Can Dündar, Türkei


Can Dündar. Quelle: PEN International

Der türkische Journalist, Dokumentarfilmer, Buchautor und Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet, Can Dündar, wurde im Mai 2016 zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Sein Kollege Erdem Gül wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Prozess gegen die beiden regierungskritischen Journalisten wurde in den internationalen Medien als ein „Schlag gegen die türkische Pressefreiheit“ gewertet und seit Prozessbeginn im März 2015 mit großem öffentlichen Interesse verfolgt.

Hintergrund für die Anklage gegen den Chefredakteur und seinen Kollegen bildete ein Bericht der Cumhuriyet im Jahr 2015 über Waffenlieferungen der Türkei an syrische Extremisten. Im November 2015 wurden beide Journalisten daraufhin wegen des Verdachts der „Spionage“ und der „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ festgenommen. Zudem wurde ihnen vorgeworfen, Staatsgeheimnisse verbreitet zu haben. Staatspräsident Erdoğan stellte persönlich Strafanzeige und wurde zusammen mit dem türkischen Geheimdienst als Nebenkläger zugelassen. Die Verhaftung von Dündar und Gül führte im internationalen Raum schnell zu breiter Kritik.

Im Februar 2016 ordnete das Verfassungsgericht zunächst die Freilassung beider Journalisten an, da ihre persönliche Freiheit und Sicherheit sowie die Pressefreiheit verletzt worden seien. Erdoğan kommentierte diese Entscheidung des Verfassungsgerichts damit, dass er sie weder anerkennen noch befolgen würde. In einem Interview mit der Zeit verwies Dündar darauf, welches Signal bzw. welchen Druck der Präsident damit auf die türkischen Gerichte ausübt.

Am 25. April 2016 wurde Dündar zunächst wegen Beleidigung des Staatspräsidenten zu einer Geldstrafe von etwa 9000 Euro verurteilt. Im Mai wurden Dündar und Gül dann vom Gericht für schuldig gesprochen, geheime Dokumente veröffentlicht zu haben. Am Rande des Prozesses kam es zudem zu einem Anschlag auf Dündar, bei dem ein Mann versuchte, auf ihn zu schießen. Das Attentat misslang jedoch und Dündar blieb glücklicherweise unverletzt. In einem Interview mit der Welt wertete sein Kollege Gül den versuchten Anschlag als eine Botschaft an alle Regierungskritiker: „Berichtet nicht, sonst wird es euch genauso ergehen!“.

Bis Dezember 2018 ist Can Dündar als Fellow im deutschen Writers-in-Prison/Writers-at-Risk-Programm tätig.