sondhi ist Mitbegründer der Internetseite Nobojug (New Age), ein Forum für Diversität und Toleranz. In seinen Texten konzentriert sich Sondhi auf die Verbreitung humanistischer Ideologien, islamischen Terrorismus, Zwangskonvertierung und Aberglaube. Sich selbst bezeichnet er als Atheist. In seinen Onlinetexten behandelt er Fragen zum Terrorismus und zu Menschenrechtsverletzungen, außerdem schreibt er immer wieder über das Verhältnis des Islam zur bangladeschischen Gesellschaft und den politisch instrumentalisierten Gewaltaspekten der Religion. Das letztgenannte Thema ist nicht zuletzt dem traurigen Umstand geschuldet, dass Sondhi selbst frühe Gewalterfahrungen am eigenen Leib erfahren musste. 1988 bereits war Sondhi politisch engagiert als Mitglied einer säkularen linksgerichteten Partei. Das wurde ihm zum Verhängnis, er fiel einem Angriff zum Opfer und wurde von gewaltbereiten radikal-islamistischen Fundamentalisten brutal angegriffen und schwer verletzt. Glücklicherweise konnte er von Passanten gerettet und noch rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht werden.

Seit 2013 begann die Regierung Bangladeschs auf Druck radikal-islamischer Gruppen, Beiträge humanistischer und islamkritischer Autoren zu zensieren. Es kursierte eine Liste mit den Namen von zahlreichen islam-kritischen Bloggern, denen Blasphemie vorgeworfen wurde. Zobaen Sondhi war einer der Blogger auf dieser Liste. Später forderten fundamentalistische Gruppen mit mutmaßlicher Verbindung zu Al-Qaida und ISIS die Todesstrafe für diese Blogger. Sie kündigten an, einen nach dem anderen von ihnen zu exekutieren. Es begann eine Jagd auf die Online-Aktivisten, wobei einige auf grausame Weise getötet wurden. Panik verbreitete sich innerhalb der Blogger-Community, viele löschten ihre Texte und halten sich bis heute versteckt oder gingen ins Exil. Die Regierung und die Sicherheitsbehörden Bangladeschs sahen tatenlos zu und unternahmen nichts, um die Täter zu fassen. Bislang halten diese politisierten Hetzjagden an. Man ist nach wie vor bemüht, alle system- und islamkritischen Stimmen auszuschalten, um die innenpolitische Situation zu harmonisieren.

Auch Zobaen Sondhi erhielt Todesdrohungen. Die letzten Monate verbrachte Sondhi aus Angst vor Übergriffen fern seiner Heimat. Von August 2016 bis Oktober 2019 lebte Zobaen Sondhi als Writer in Exile im Stipendienprogramm des deutschen PEN in Berlin.