Mubeen Khishany

Der irakische Schriftsteller, Journalist und digitale Künstler arbeitet für diverse Zeitungen und ist Mitgründer des Maska Magazine für irakische Poesie.

Für seinen ersten Gedichtband „Aus der Hand des Trosts gerissen“ wurde er mit dem Al-Rafidain-Preis für junge Schriftsteller ausgezeichnet. Er arbeitete für politische, sozialkritische Videoformate wie der Al-Basheer-Show, einem für das freie Wort ausgezeichnete, sehr erfolgreichen Satire-Programm (auf DW Arabia).

Nach Todesdrohungen floh Khishany in die Türkei und kam 2023 als Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms nach Deutschland, wo er an literarischen Werken arbeitet. Und den Podcast “Jawani” betreibt. “Jawani” bedeutet “Dystopie”. Seinen Podcast nannte er so, weil “die aktuelle Situation im Irak eine dystopische Situation ist”, sagt Khishany – und spricht darin über Literatur und Kunst, vor allem der der neuen Generation irakischer Schriftsteller und Künstler, und über Themen wie Meinungsfreiheit und Menschenrechtsverletzungen.

 

Gulgeş Deryaspî

Gulgeş Deryaspî wurde 1978 in einem Dorf im Südosten der Türkei geboren. Sie arbeitete viele Jahre als Kurdisch-Lehrerin, war eine Zeit lang auch im Vorstand des kurdischen Schriftstellerverbandes und schrieb drei Romane „Tariya Bi Tav“ („Sonnige Dunkelheit“, Do-Verlag, 2010), „Xezal“ (J&J-Verlag, 2013) und „Ez Ne Ez Im“ („Ich bin nicht ich“, Sanci-Verlag, 2019).

Wegen dieses Engagements wurde Gulgeş Deryaspî verhaftet und war neun Monate im Gefängnis. Nach ihrer Entlassung wurde sie erneut zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Von 2023 bis 2025 war sie als Writers-in-Exile-Stipendiatin in Deutschland.

 

Zmicier Vishniou

Der belarussische Verleger, Schriftsteller und Künstler Zmicier Vishniou zählt zu den wichtigsten literarischen Stimmen in Belarus. Er ist Mitbegründer der literarischen Bewegung Bum-Bam-Lit, eines der bedeutendsten Phänomene in der weißrussischen Literatur der 1990er Jahre.

Vishniou war auch Leiter eines der führenden unabhängigen Verlage in Belarus (Halijafy). Dessen enge Beziehungen zum Goethe-Institut, dem Polnischen Institut und Pro Helvetia, sowie die aktive Förderung der Literatur in weißrussischer Sprache erschwerten seit 2020 die Tätigkeit von Vishniou in Belarus. Von 2022 bis 2025 war er Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des PEN Deutschland. In seiner Heimat droht ihm wegen seiner publizistischen Tätigkeit eine Gefängnisstrafe, sollte er dorthin zurückkehren.

Foto: privat

Collen Kajokoto

Meine Arbeit beschreibt die täglichen gesellschaftlichen Kämpfe in meiner Heimat Simbabwe. Meine Poesie ist mein Leben, sie ist mein Atem, sie lässt mich meine Gefühle, Emotionen und meine Beweglichkeit ausdrücken, und sie ist eine Klage über die Abwesenheit und den Willen – die Abwesenheit von Gerechtigkeit, Frieden, Fairness, Gleichheit, freier Meinungsäußerung und Redefreiheit – der Wille, Unterdrückung, Ungerechtigkeit, politische, wirtschaftliche, künstlerische und kulturelle Erstickung und Ausbeutung zu bekämpfen.

Mit dem Schreiben und Auftreten begann ich um 1998. Das politische Umfeld machte es mir jedoch extrem schwer, meine Werke zu veröffentlichen. Viele Schriftsteller und Verleger wurden körperlich bedroht, und Verlage lehnten es oft ab, Bücher oder andere Schriften zu unterstützen, bei denen die Gefahr bestand, dass sie von der Regierung verboten wurden. Trotz dieser Schwierigkeiten konnte ich einige Gedichte in Zeitschriften und Journalen veröffentlichen und in Lyriksälen und Clubs auftreten.
Eines dieser Gedichte ist Slain Farmer, das ich im Jahr 2000 nach der brutalen und gefühllosen Ermordung des weißen Farmers Martin Olds durch Kriegsveteranen geschrieben habe. Das Gedicht erschien ursprünglich in der simbabwischen Wochenzeitung Tribune, bevor es 2020 von ZimEye neu veröffentlicht wurde.

Im März 2002 wurde ich verhaftet und gefoltert, weil ich gegen die künstlerische Zensur und die politische Diktatur protestiert hatte. Ende 2002 floh ich aus Simbabwe nach Botswana, bevor ich in Südafrika Asyl beantragte. Als mein Asylantrag abgelehnt wurde, wurde ich zurück nach Simbabwe abgeschoben, wo ich wegen Anstiftung zur öffentlichen Gewalt und Verunglimpfung des Amtes und der Person des Präsidenten angeklagt wurde. Ich wurde daraufhin zu sieben Jahren Gefängnis ohne Aussicht auf Bewährung oder Straferlass verurteilt. Ich hatte keinen Rechtsbeistand.

Die Behandlung, die ich im Gefängnis erdulden musste, führte dazu, dass ich bei meiner Entlassung 2019 körperlich, geistig und wirtschaftlich schwer angeschlagen war. Seitdem habe ich Gedichte veröffentlicht, darunter Black Crocodile und God’s Secretary. Für das letztgenannte Gedicht wurde ich erneut verhaftet und von den simbabwischen Behörden verhört.

Bis zu meiner kürzlichen Übersiedlung nach Deutschland mit Hilfe des Writers-in-Exile-Programms lebten ich und meine Tochter an einem ungenannten Ort in Harare mit Unterstützung von u.a. Artists at Risk (AR)-Bridging Fund, Amnesty International (USA), Freemuse und Artists Civil Rights Defenders. Zurzeit lebe ich in Deutschland als Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des deutschen PEN.


My name is Collen Kajokoto (1973) and I am Zimbabwean, a poet, performer, human and artists rights defender from Domboshava village, close to the capital Harare.

My work depicts daily societal struggles in my native Zimbabwe. My poetry is my life, it’s my breathe, it lets me express my feelings, emotions, mobility and it’s a matrimony lamentation of Absence and Will- the Absence of justice, peace, fairness, equality, freedom of expression and free speech – the Will to fight oppression, injustice, political, economic, artistic/cultural suffocation and exploitation.

I started writing and performing around 1998. However, the political environment made it extremely difficult to publish my work. Many writers and publishers face physical threats and publishing houses often declined to support books or other writings that risked being banned by the government. Despite these challenges, I was able to publish a few poems in periodicals and journals and perform at poetry venues and clubs.
One such poem is Slain Farmer, which I wrote in 2000 following the brutal and callous murder of White farmer Martin Olds by war veterans. The poem originally appeared in the Zimbabwean weekly Tribune, before being republished by ZimEye in 2020.

In March 2002, I was arrested and tortured for protesting artistic censorship and political dictatorship. I fled Zimbabwe for Botswana at the end of 2002, before seeking asylum in South Africa. When my asylum request was rejected, I was deported back to Zimbabwe to face prosecution on charges of inciting public violence and denigrating the Office and the person of the President. I was subsequently sentenced to seven years in prison without chance of parole or remission. I had no legal representation.

The treatment I endured in prison left me physically, mentally and economically disabled upon my release in 2019. Since then, I  have released poems including Black Crocodile, and God’s Secretary.  The latter poem saw me once again arrested and interrogated by the Zimbabwean authorities.

Until my recent relocation to Germany, courtesy of Writers-in- Exile Scholarship program, I and my daughter have been living at an undisclosed location in Harare with support from, among other organizations, Artists at Risk (AR)-Bridging Fund, Amnesty International(USA), Freemuse, Artists Civil Rights Defenders.

 

 

Stella Gaitano

Stella Gaitano ist eine bekannte südsudanesische Schriftstellerin und Aktivistin. Ihre Arbeiten konzentrieren sich auf die Auswirkungen des Krieges, die systematische sozio-politische Ungerechtigkeit gegenüber der marginalisierten sudanesischen Bevölkerung und entlarven die politischen und ideologischen Gründe für das Anzetteln von Kriegen und Gräueltaten.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sie Kurzgeschichten, Romane und journalistische Artikel veröffentlicht, außerdem wurde sie mit dem PEN Translates Award ausgezeichnet. Ihr Roman „Eddo’s Souls“ war das erste südsudanesische literarische Werk, das einen Literaturpreis erhielt. Ihre Werke wurden in renommierten internationalen Medien veröffentlicht und rezensiert, darunter die New York Times, Banipal, BBC Arabic und Al Jazeera.

Nach der Spaltung des Sudan vom Süd-Sudan wurde Stella staatenlos und verlor daraufhin ihre Arbeit. Aufgrund ihrer politischen Haltung und ihres Aktivismus geriet sie ins Visier nationalistischer und tribalistischer Kreise, die sie in den sozialen Medien angriffen. Sie hetzten die Öffentlichkeit auf, sie zu töten. Stella wurde zur Zielscheibe von Obszönitäten und offenen Hassreden.

Nachdem Stella als Kultur- und Menschenrechtsaktivistin Initiativen in Dafur auf den Weg bringen wollte, wiederholten sich Drohungen gegen sie und ihre Kinder und es kam 2021 zu erneuten tätlichen Angriffen.

 

Anise Jafarimehr

Die iranische Schriftstellerin, Sprachlehrerin und Kulturaktivistin wurde aufgrund ihrer schriftstellerischen Tätigkeit und politischen Arbeit zur Erhaltung der kurdischen Sprache und Kultur von iranischen Sicherheitskräften verfolgt. Die kritische Aktivistin wurde bereits mehrfach verhaftet und sah sich physischer sowie psychischer Gewalt ausgesetzt.
Jafarimehr war von 2021 bis 2024 Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms.

 

Nazli Karabiyikoglu

Die türkische Autorin und Aktivistin Nazli Karabiyikoglu wurde 1986 in Ankara geboren. An der durch den Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan aktuell unter Druck stehenden Eliteuniversität Bogaziçi studierte Karabiyikoglu Türkische Sprache und Literatur und veröffentlichte inzwischen fünf Bücher, vier Erzählbände und einen Roman, für die sie in der Türkei mit sechs Preisen ausgezeichnet wurde. Aufgrund der politischen und geschlechterspezifischen Unterdrückung in der Türkei entschied sie sich, die türkische #Metoo-Bewegung voranzutreiben und sich innerhalb der türkischen Verlagsindustrie für politische Minderheiten einzusetzen.

In ihrem Heimatland deckte sie sexuelle Belästigung, Vergewaltigungskultur und Mobbing innerhalb der türkischen Literaturszene auf. Aufgrund dieser Recherchen und Artikel über die fortdauernden sexuellen Übergriffe, der sie und ihre Kolleginnen ausgesetzt waren, und der Texte, die sie über dieses Thema veröffentlichte, wurde sie von der Verlagsgemeinschaft ausgeschlossen. Als queere Frau lebte die Schriftstellerin unter der ständigen Angst, verhaftet oder getötet zu werden. Als der Druck aufgrund der anhaltenden Repressionen und der eingeschränkten Meinungsfreiheit zu groß wurde, floh sie im Jahr 2017 in das christlich orthodox geprägte Georgien, wo sie ebenfalls Anfeindungen und Unterdrückung ausgesetzt war.

Als feministische Aktivistin kämpft sie für die Rede- und Schaffensfreiheit. Mit ihrer Arbeit macht sie auf die Missstände innerhalb der türkischen Gefängnisse und inländische Konflikte aufmerksam. Sie möchte frei über eines der größten moralischen Tabus ihres Landes schreiben, das zu vielen Morden in der LGTBQ Community führt, der Homosexualität.

Nachdem Nazli Karabiyikoglu in ihrem Land wichtige Literaturpreise gewonnen hatte, begann sie 2009 für Zeitschriften zu arbeiten. Für ihre Texte bekam sie unter anderem den Preis der UnCollected Press/Raw Art Review Full Length Book of Short Stories.

Von 2021 bis 2024 war Nazli Karabiyikoglu Stipendiatin des Writers in Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums. Außerdem wurde sie für ein zweijähriges Stipendiumim Human Rights-Programm (Masterstudiengang) an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg ausgewählt
Für ihren neusten Roman „Elfiye“ wurde sie gemeinsam mit ihrer Übersetzerin Eva Lacour vom Deutschen Übersetzerfonds Neustart Kultur mit einer Vollförderung für die deutsche Übersetzung des Romans ausgezeichnet.

Dawood Siawash

Dawood Siawash ist September 2023 verstorben.  Der afghanische Journalist und Autor hat sich in seiner journalistischen Arbeit für Menschenrechte und demokratische Regierungsführung stark gemacht. Dabei deckte er den Missbrauch der afghanischen Regierung auf, weshalb er zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt war. Drohungen kamen nicht nur von den Taliban, sondern auch von Regierungsbeamten und mächtigen Einzelpersonen. Ab Juni 2021 bis September 2023 war Siawash Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm.

Foto: privat

Barbaros Altug

Barbaros Altuğ ist ein türkischer Schriftsteller, Journalist und Literaturagent. Als Kolumnist und Autor über LGBT- und Minderheitenrechte in der Türkei erhielt er Morddrohungen und verließ nach dem gescheiterten Putsch 2016 und zunehmenden Repressionen die Türkei. Von Dezember 2020 bis Dezember 2023 war Altuğ Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms. Barbaros Altuğ wurde in der Türkei geboren. Der Schriftsteller, Journalist und Literaturagent arbeitete für mehrere Zeitungen und Monatsmagazine, unter anderem war er zwei Jahre lang Kolumnist bei der inzwischen geschlossenen Tageszeitung Taraf Daily des inhaftierten Journalisten Ahmet Altan. 1999 gründete Altuğ die erste türkische Literaturagentur.

Sein erster Roman “Es geht uns hier gut” erschien auf Türkisch, Übersetzungen ins Deutsche und Englische folgten. Außerdem veröffentlichte er eine Anthologie in türkischer Sprache, die ins Griechische und Bulgarische übersetzt wurde.
Als Kolumnist und Autor über LGBT und Minderheitenrechte in der Türkei erhielt Altuğ Morddrohungen. Nach dem gescheiterten Putsch 2016 und zunehmenden Repressionen verließ er die Türkei, lebte ein Jahr lang in Paris und beendete seinen zweiten Roman „Sticht in meine Seele“, der vom Völkermord an den Armeniern handelt und in Paris, Istanbul und Jerewan spielt. Das Werk wurde 2019 von der Hrant DinkStiftung mit einem Reisestipendium gefördert. Aufgrund des sensiblen Inhalts wird der Band nicht auf Türkisch veröffentlicht.
Zurzeit arbeitet er an einem neuen Roman, der die Geschichte einer Familie über vier Generationen zwischen 1960 und 2010 erzählt. Für die Arbeit an dem neuen Roman erhielt er von Writers Unlimited in Den Haag ein Stipendium für das Jahr 2020.

In den Jahren 2006 und 2017 gab er an der Gümüşlük Akademie in Istanbul und Bodrum Seminare. Seine Artikel über Reisen, Städte, Menschen und Orte wurden in Hurriyet, Radikal und anderen Tages und Monatszeitschriften veröffentlicht.

Farhad Jahanbeigi

Der iranische Lyriker, Journalist und Sprachvermittler Farhad Jahanbeigi wurde 1980 im Iran geboren. Farhad Jahanbeigi wurde wegen seiner literarischen, journalistischen, sozialen und politischen Aktivitäten wiederholt von iranischen Sicherheitsbehörden festgenommen und inhaftiert. Eine Sammlung kurdischer und persischer Gedichte sowie andere Manuskripte wurden 2015 bei einer Razzia in seinem Haus beschlagnahmt und konnten im Iran nie veröffentlicht werden. Von März 2022 bis Dezember 2023 war er Stipendiat des Writers-in-Exile Programms.

Von 2022 bis 2024 war Farhad Jahanbeigi Stipendiat des Writers in Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums.